Münnerstadt

Dekanatssynode beschäftigt sich mit dem Desinteresse an der Kirche

von unserem Mitarbeiter Kilian Trabert Münnerstadt — Wie bekommt man Jugendliche wieder in die Kirche? Eine gute Frage, geben doch 27 Prozent der Jugendlichen an, dass sie weder an...
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von unserem Mitarbeiter Kilian Trabert

Münnerstadt — Wie bekommt man Jugendliche wieder in die Kirche? Eine gute Frage, geben doch 27 Prozent der Jugendlichen an, dass sie weder an Gott noch an eine andere überirdische Macht glauben (Shell-Jugendstudie 2010). Auch rund 50 evangelischen Gläubigen um Dekan Matthias Büttner brannte unter anderem diese Frage im evangelischen Gemeindezen trum Münnerstadts auf den Nägeln.
Im Gemeindezentrum fand die Synode des Dekanats Bad Neustadt statt; diesem Dekanat gehört auch Münnerstadt an. Neben der Wahl von Klaus Hentzschel in den Dekanatsausschuss standen rege Diskussionsrunden im Vordergrund.
Es gebe zwar viele eingeschriebene Mitglieder in den Kirchen, wirklich aktiv seien aber deutlich weniger, sagte Pfarrer Joachim Pennig. Mit der Frage: "Wie können wir wieder neugierig auf Kirche machen?", läutete er die Themenrunden ein. Dass Desinteresse aus vielen verschiedenen Motiven heraus entstehen kann, wurde in einem kleinen Schauspiel gezeigt.
Das Schauspiel wies - zwar humorvoll und überspitzt, aber doch deutlich - auf den Kern der Problematik hin. Sei es der Jugendliche, der seine Einladung zur Konfirmation nur über WhatsApp oder Facebook bekommen möchte, die alleinerziehende Mutter, die die Unterstützung ihrer Gemeinde bei der Trennung schmerzlich vermisst hat, oder die Großmutter, die sich den Gottesdienst lieber im Fernsehen anschaut, weil man dabei gemütlich eine Tasse Kaffee trinken kann und einem niemand den Platz wegnimmt. Auch Beweggründe, in der die einzelne Gemeinde machtlos ist, wurden ins Bewusstsein gerufen. Etwa in Form des sturen Onkels, der wegen der Machenschaften von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst - dass dieser Katholik ist, wird geflissentlich übergangen - aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist.
Die Beispiele noch vor Augen, starteten die Dekanatsausschussmitglieder den Dialog zu den Themen. Dabei wurden Beispiele aus den verschiedenen Gemeinden eingebracht. Etwa beim Thema Asyl, das wieder stark in den Fokus gerückt ist. In Münnerstadt wurden die dort untergebrachten Asylsuchenden zu einem Fest eingeladen, um die Integration zu erleichtern.
Erleichtern will man sich auch den Zugang zu Jugendlichen. Dafür müsse man sie dort abholen, wo sie sich aufhalten, nämlich in den sozialen Netzwerken. Das war der Konsens, dem sich viele anschlossen. Trotz einiger Skepsis habe man auf diesem Feld schon positive Erfahrungen sammeln können, vor allem wenn es um das Organisieren von Treffen gehe oder Fragen, die dem Pfarrer über Facebook gestellt werden.
Eine der ältesten Aufgaben der Kirche und immer noch hochaktuell ist die Seelsorge. Sie ist den Gläubigen laut einer Studie der evangelischen Kirche am wichtigsten, doch die Hürde sie wahrzunehmen ist groß, wissen die Ausschussmitglieder. Daher braucht es offene Ohren, nicht nur bei den Pfarrern der Gemeinden. Man war sich einig: Seelsorge muss schon im Zusammenleben und Wahrnehmen innerhalb der Gemeinde beginnen, damit man Menschen, die Unterstützung benötigen, rechtzeitig erkennt.
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