Untersteinach
Start 

Das Großprojekt beginnt

Der Bau der Ortsumgehung Untersteinach kostet 48 Millionen Euro. Zum symbolischen Spatenstich kamen auch viele Kauerndorfer, die für ihr Vorhaben kämpfen wollen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zum offiziellen Spatenstich ruhte die Baustelle einen Tag: Die Baugrube für die erste Brücke ist schon ausgehoben. Fotos: Sonny Adam
Zum offiziellen Spatenstich ruhte die Baustelle einen Tag: Die Baugrube für die erste Brücke ist schon ausgehoben. Fotos: Sonny Adam
+4 Bilder
Ganz besonders aufgeregt war eine Abgeordnete: Emmi Zeulner. Denn sie hatte sich mit Vehemenz für den Bau der Ortsumfahrung Untersteinach eingesetzt - und für sie war der symbolische Spatenstich auch der erste für eine Bundesstraße. Deshalb versprach sie, dass der Spaten, der die Aufschrift "Ortsumgehung Untersteinach" trug, in ihrem Büro einen Ehrenplatz haben sollte.
"Manchmal hat diese Beharrlichkeit von Emmi Zeulner schon den Tatbestand des Stalkings erfüllt", scherzte Dorothee Bär. Doch die B 289 soll Industriestandorte am Oberen Main mit strukturschwächeren Gebieten in Oberfranken verbinden. Die Ortsumfahrung Untersteinach soll den Ortskern und die Untersteinacher entlasten - und sie soll für mehr Verkehrssicherheit im Ort sorgen.


48 Millionen Euro

48 Millionen Euro investiert der Bund allein in den drei Kilometer langen Abschnitt. Sechs Brücken müssen gebaut werden. "Die Ortsdurchfahrt von Untersteinach ist mit bis zu 14 000 Fahrzeugen am Tag überdurchschnittlich hoch belastet - und 80 Prozent davon ist Durchgangsverkehr", so Bär. "Durch die Umgehung wird die Ortsdurchfahrt entlastet, die Sicherheit erhöht und der Verkehrsfluss verbessert", sagte die parlamentarische Staatssekretärin.
Möglich wurde die Finanzierung der Untersteinacher Ortsumfahrung allerdings erst durch das Investitionspaket für Straßenbauprojekte, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Sommer letzten Jahres aufgelegt hatte. Das hat ein Volumen von 2,7 Milliarden Euro. "Die Ortsumfahrung Untersteinach ist eines von insgesamt 13 bayerischen Bauprojekten, die im Investitionspaket für eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur in Deutschland enthalten sind", so Bär.


Nicht nur glückliche Gesichter

Allerdings gab es nicht nur glückliche Gesichter beim offiziellen Spatenstich: Die Kauerndorfer, deren Umgehung nicht gebaut wird, obwohl sie seit Jahrzehnten dafür kämpfen, hatten den Termin genutzt, um eine kleine Demo durchzuführen. Denn die Umgehung Kauerndorf-Untersteinach gilt noch immer als ein Projekt, auch wenn es in zwei Bauabschnitten realisiert werden solle.
Mit Plakaten machten rund 30 Kauerndorfer darauf aufmerksam, dass auch die Ortsumfahrung Kauerndorf dringlich sei und forderten eine Wieder-Aufstufung im Bundesverkehrswegeplan. Denn in der Fortschreibung soll die Umfahrung Kauerndorf nicht mehr als vordringlich angesehen werden.
Die Politiker aus der Region und auch die Bundespolitiker nutzten die Gelegenheit, um mit den Kauerndorfern zu diskutieren. Einhellig betonten alle, dass man nach Lösungen suchen wolle. Doch die Tunnellösung, die bereits Baurecht hat, sei wohl nicht schnell realisierbar, nahm Bezirksrat Henry Schramm (CSU) kein Blatt vor den Mund.
In den letzten Wochen hatte es sogar Angebote gegeben, den Kauerndorfern ihre Häuser abzukaufen. "Das Dorf soll weg? Brilliante Idee" hatten die Kauerndorfer auf ihre Plakate geschrieben und machten keinen Hehl draus, dass ihnen dieses Ansinnen gar nicht gefällt. Einige fragten: "Ist unser Leben nichts wert?" Auch die Untersteinacher Kämpfer für die Ortsumgehung solidarisierten sich mit den Kauerndorfern und baten Bundesverkehrsminister Dobrindt, die Ortsumfahrung Kauerndorf wieder in den vordringlichen Bedarf aufzunehmen, erklärte Alfred Vießmann aus Untersteinach und überreichte Dorothee Bär einen Brief für den Bundesminister.


Kein Signal für Kauerndorfer

"Mir ist es lieber, dass sie dafür sind als dagegen", merkte Dorothee Bär an. Doch ein klares Signal für die Kauerndorfer hatte sie nicht.
"Die Solidarität ist gut. Wir müssen nach Lösungen suchen, aber wie die aussehen, da will ich mich noch nicht in eine Richtung festlegen", erklärte auch Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr. Doch dann widmete sich Eck ebenfalls den erfreulichen Dingen: Die Investitionssumme von 48 Millionen Euro für die Untersteinacher Ortsumfahrung sei kein Pappenstil. Äußerst positiv bewertete Eck zudem den Wettbewerb für die Talbrücke.
"Für Untersteinach ist das heute ein herausragender Tag. Am Weg ist Leben", sagte Landrat Klaus Peter Söllner (FW). Söllner freute sich, dass die Demonstranten aus Kauerndorf ihr Versprechen, den Festakt nicht zu stören, eingehalten haben. Sie kämpften für ihre Meinung, störten aber den offiziellen Spatenstich nicht.
"Und den Tunnel, der die Maßnahme so teuer macht, den haben nicht die Kauerndorfer zu verantworten. Ich bitte darum, die Kauerndorfer nicht im Regen stehen zu lassen", so der Kulmbacher Landrat. Für den Untersteinacher Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) war der offizielle Spatenstich ein Freudentag. Schmiechen ging auf den langen Weg ein und blickte auch viele Rückschläge und Vertröstungen zurück.
Die Pfarrer Wolfgang Oertel und Wolfgang Eßel beteten für die Straße. Und auch, wenn beim offiziellen Spatenstich Einhelligkeit und Eintracht herrschte, erinnerte der Untersteinacher Pfarrer Wolfgang Oertel daran, dass dies nicht immer so war. "Es ist wichtig, dass man Ausgleichsflächen schafft. Aber der Spatenstich ist vielleicht auch ein Brückenschlag", hoffte Oertel.
Nach dem offiziellen Spatenstich trugen sich Dorothee Bär und Gerhard Eck ins Goldene Buch der Gemeinde Untersteinach ein. Anschließend feierten viele im Sportheim der Fortuna.




















Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren