Kulmbach

Das Geld für Drogen kam vom Sparbuch

stephan-herbert fuchs 22 000 Euro soll ein 28 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Kulmbach zwischen September 2014 und Juli 2015 mit dem Verkauf von Haschisc...
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stephan-herbert fuchs

22 000 Euro soll ein 28 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Kulmbach zwischen September 2014 und Juli 2015 mit dem Verkauf von Haschisch und Marihuana umgesetzt haben. Ganz schön dumm, zu glauben, dass das nicht auffliegen würde. Besonders dumm war es allerdings, dass der Arbeiter den Großteil davon an zwei minderjährige Schüler vertickt hatte. Wegen des gewerbsmäßigen Überlassens von Drogen an unter 18-Jährige hat ihn das Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt.
Bezogen hatte er die Drogen über einen Arbeitskollegen. Viel verdient hatte der Mann damit nicht, und wenn, dann hatte er den Gewinn zum Eigenverbrauch verwendet, zumal er selbst seit seinem 15. Lebensjahr Drogen konsumierte. Die beiden jugendlichen Abnehmer, die er jeweils über Dritte kennengelernt hatte, sollen gewusst haben, dass er rauche, so hätten sie ihn irgendwann gefragt, ob er nicht etwas zum Konsumieren hätte und so sei man schnell ins Geschäft gekommen. Er habe daraufhin begonnen, Geld einzusammeln, um gleich eine größere Menge abnehmen zu können.
In der Hauptverhandlung räumte der Angeklagte alles ein, nur das Alter der beiden Abnehmer will er nicht gewusst haben. Klar habe er gesehen, dass sie mit Mopeds, Mofas zu den Übergabepunkten gekommen waren, oder dass die gefahren wurden. Aber dass sie noch keine 18 sind, darauf wollte er deshalb nicht schließen. Tatsächlich war einer der beiden zum Tatzeitpunkt 17, der andere sogar erst 16 Jahre alt. Er habe sich halt schlicht und einfach keine Gedanken über das Alter gemacht.
Die beiden Schüler waren auch als Zeugen geladen, aber nur einer der beiden war auch erschienen, der andere war dem Gerichtstermin unentschuldigt fern geblieben, was ihm prompt ein Ordnungsgeld einbringen sollte. Der andere, damals 17-Jährige wurde wegen der Sache bereits rechtskräftig verurteilt, zeigte sich aber dennoch mehr als wortkarg. "Ich denke nicht, dass er gewusst hat, wie alt wir sind", sagte der Zeuge. Das Geld für die Drogen habe er von seinem Sparbuch genommen.
Die Polizei war durch eine Handyauswertung in anderer Sache auf den Angeklagten gekommen, sagte der ermittelnde Beamte von der Kriminalpolizei in Bayreuth. Nach einer Nachtschicht sei dann der Zugriff erfolgt und seine Wohnung durchsucht worden. Der Angeklagte habe von Anfang an alles zugegeben und umfangreich ausgepackt. Das war es schließlich auch, das den Angeklagten vor dem Gefängnis bewahren sollte und ihm stattdessen nur eine Bewährungsstrafe einbrachte, zumal er - und das ist in diesen Fälle ausgesprochen selten - nicht vorbestraft war.
Selten sei auch der Straftatbestand der gewerbsmäßigen Abgabe von Drogen an Minderjährige, sagte Staatsanwalt Daniel Götz. Er hielt dem Angeklagten zugute, dass der von Anfang an reinen Tisch gemacht hat, und dass es am Ende doch keine exorbitanten Gewinne waren, die der Angeklagte erzielt hatte. Darüber hinaus lebe der Angeklagte sozial eingebunden, habe Arbeit und Familie. Das alles waren Argumente, die auch Verteidiger Wolfgang Schwemmer ins Feld führte. Er plädierte auf ein Jahr und zehn Monate.
Ein Jahr und elf Monate auf Bewährung lautete schließlich das Urteil des Schöffengerichts unter Nicole Allstadt. Darüber hinaus legte sie eine ganze Reihe an Auflagen fest. So muss der Angeklagte als eine Art Denkzettel 1500 Euro an den Bundesverband Kinderhospiz überweisen. Außerdem muss sich der 28-Jährige sämtlicher illegaler Drogen enthalten, was mit Hilfe von vierteljährlichen Drogenscreenings auch genauestens überprüft werden soll, und er muss den Kontakt zur Suchtberatung aufnehmen. "Sie haben billigend in Kauf genommen, dass ihre Abnehmer noch nicht volljährig sind", sagte die Richterin. Nur dem Umstand, dass der Angeklagte umfangreich ausgepackt hat sei es zu verdanken, dass er nicht ins Gefängnis muss.

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