Haßfurt

Der Aufstieg war 2015 sein Glanzlicht

Die Menschen im Landkreis Haßberge haben ein Jahr mit Höhen und Tiefen erlebt - mehr oder weniger. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt mancher von Freud' und Leid. "Charly" Rüttinger aus Steinbach gibt dem Jahr in der Zusammenschau die Note zwei.
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Was ist für ihn im Jahr 2015 gerade im Landkreis Haßberge außergewöhnlich, besonders, eigenartig oder einfach nur schön? "Da fällt mir so spontan eigentlich nichts ein", meint Karl Rüttinger. Doch halt: "Geschmunzelt habe ich nur darüber, dass man sich mit einer Wiedereinführung alter Kfz-Kennzeichen wie EBN, HOH oder GEO so lange und intensiv beschäftigen kann", erinnert sich der Steinbacher an lange öffentliche Diskussionen auf Kreisebene.
Was für Rüttinger, in dem Ebelsbacher Gemeindeteil nur als "Charly" bekannt, viel wichtiger war und immer in bester Erinnerung bleibt: die Meisterschaft seiner Sportfreunde, verbunden mit dem Aufstieg in die Kreisklasse - und das rechtzeitig zum 50. Vereinsjubiläum. Nachdem er vier Jahrzehnte im Vorstand seines Heimatvereins tätig war, hat er sich über diesen Triumph "sehr, sehr gefreut", betont der bei einer Eltmanner Firma beschäftigte technische Angestellte. "Ganz besonders mit meinem persönlichen ,Fußballmentor‘ Stefan Seufert." Und warum? "Er hat die Mannschaft hervorragend trainiert und eingestellt und natürlich selbst auch einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg beigetragen", gibt es für den ehemaligen Regionalligakapitän des FC 05 Schweinfurt, dessen Wechsel im Sommer 2014 in die A-Klasse einer Sensation glich, ein Sonderlob.
Doch auch auf nationaler und internationaler Ebene machte sich Charly Rüttinger - wie übrigens alle unserer Befragten - seine Gedanken. Für ihn waren und sind die Flüchtlingskrise sowie der Terror die zentralen Themen. "Das Flüchtlingsproblem", glaubt er fest, "kann nach meiner Meinung nur gemeinsam innerhalb der europäischen Gemeinschaft gelöst werden. Dies gilt auch für die Bekämpfung des Terrors."
Als Fußballfan hat er zudem die Skandale von FIFA und DFB verfolgt. "Hier wurde wiederum einmal meine persönliche Meinung bestätigt, dass Funktionäre und Politiker beeinfluss- und manipulierbar sind und sich ihre Stimmungen und Meinungen wie Fähnchen nach der Windrichtung von Meinungsumfragen oder persönlichen Vorteilen ausrichten", lautet sein Fazit.
Doch gibt es für ihn noch Positives? Da gibt der 62-Jährige einen Einblick in sein Privatleben. "Privat bin ich rundum glücklich und freue mich vor allem darüber, wenn mich meine Enkelkinder Finn und Leni besuchen und ich mit ihnen eine schöne Zeit mit viel Spaß und Freude verbringen kann." Trotz vieler Krisen in der Welt sowie Hunger und Not in der Zeit des 21. Jahrhunderts gibt er dem Jahr "insgesamt gesehen die Note zwei". Für 2016 wünscht sich Rüttinger "weiterhin eine schöne Zeit mit meinen Enkelkindern, Gesundheit für die Familie, sozialen Frieden in Deutschland, verbunden mit der Hoffnung auf eine friedlichere Welt".
Was hat die Bürger im Landkreis sonst bewegt, auf Gemeinde-, Landkreis- oder sogar auf Weltebene? Welche Themen, Aktionen, Ereignisse sind in Erinnerung geblieben?

Thorsten Landgraf (33) aus Neubrunn: "Meine persönlichen Erlebnisse und Ereignisse erscheinen mir angesichts der vielen negativen Vorkommnisse im abgelaufenen Jahr sehr nebensächlich. Flugzeugabstürze, Erdbeben, Überflutungen und zahlreiche Terroranschläge forderten Tausende Leben und versetzten die Welt in Angst und Schrecken. Hunderttausende verließen ihre Heimat, um bei uns in Deutschland und ganz Europa Zuflucht zu finden. Da wir in einer schnelllebigen Konsum- und Materialgesellschaft zu Hause sind, haben mich Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unserer Bevölkerung sehr überrascht. Auch durch die Pegidapropaganda ließen sich die Menschen nicht einschüchtern oder abschrecken, und es entwickelte sich eine riesige Willkommenseuphorie. Auch die letzten ISIS-Anschläge vom November in Paris änderten nichts an der Einstellung unseres Landes an der Unterstützung der Vertriebenen. Zurzeit bin ich wirklich stolz darauf, ein Deutscher zu sein, denn wir schauen nicht weg, sondern handeln und helfen, wo wir können. Wir nehmen nicht nur, sondern wir geben. Einen Appell möchte ich gen Brüssel richten. Auch die Politiker im Europaparlament müssen endlich handeln. Sie müssen klare Regelungen und Unterstützungen für die Länder im Bezug auf die Flüchtlingspolitik generieren." Er gibt dem Jahr die Note 3.

Maximilian Schirmer (18) aus Aidhausen: "2015 ist sehr schnell vorbeigegangen. Persönlich habe ich viel Positives erlebt. Doch das, was zurzeit in der Welt passiert, stimmt mich sehr traurig. Terroranschläge in Mali, Syrien oder Paris mit unzähligen Opfern ist grauenhaft. Ich hoffe, es folgen keine weiteren Anschläge auf der Welt. Aber bei all dem Hass dürfen wir nicht das Positive in diesem Jahr vergessen, zum Beispiel die herrlich heißen Sommertage." Er gibt dem Jahr "aus persönlichen Gründen" die Note 2 plus.

Klaus Ringer (51) aus Wülflingen: "Im Jahr 2015 war das Engagement im Ehrenamt ganz besonders wichtig. Sowohl die Unterstützung in der Versorgung der Flüchtlinge als auch die Aktivität im Vereinsleben sind von großer Bedeutung. Ich bin im Musikverein Wülflingen aktiv und freue mich, dass man hier in jeder Generation, ob Jung oder Alt, ein Instrument erlernen kann. Ich wünsche allen Musikanten, allen Freunden und Bekannten und natürlich meiner Familie ein gesundes, zufriedenes und glückliches Jahr 2016." Aufgrund der "tragischen Ereignisse" gibt er die Note 3.

Barbara Düring (24) aus Sand: "Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, muss ich sofort an Freitag, 13. November, denken. Bis dahin waren die Begriffe ,Terror' und "Islamischer Staat" zwar ständig präsent, aber trotzdem ganz weit weg. Ich hoffe inständig, dass wir in Zukunft wieder in Sicherheit unsere Freiheit genießen können - ohne Angst zu haben, dass unschuldige Menschen durch den Terror sterben müssen." Sie gibt 2015 die Note 3.

Petra Rambacher (46) aus Prappach: "Für mich war es 2015 etwas ganz Besonderes, bei der Planung und Entstehung des neuen ,Sinnwegs‘ in Prappach dabei sein zu dürfen und somit etwas zu schaffen, wovon die nächste Generation noch profitieren kann. Für unser Dorf waren sicher die Fußballmeisterschaft und der Aufstieg in die Kreisliga das Highlight. Prägende Themen waren aber sicher die Flüchtlingslage und die Terroranschläge, die ja zuletzt auch uns in Deutschland trafen. Persönlich wünsche ich mir ein gesundes 2016 für alle Menschen, die mir wichtig sind, und dass Deutschland und Europa Lösungen finden, die den Weltfrieden wieder sicherer machen." Sie gibt insgesamt eine "gute 3".

Marco Benz (30) aus Breitbrunn: "2015 war sehr ereignisreich. In der ehemaligen Schule in Breitbrunn wurden Flüchtlingsfamilien untergebracht. Zunächst standen dem viele Leute skeptisch gegenüber, doch man hat sich mit der Situation arrangiert und akzeptiert, dass auch Breitbrunn helfen kann. Im Steinbruch war plötzlich ein riesiger Kopf in den Sandstein geschlagen. Keiner wusste, was das zu bedeuten hatte, bis man nach der Sprengung aufklärte, dass dieser überdimensionale Kopf mit dem Kinofilm zur Reihe ,Die Tribute von Panem‘ zu tun hat. Für 2016 wünsche ich mir, dass der Terror aufhört, da man nach den Anschlägen von Paris fast sicher sein kann, dass es auch Deutschland treffen wird." Note 2

Dirk Melchior (40) aus Westheim: "Ich muss sagen, dass in Westheim eigentlich immer etwas los ist. Vor Kurzem der Weihnachtsmarkt oder der Besuch der ,Dorfrocker‘. Auch die Hilfsbereitschaft finde ich super. Ich denke und hoffe, dass viele Bilder, die wir in den letzten Monaten regelmäßig im Fernsehen gesehen haben, keinen kaltlassen. In unserer Nachbarschaft lebt jetzt eine syrische Familie. Es ist toll, dass es so Leute gibt wie Dr. Becker, unseren langjährigen Hausarzt. Er kümmert sich um die Menschen. Ich hoffe, dass ich die Familie in den nächsten Monaten auch noch besser kennenlerne. Ich bin ja außerdem ein begeisterter Fußballer. Da hat mich natürlich gefreut, dass wir gleich in der ersten Saison mit den Alten Herren Meister wurden. Also alles im grünen Bereich." 2015 verdient für ihn insgesamt nur die Note 3.

Hans Nölscher (52) aus Trossenfurt: "Für mich war der Anschlag in Paris das prägendste Ereignis. Zum einen sieht man, dass wir jederzeit in Europa und auch in Deutschland verwundbar sind. Zum anderen trauern wir mit unseren französischen Freunden. Wir waren ja erst im Mai mit dem Stadtrat von Eltmann zu Besuch in unserer Partnerstadt St. Paul Trois Chateaux. Die Flüchtlinge sind sicher ein Thema, das viele bewegt. In sportlicher Sicht war für mich der Mainathlon in Eltmann der Höhepunkt des Jahres, ein Top-Event. Ich wünsche allen Lesern für 2016 alles Gute, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit." Seine Note: eine 2 minus.

Ann-Katrin Heusinger (14) aus Kleinsteinach: "Das Jahr war für mich ein schönes Jahr, da mein Bruder und ich bei der Kinderfaschingssitzung ,Wehe wenn wir losgelassen' aufgetreten sind, die am Faschingssonntag im Fernsehen gelaufen ist. Für 2016 haben wir die Zusage wieder bekommen. In der Schule ist es gut gelaufen. Für 2016 wünsche ich mir Erfolg in der Schule und Gesundheit für meine Familie." Sie gibt 2015 eine glatte 2.
(Fortsetzung nächste Seite)

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