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Hochstadt

Der Borkenkäfer lauert schon wieder

Schädling  Die Waldbesitzer schlagen zwar weniger Holz, erlösen aber mehr Geld. Aber es droht Gefahr durch einen fresswütigen Winzling.
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Wie ein furchterregendes Monstrum sieht der Borkenkäfer unter dem Mikroskop aus. In Wirklichkeit sind die Insekten nur ein bis neun Millimeter groß. Zu spaßen ist mit ihnen nicht. Sie können ganze Wälder vernichten.   Foto: Stephan Stöckel
Wie ein furchterregendes Monstrum sieht der Borkenkäfer unter dem Mikroskop aus. In Wirklichkeit sind die Insekten nur ein bis neun Millimeter groß. Zu spaßen ist mit ihnen nicht. Sie können ganze Wälder vernichten. Foto: Stephan Stöckel
von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Hochstadt — Die Holzvermarktung durch die Waldbesitzervereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein ist bereits das vierte Jahr in Folge rückläufig. Waren es 2013 noch 21 198 Festmeter, die verkauft wurden, so wurden im vergangenen Jahre nur noch 20 204 Festmeter veräußert. Anlass zur Sorge gab diese Entwicklung bei der Jahresversammlung in der Hochstadter Katzogelhalle allerdings nicht, stiegen doch im gleichen Zeitraum die Erlöse aus dem Holzverkauf von 1,3 auf 1,5 Millionen Euro.
Worauf ist diese auf den ersten Blick gegensätzliche Entwicklung zurückzuführen? Licht ins Dunkel brachte die Geschäftsführerin der Vereinigung Iris Götting-Henneberg: "Viele Waldbauern haben sich ganz bewusst für eine Durchforstung ihrer Wälder entschieden, die der Waldpflege dient. In früheren Jahren befand sich unter der abgesetzten Menge auch viel Schadholz aus größeren Schadensereignissen, von denen wir 2014 verschont geblieben sind. Außerdem sind die Holzpreise noch immer hoch." Zugleich beklagte sie, dass trotz optimaler Bedingungen ein Teil der Eigentümer nur sehr schwer zum Verkauf seines Holzes zu bewegen sei. Der im vergangenen Jahr erzielte Überschuss ist von 28 000 auf rund 11 000 Euro deutlich zusammengeschmolzen. Das geht aus dem Kassenbericht von Steuerberater Günther Späth hervor. Davon ließ sich Vorsitzender Robert Hümmer nicht ins Bockshorn jagen: "Unsere Firma ist alles in allem gesund. Solange kein Minus vorliegt, können wir beruhigt schlafen."

42 Neuzugänge, 29 Austritte

Über ein Plus bei den Mitgliederzahlen freute sich die Geschäftsführerin: 42 Neuzugängen standen im vergangenen Jahr nur 29 Austritte gegenüber. Am 31. Dezember 2014 hatten 2347 Männer und Frauen der WBV die Treue gehalten, ein Jahr zuvor waren es nur 2334 Personen gewesen.
Jäger und Waldbauern waren sich in der Vergangenheit nicht immer grün. Doch inzwischen scheinen sie ihr Kriegsbeil begraben zu haben. Bei der Jahresversammlung wurden von beiden Seiten versöhnliche Töne angeschlagen. "Waldbesitzer und Jäger gehören zusammen wie Wald und Wild. Kein Waidmann will einen Waldverbiss und kein Waldbauer will, dass seine Enkel in Zukunft keine Hasen und Rehe mehr sehen", stellte Vorsitzender Michael Ament vom Bayer. Jagdschutz- und Jägerverein Lichtenfels klar. Kreisobmann Michael Bienlein vom Bayerischen Bauernverband (BBV) begrüßte als einen Weg in die richtige Richtung das Verbissgutachten. Es werde keine neuen Bäume hervorbringen, sondern zeige vielmehr allen Akteuren auf, wo man mit der Arbeit ansetzen müsse, meinte der Waldbauer. Dass Jäger und Waldbesitzer aufeinander zugehen, freute Landrat Christian Meißner, der nicht um den heißen Brei herumgeredet hatte: "Wir haben zu viel Zeit mit Streit verplempert. Dabei wollen wir doch alle nur das Beste für Wald und Wild."
Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg schrieb den Zuhörern ins Stammbuch: "Der Schlüssel für eine erfolgreiche Waldbewirtschaftung ist immer das Holz-Machen. Deshalb kümmern Sie sich um Jungbestandspflege, Durchforstung und Verjüngung."
Damit es zu keinem bösen Erwachen komme, sollten die Waldbesitzer auch auf Schädlinge und Krankheiten achten. Diese Botschaft ging von dem Vortrag aus, den Ralf Petercordt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising hielt. "Wenn Sie den Borkenkäfer nicht bekämpfen, dann ist der Wald verloren", ermahnte er die Zuhörer. Der milde Herbst des vergangenen Jahres habe dazu geführt, dass Käfer in der Rinde überwintert hätten. Er riet dazu, Bäume auf den Schädling hin zu überprüfen und die betroffene Exemplare in den nächsten vier Wochen, bevor der Käfer ausschwärme, zu entfernen.
Seit Mai vergangenen Jahres ist Hümmer auch Bürgermeister von Altenkunstadt. Darauf angesprochen, ob er beide Ämter unter einen Hut bringen könne, meinte er: "Sehr wohl. Ich habe ein tolles, fünfköpfiges Team in der Lichtenfelser Geschäftsstelle, das mir viel Arbeit abnimmt."
Die Mitglieder trauten es ihm zu und wählten ihn einstimmig zum alten und neuen Vorsitzenden der WBV. "Das bissla Aldenkuschd kriegsta a noch hin", kommentierte Meißner ausgenzwinkernd und auf fränkisch. Mit Dieter Popp stellte man ihm einen neuen Zweiten Vorsitzenden an seine Seite.

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