Bad Kissingen

Der Fachkräftemangel wird zum echten Problem

Kathrin Kupka-Hahn Die Prognose für den Tourismus ist realistisch. Davon ist der Bad Kissinger Hotelier Heinz Stempfle überzeugt. Zwar habe er die sozioökon...
Artikel drucken Artikel einbetten
Kathrin Kupka-Hahn

Die Prognose für den Tourismus ist realistisch. Davon ist der Bad Kissinger Hotelier Heinz Stempfle überzeugt. Zwar habe er die sozioökonomische Studie zu den Auswirkungen eines möglichen Nationalparks Rhön auf den Tourismus in der Region nicht en Detail gelesen. Jedoch stimme er den Aussagen von Professor Hubert Job und seinen Mitarbeitern weitestgehend zu. Lediglich den Zeitraum, bis wann der touristische Aufschwung kommen wird, hält Stempfle für knapp bemessen.


Aufschwung erst in 20 Jahren

Der Würzburger Universitäts-Professor und seine Mitarbeiter vom Institut für Geografie und Geologie gehen davon aus, dass bereits ab 2025 ein Aufwärtstrend in der Region spürbar sein wird. "Es wird rund 20 Jahre dauern", ist Stempfle überzeugt, räumt jedoch ein: "Je früher dieser Aufschwung kommt, umso besser ist das für uns."
Die Würzburger Julius-Maximilians-Universität war von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) beauftragt worden, die sozioökonomischen Wirkungen eines Nationalparks in den potenziellen Nationalparkregionen zu untersuchen, die sich aktuell im Dialogprozess befinden. Von April bis Juni wurde diese Studie angefertigt, und in der vergangenen Woche auf der Homepage des Landkreises veröffentlicht.
Die Wissenschaftler sagen der Region Rhön bis 2050 hinsichtlich der touristischen Entwicklung eine düstere Zukunft voraus: Sie wird stagnieren und sich sogar negativ entwickeln. Ein Nationalpark hingegen würde nicht nur mehr Gäste, sondern ab 2050 jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von 27,5 Millionen Euro bringen. "Sowohl die Kurorte als auch insbesondere die übrige Nationalparkregion profitieren", schreiben die Würzburger. "Das alles habe ich bereits in der Erhard-Halle in Burglauer gesagt", betont Heinz Stempfle, der sich seit 30 Jahren im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband engagiert und momentan das Amt des Bezirksvorsitzenden bekleidet. "Die 27,5 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen jährlich halte ich für realistisch. In den Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgadener Land floriert der Tourismus auch."
Dass Gastronomie und Hotellerie in der Region rückläufig sind, stimme, und habe seines Erachtens viele Ursachen. So sei der Fortbestand etlicher Betriebe nicht mehr gewährleistet. "Wer will denn die Arbeit noch machen", fragt er. Zudem bereiten die fehlenden Fachkräfte zusehends Kopfzerbrechen. "Es gibt hier keine Serviererinnen, keine Köche mehr", schildert Stempfle seine Erfahrungen.
In den Städten hingegen sei das kein Problem. Dort gebe es Studenten und viele Ausländer, die in der Gastonomie und Hotellerie arbeiten. Ob sich der Fachkräftemangel mit dem Nationalpark regulieren wird, könne er aber nicht voraussagen.
"Den jungen Leuten muss die Arbeit wieder schmackhafter gemacht werden. Da besteht viel Nachholbedarf", ist Stempfle überzeugt. Das habe nichts mit Geld zu tun, sondern mit der Freizeit. "Viele wollen heutzutage keine Schichtdienste, denn sie sind familienvernichtend. Früher kannte man es nicht anders", fügt er hinzu.


Immer mehr Bustouristen

Woher die künftigen Nationalparkbesucher kommen werden, dazu kann Stempfle bereits jetzt schon erste Aussagen treffen. Professor Job und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass ab 2035 die Besucherzahlen in der gesamten Rhön deutlich steigen werden.
"Die meisten Gäste kommen bereits jetzt schon aus dem Rheinland und Berlin, weniger aus dem Süden", weiß der Bad Kissinger Hotelier.
Er geht davon aus, dass künftig noch mehr Busreisende als Tagesgäste in der Region Halt machen werden, dann aber weiter in den Süden fahren. "Denn der Bustourismus hat enorm zugenommen. Das weiß ich von der Kurverwaltung."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren