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Zeil am Main

Das Gelübde von 1447 erneut erfüllt

Tradition  Zeil erlebte am Wochenende die 68. Römerstädter Wallfahrt zum Käppele. Der Pilgerzug stärkt die Bindung der Menschen.
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Der 68. Pilgerzug: Vom "Rübezahl"-Parkplatz aus zog die Römerstädter Wallfahrt zum Zeiler Käppele. An der Spitze liefen der Zweite Bürgermeister der Stadt Zeil, Dieter Köpf, und die Stadtkapelle Zeil mit.  Foto: wo
Der 68. Pilgerzug: Vom "Rübezahl"-Parkplatz aus zog die Römerstädter Wallfahrt zum Zeiler Käppele. An der Spitze liefen der Zweite Bürgermeister der Stadt Zeil, Dieter Köpf, und die Stadtkapelle Zeil mit. Foto: wo
Zeil — Zum 68. Mal zog am Sonntag die Römerstädter Wallfahrt zum Zeiler Käppele. Seit 1947 kommen die Heimatvertriebenen des Heimatkreises Römerstadt (heute Rymarov in Tschechien) am Altvatergebirge nach Zeil und pilgern zum Käppele.
Das hat eine lange Vorgeschichte und mittlerweile viel Tradition. Am Ende einer großen Pestwelle im Jahr 1447 hatten die Römerstädter ein Gelübde für eine Wallfahrt in ihrer Heimat abgelegt. Sie zogen immer zum Lindenkirchel.

21 Transporte kamen

Mit der Vertreibung im Zuge des Zweiten Weltkriegs war diese Wallfahrt nicht mehr möglich. 1946 kamen viele Menschen in 21 Transporten aus dem Kreis Römerstadt nach Zeil und in die Umgebung. Als Ersatz für das unerreichbare Lindenkirchel erwählten sie das Zeiler Käppele als Pilgerziel, um das Gelübde und die Wallfahrtsidee aufrechtzuerhalten.
1972 hat die Stadt Zeil eine Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Römerstadt übernommen. Nicht nur wegen der alljährlichen Wallfahrt, sondern auch, weil etwa 1000 Vertriebene nach dem Krieg in Zeil eine neue Heimat gefunden haben, viele davon aus Römerstadt.
Ein vor vielen Jahren gegebenes Versprechen hat Zeil im vergangenen Jahr eingelöst: In den Räumen des Dokumentationszentrums "Zeiler Hexenturm" wurde der "Treffpunkt Heimat" eingerichtet. Das ist eine Dokumentation der Vertreibung und Integration. Hier werden die Geschichte des Sudetenlandes und der Stadt Römerstadt, die Vertreibung, der Neuanfang mit der Römerstädter Wallfahrt sowie die Patenschaft mit der Stadt Zeil dokumentiert.
Jetzt am Samstag fand wieder der "Treffpunkt Heimat" in Zeil statt. Das ist die Zusammenkunft der Ortsbetreuer mit der Jahresversammlung. Bei dem Heimatabend im Gasthaus Göller sagte der Vorsitzende des Heimatkreises der Römerstädter in Deutschland, Alfred Klaner, die Vertriebenen müssten das kulturelle Erbe pflegen und bewahren, und dazu zählten Veranstaltungen wie das Treffen in Zeil. Die Geschichte eines Volkes präge seine Identität und seine Zukunft. Die Sudetendeutschen müssten aber nach dem Fall der Grenzen auch Brücken schlagen zwischen Tschechien und Deutschland im Sinne der Integration in der europäischen Union, betonte der Vorsitzende, der bei der Neuwahl in seinem Amt bestätigt wurde. Dies hätten im September 2014 die Stadt Zeil und die frühere Kreisstadt Rymarov (Römerstadt) mit einer Partnerschaftsurkunde zwischen beiden Städten besiegelt. Der Bürgermeister von Rymarov, Petr Klouda, gehe davon aus, dass diese Partnerschaft in großen und kleinen Schritten weitergehe.
Wolfgang Ortloff ließ in einem Lichbilder-Rückblick die Feier zur Bildung der Partnerschaft in Rymarov Revue passieren.
Im Laufe des Heimatabends bekam Zeils Altbürgermeister Christoph Winkler von Rosemarie Kretschmer, Betreuerin der ehemaligen Bürger von Römerstadt, die Adalbert-Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft verliehen. Sie wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich um das Kulturgut der Sudetendeutschen verdient gemacht haben (siehe dazu den gesonderten Bericht).
Am Sonntagvormittag versammelten sich die Wallfahrer am sogenannten "Rübezahl"-Parkplatz an der Steige zum Kapellenberg, um unter den Klängen der Stadtkapelle Zeil singend und betend zur Bergkapelle zu wallen. Der Zeiler katholische Pfarrer Michael Erhart hielt in Konzelebration mit Pfarrer a. D. Joseph Dietl am Freialtar den Wallfahrtsgottesdienst.
Musikalisch bereicherte die Stadtkapelle Zeil die Messfeier mit der Deutschen Messe von Franz Schubert. Erhart sprach die damalige Vertreibung und die heutigen Flüchtlingsströme an. Böswillig eingesetzte Worte könnten zerstören und die Hoffnung berauben. Positive, gute Worte bauten auf und gäben Hoffnung, sagte der Priester. Er fragte: "Sind wir uns der Kraft aus unserem Mund bewusst?" wo

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