Lichtenfels

Der 91-Jährige und das Gewehr

Amtsgericht  Der vermeintlich laxe Umgang mit Waffen und Munition beschäftigte Richter Lehmann. Der Senior aus dem östlichen Landkreis verzichtet in Zukunft auf Beantragung von Jagdscheinen und behält nur noch das Zielfernrohr.
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Lange Zeit war das Verhalten eines mittlerweile 91-jährigen Mannes nicht von Einsicht getragen. Das rief die Polizei auf den Plan, denn die Vermutungen, der rüstige Senior könne unerlaubt Waffen besitzen, verdichteten sich. Zu Recht. Am Mittwoch musste sich der Mann aus dem Raum Altenkunstadt vor Gericht verantworten.

"Eine interessante Waffe"

Die Geschichte des Kleinkalibergewehrs, welches beanstandet wurde, reicht zurück bis in die 70er-Jahre. Damals hätte ein Jagdfreund des Beschuldigten diesem geraten, dass er "eine interessante Waffe für dich" hätte. 9000 Euro hat der Mann bezahlt, und alles ging seinen geregelten Gang. Bis 1976, als besagter Jagdfreund den Altenkunstadter aufzurüsten gedachte. "Du brauchst noch ein Kleinkaliber", soll der Mann geraten haben. Dem Rat folgte der Angeschuldigte, und als er diese Waffe auch noch am Landratsamt anmelden wollte, habe ihm ein damaliger Sachbearbeiter gesagt, dass dies keine Jagd- sondern eine Sportwaffe sei und er diese darum nicht eintragen wolle.
"So ist die Waffe liegen geblieben, da habe ich sie mit heimgenommen", erklärte der Senior lapidar. Beraten wurde der Angeschuldigte von Rechtsanwalt Karl-Heinz Seyb, offensichtlich firm auch in Fragen des Waffenrechts. Immer wieder suchte der Rechtsanwalt gegen die Annahme von Richter Christoph Lehmann zu argumentieren, wonach sein Mandant darum keine waffenrechtliche Erlaubnis mehr für das Kleinkalibergewehr habe, weil er seit 2010 keinen Jagdschein mehr löste.

Pistolen im Nachttischschrank

Wie sich die Rechtslage hierbei verhält, konnte eine als Zeugin geladene Sachbearbeiterin des Landratsamts aufklären. Mit diesem Amt lag der Senior, bei dem, wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, im Nachttischschrank auch noch zwei unrechtmäßig aufgehobene Pistolen gefunden worden sein sollen, brieflich im Schriftverkehr. Allerdings sei der Senior den Maßgaben des Amtes nie gefolgt. Zwar sei er auf dem Amt auch vorstellig geworden, aber dort habe er sich "uneinsichtig" gezeigt. Die Sachbearbeiterin, eine Regierungsamtsfrau, wies darauf hin, dass sie den Angeschuldigten zudem mehrfach gebeten habe, nachzuweisen, dass Munition und Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt würden und dass hierfür zertifizierte Schränke und Tresore genutzt würden. "Er hat auf mehrere Amtsschreiben nicht reagiert", so die Zeugin. Und weil dem so war, habe der 91-Jährige Besuch von der Polizei erhalten.

Im Gesetzesdschungel verheddert

Immer wieder wurde bei dem Prozess erörtert, ob mit dem Nichteinlösen eines Jagdscheins eine Besitzberechtigung verlösche. Eine Frage, die auch Seyb beschäftigte, der kundtat, dass "auf dem Gebiet so lange Gesetze gemacht wurden, bis keiner mehr weiß, was los ist". Eine zweite Sachbearbeiterin sagte auch als Zeugin aus und auch mit ihr gelangte das Gericht zu der Gewissheit, dass tatsächlich ein Vergehen vorliegt.
In diesem Zusammenhang ließ der 91-Jährige wissen, dass auch er unter der Situation leide, da "die Dame, die ein ganz junger Mensch ist", wie der Mann in leichtem Ton des Vorwurfs die Sachbearbeiterin nannte, von ihm nun als einen unzuverlässigen Menschen dächte.
Mit den Worten "so, jetzt mache ich Ihnen einen Vorschlag, weil Sie 90 Jahre alt sind"" wandte sich Richter Lehmann die Verhandlung abkürzend an den rüstigen Greis und unterbreitete diesem, das Verfahren einstellen zu wollen, wenn sich dieser bereit erklärte, bei Zahlung von 1000 Euro Geldbuße sein strittiges Gewehr in Gewahrsam der Staatsanwaltschaft zu belassen. Das Zielfernrohr dürfe er jedoch behalten. Kurze Bedenkpause beim Angesprochenen, dann erbat sich auch Staatsanwalt Stephan Jäger eine solche. Nach fünf Minuten kehrte er mit der Zusatzforderung zurück, wonach der 91-Jährige in Zukunft auf Jagdscheine zu verzichten habe. Der Senior erklärte sich bereit dazu.

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