Arnstein

Das lange Warten auf die Bergstraße

Symposium  Andrea Göldner und Karlheinz Hetz referierten über Planung und Bau der Arnsteiner Verbindung.
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Die Arnsteiner Bergstraße im Kleinziegenfelder Tal in einer historischen Aufnahme  Repro: Dieter Radziej
Die Arnsteiner Bergstraße im Kleinziegenfelder Tal in einer historischen Aufnahme Repro: Dieter Radziej
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von unserem Mitarbeiter Dieter Radziej

Arnstein — Vor 100 Jahren wurde die Straße am Arnsteiner Berg gebaut. In ihrem Vortrag im Gasthof "Frankenhöhe" stellten Karlheinz Hetz und Stadtarchivarin Andrea Göldner die Ergebnisse ihrer Forschungen rund um den Bergbau vor. Während Karlheinz Hetz im Vorfeld in Ämtern und Archiven nach Zeitungsberichten, Archivalien und Bildern gesucht hatte, hatte Andrea Göldner Akten aus dem Arnsteiner Gemeindearchiv durchgesehen, anhand derer sie die Geschichte der Baumaßnahme nachzeichnete.
Der Ausbau der gefährlichen Bergstraße und die Einstufung als Distriktsstraße war der große Wunsch der Arnsteiner Bevölkerung gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem die Distriktsstraße von Scheßlitz nach Bojendorf ausgebaut worden war. Nun fehlte nur noch ein knapp zwei Kilometer langes Stück bis zum Anschluss an die Distriktsstraße durch das Kleinziegenfelder Tal, die wiederum die direkte Verbindung zum Bahnhof in Burgkunstadt bedeutete.
Obwohl sich das Bezirksamt in Lichtenfels 1894 für den Ausbau der Straße am Arnsteiner Berg ausgesprochen hatte, verzögerte sich das Bauprojekt, weil eine alternative Trasse über Mährenhüll und Großziegenfeld kostengünstiger zu bauen schien.
1902 schloss die Gemeinde Arnstein dann einen Vertrag mit dem Bamberger Ingenieur Emmerich Goes, der sich in den folgenden Jahren mehrfach in Arnstein aufhielt, um das Terrain zu erkunden, Kartierungen und Vermessungen vorzunehmen, Lagepläne zu erstellen und die optimale Trassenführung zu finden. Probleme machte dabei besonders das obere Stück der Straße kurz vor dem Ort, das eine Steigung von 17 bis 20 Prozent aufwies.
Hatten hier schon Pferdekutschen und von Kühen gezogene Fuhrwerke Schwierigkeiten, die Steigung zu bewältigen, so gerieten am Berg mit Zunahme des Individualverkehrs auch Motorräder und Schnauferl in Bedrängnis.
Nur den oberen Teil der Straße entschärfen? Und dann statt des teuren Bergbaus doch lieber die Verbindungsstraße von Großziegenfeld nach Mährenhüll ausbauen? Der Weismainer Distriktsrat konnte sich lange nicht für das Arnsteiner Bergbauprojekt entscheiden, obwohl die Arnsteiner Bürger finanzielle und materielle Unterstützungen in Aussicht stellten.


Vergabe nach 20 Jahren

Schließlich hatte die Hartnäckigkeit der Arnsteiner Erfolg: Ende 1913 - knapp 20 Jahre nach den ersten Verhandlungen - wurden die Arbeiten vergeben. Der Bauunternehmer Brecheis aus Hof wurde mit dem Bau beauftragt, während die Leitung in Händen von Emmerich Goes lag. Zwei Jahre dauerte es, bis die Bergstraße für den Verkehr freigegeben werden konnte.
Das Lichtenfelser Tagblatt berichtete über die feierliche Übergabe, die am Montag, 10. Januar 1916, erfolgte: "Mehr als 20 Jahre ist dieses Projekt dem Distriktsrate vorgelegen, alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, bis es endlich als ein wirklicher Kunstbau dem Verkehr übergeben werden konnte. Der Entwurf gereicht dem Herrn Ingenieur Goes zur größten Ehre, während die Erbauung der Strecke durch Herrn Baumeister Brecheis als eine empfehlenswerte Arbeit 1. Ranges sich darstellt. Die Gemeinde Arnstein ist zu beglückwünschen, daß Männer wie Herr Pfarrer Eberth, Herr Altbürgermeister Will, keine Opfer und Mühe scheuten, um die schlechteste Verbindung in eine der schönsten Straßen des Distrikts umzuwandeln. Allen, die dieses schöne Projekt zur Ausführung bringen halfen, sei auch an dieser Stelle Dank gesagt. Die Gemeindeverwaltung ließ es sich nicht nehmen, die Herren zu bewirten. Ein vorzüglicher Stoff aus der Brauerei Obendorfer-Weismain zeugte davon, daß es bei gutem Willen möglich ist, auch während der Kriegszeit einen guten Tropfen zu brauen. Es wäre zu wünschen, daß die neue Straße einen regen Verkehr der Strecke Scheßlitz-Weismain-Burgkunstadt mit sich bringen würde."
Auch Annemarie Scheumann, Vorsitzende der Arnsteiner Gartenfreunde, hatte sich in Arnstein umgehört und von Martin Krappweis, dessen Vater beim Bau der Straße mitgeholfen hatte, weitere Details über den Bergbau erfahren. Viel Handarbeit war demnach nötig, um der Straße einen Weg zwischen den Felsen zu bahnen. Das Gestein wurde mit Loren den Berg hinunter transportiert, und wer von den Arnsteinern ein Fuhrwerk hatte, setzte es für die Anfahrt von Baumaterial ein.


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