Herzogenaurach

Der gläserne Mensch ist digital

Datenschutz  Das Internet und die dortigen Programme haben viele Vorteile und vereinfachen das Leben. Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Die beiden Datenschützer Ernst Schulten und Holger Weber klärten Feuerwehrler in Herzogenaurach auf.
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Ernst Schulten (l.) und Holger Weber weisen auf den Notfallknopf hin, den es so leider nicht gebe.
Ernst Schulten (l.) und Holger Weber weisen auf den Notfallknopf hin, den es so leider nicht gebe.
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von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Busch

Herzogenaurach — Mit der Begeisterung ist das so eine Sache. Denn erst einmal klingt das toll, was die neue digitale Welt so alles bietet. Gerade für die Feuerwehr gibt es tolle Sachen, stellten die Leiter der Jugendfeuerwehren im Landkreis Erlangen-Höchstadt bei einer Veranstaltung in Herzogenaurach fest.
Die Augen leuchteten, als die beiden Referenten Ernst Schulten und Holger Weber von den vielen Möglichkeiten sprachen, die die moderne Welt bietet. Es gibt einen Internet-Giganten, der brachte zum Beispiel eine Brille auf den Markt, die einen "Terminator-ähnlich" dauerhaft mit Informationen über die Umgebung versorgt. Das wäre bei einem Brand ideal. Eine integrierte Wärmebildkamera, eine App zur Personensuche, eine Karte, um sich zu orientieren.

Vorteile und Nachteile

Doch die beiden Referenten wären keine Datenschützer, würden sie dem Positiven nicht auch gleich gegenüberstellen, was eher bedenklich ist. Gestartet wurde mit einem wichtigen Thema, das für Feuerwehren eine immer wichtigere Rolle spielt. Denn die Vorzüge der neuen Smartphones werden gerne genutzt. Fotos mit bis zu 40 Megapixel werden direkt von der Einsatzstelle ins Netz gestellt. Facebook, Instagram und Co. dienen als ideale Plattformen, um über die Geschehnisse vor Ort und die Arbeit der Feuerwehren zu informieren.
Doch Schulten warnt: "Sie erkennen auf den Bildern alles und finden Informationen, die so nicht in die Öffentlichkeit sollten." Zur Bestätigung zeigt er ein Bild vom amerikanischen Präsidenten Obama. Dieser wurde im Camp David mit einem Smartphone aufgenommen. Das Bild wanderte gleich ins Netz - in Originalgröße. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man nicht nur die verschwitzten Sportsachen des Präsidenten, viel interessanter ist die gut lesbare Telefonnummer auf der Rückseite eines Apparates in dem Raum.
"War aber immer besetzt, als ich dort versucht habe anzurufen", scherzt der Datenschützer, der aber gleichermaßen auf die Gefahren hindeutet. In den Gesichtern der Feuerwehrleute war zu lesen, dass sie sich nicht sicher sind, ob alle gemachten Fotos den Anforderungen eines veröffentlichten Bildes gerecht werden.
Das Staunen wurde noch größer, als die beiden Herren die Systematik im Internet erläuterten. Anhand eines "analogen Beispiels" verdeutlichte Schulten die bekannte Realität. "In diesem Dorf wollen Astrid und Jens heiraten", startete er unverfänglich.
In wenigen Schritten erläuterte er aber, welche Rolle die Freundin spielt, die in der Apotheke arbeitet, der Tankstellenbesitzer und andere Tratschtanten. Innerhalb kürzester Zeit wusste das Dorf über die Schwangerschaft der in der Mitte der Dorfgemeinschaft stehenden Astrid.

Plötzlich auf der Pornoseite

"Das ist im Netz genauso." Nur offensichtlich viel schneller, wie live auf der Bühne demonstriert wurde. Live und in Farbe demonstrierten die beiden, dass bereits der Versuch bei einem "hippen Schuhhändler" dazu führt, dass mehr als drei Dutzend anderer Anbieter im Netz über die Vorlieben des Käufers Bescheid wissen. "Diese Cookies werden gesetzt, ohne dass Sie das mitbekommen", warnte Weber. Einen weiteren Hinweis gab es dann nochmals zu den Fotos. "Bilder werden nach bestimmten Algorithmen gesucht und dann auf Seiten gezeigt, auf denen Sie nicht erscheinen wollen", sagt Weber. Pornoseiten arbeiten mit Programmen, die errechnen, wie viel Haut auf dem Bild zu sehen ist, um dann das Bild zu klauen, und um es weiterzuverwenden. "Kinder und Flüssigkeiten haben auf dem PC nichts zu suchen", warnte Schulten daher auch - und ergänzte: "Vor allem blonde Menschen werden gerne genommen."
Die beiden Experten wollten die rund 50 Zuhörer aber nicht im digitalen Regen stehen lassen. Es gibt einige Programme, die schützen. Diese wurden vorgestellt und empfohlen. Es gab aber auch ein besonderes Bonbon: "Wenn Sie per Internet einkaufen und ein veraltetes Betriebssystem haben, bekommen Sie bessere Angebote, als derjenige, der mit neuem Betriebssystem und moderner Technik auf die Seite geht."
Ein Geld sparender Tipp, aber dennoch irgendwie erschreckend.



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