Königsberg in Bayern

Der christliche Glaube lässt sich viel besser singen als diskutieren

K antate, so heißt dieser Sonntag in der evangelischen Kirche: "Singet!". Er gehört zu den Sonntagen nach Ostern mit einem Ausrufezeichen im Namen. Jubilate, Kantate, Rogate; "Jube...
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K antate, so heißt dieser Sonntag in der evangelischen Kirche: "Singet!". Er gehört zu den Sonntagen nach Ostern mit einem Ausrufezeichen im Namen. Jubilate, Kantate, Rogate; "Jubelt!", "Singt!", "Betet!". Drei österliche Imperative. Und es hat schon seine Richtigkeit, dass wir da aufgerufen werden zum Jubel, zum Lobpreis und zum Gebet. Denn auf uns allein gestellt, vergäßen wir es wohl häufiger, das zu tun, was uns doch im Innersten wohltut, was unserem Glauben Kraft und Halt und Zuversicht gibt.
Singen, das ist die Äußerung des Menschen, die Geist, Seele und Leib gleichermaßen anspricht und anregt. Sie verbindet diese Dimensionen menschlichen Daseins, die oft genug getrennt zu sein scheinen, in unserem alltäglichen Erleben. Singen, so sagen uns die Wissenschaftler, regt die Atmung an, lässt das Blut in Wallung geraten und schüttet Glückshormone aus. Es lässt uns tiefer empfinden, tiefer fühlen und tiefer wahrnehmen. Der alte Augustinus sagte dazu: Quis cantat bis orat: "Wer singt betet doppelt."
Martin Luther schloss sich dieser Auffassung natürlich an. Denn der christliche Glaube lässt sich viel besser singen als diskutieren. War doch die Kirche stets auch eine singende Kirche und gerade die Kirche der Reformation im Besonderen. Ein Gottesdienst ohne Gesang, ohne Musik, das ist schwerlich vorstellbar.
Nun gibt es Zeiten, da möchten wir aber lieber verstummen. In Zeiten der Krankheit, in Zeiten der Trauer, in Zeiten wie diesen, wo es in der Welt drunter und drüber zu gehen scheint und politische Konflikte und Kriege oder auch die Natur, wie in Nepal, Menschenleben fordern und gefährden. Gerade da sollten wir aber als Christen immer wieder uns vor Augen halten, dass der Grund unseres Gesangs nicht in der Welt, sondern über der Welt, oder besser, in Jesus Christus zu finden ist.
Wir singen um Jesu Christi willen! Wir singen das "neue Lied" vom österlichen Sieg unseres Herrn! Singen davon, dass er der Herr bleibt, auch wenn sich andere Mächte und Gewalten als Herren aufspielen mögen. Er ist und bleibt ihnen überlegen und wird sie selbst einmal verstummen lassen, dann, wenn der neue Himmel und die neue Erde verwirklicht und er alles in allem ist. Darum: "Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh! Gottes Macht hält mich in acht; Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen."

(Peter Hohlweg ist der evangelische Pfarrer in Königsberg.)
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