Reckendorf

Danke sagen und mit anpacken

Eingliederung  Asylbewerber arbeiten im Reckendorfer Bauhof.
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Samir Arifaj (mit Schaufel) beim Straßenausbessern, rechts Bürgermeister Deinlein  Foto: Renate Neubecker
Samir Arifaj (mit Schaufel) beim Straßenausbessern, rechts Bürgermeister Deinlein Foto: Renate Neubecker
von unserer Mitarbeiterin  Renate Neubecker

Reckendorf — Samir Arifaj arbeitet gemeinsam mit Egson Gashi im Reckendorfer Bauhof. Beide sind Kosovo-Albaner und leben seit ungefähr fünf Monaten in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Gasthof "Schwarzen Adler". Bauhofleiter Thomas Förner ist sehr zufrieden mit den beiden jungen Leuten. "Zu Beginn des Arbeitseinsatzes der Asylbewerber - es arbeiten nicht nur die beiden Kosovo-Albaner - waren die Bauhofmitarbeiter noch sehr skeptisch", sagt Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) und freut sich darüber, dass die Bauhofmitarbeiter jetzt von den Mitarbeitern überzeugt sind.
Der Bürgermeister erinnert sich, dass sich etliche Asylbewerber beim ersten Treffen gefreut haben, dass sie in Deutschland sind. Sie waren sehr dankbar dafür, deshalb war es ihnen ein Anliegen, sich nicht nur im Haus und im Dorf aufzuhalten, sondern ihre Dankbarkeit auch ein bisschen zu zeigen. "Für einige von ihnen war es die Motivation, im Bauhof zu arbeiten, das hat mich veranlasst, ihnen im Bauhof Arbeit zu geben", so Deinlein.
Dankbar ist auch Samir Arifaj, trotz geringer Entlohnung macht ihm die Arbeit ihm Bauhof sehr viel Spaß. Der 17-Jährige ist mit seinen Eltern und drei Schwestern aus Istog, einer Stadt im Nordwesten des Kosovo, gekommen. Geboren ist er 1997 in Albstadt in Deutschland, da waren seine Eltern schon einmal nach Deutschland geflüchtet. Während des Kosovo-Konfliktes wurden seine Großeltern von Albanern getötet. Als er sechs Jahre alt war, kehrte er freiwillig gemeinsam mit seinen Eltern in den Kosovo zurück. "Im Kosovo gibt es nur Armut, sonst nichts", beklagt sich Samir Arifaj. Es gebe keine Arbeit, und die Politik tue nichts. Die Arbeitslosenquote liegt bei geschätzten gut 45 Prozent, und die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 75 Prozent besonders hoch. Vor dieser Perspektivlosigkeit ist die Familie nach Deutschland geflüchtet.

Fußball verbindet

Das gilt auch für den 19-jährigen Egson Gashi, der allein nach Reckendorf gekommen ist. Im Moment hat er noch erhebliche Verständigungsschwierigkeiten.
Aber er spielt beim ASV Reckendorf Fußball, das ist hilfreich für seine Deutschkenntnisse. Zwei afrikanische Asylbewerber spielen ebenfalls beim Verein mit Lizenz.
Manfred Deinlein erklärt, dass es zukünftig immer montags ein Fitness-Training gibt für die Bewohner des "Schwarzen Adler". Organisiert von Wolfgang Heyder, findet es einmal wöchentlich in der Schulturnhalle statt. Außerdem kümmert sich ein Flüchtlingskontaktkreis um die neuen Einwohner von Reckendorf. Das sind insgesamt 15 Personen, die den Flüchtlingen bei vielen Dingen hilfreich zur Seite stehen. Für diesen Einsatz spendeten die Gesangvereine "Sängerlust" "Liederhort" und die Reckendorfer Blaskapelle einen Teilerlös des gemeinsamen Weihnachtskonzertes.
Im Dorf gibt es eine gute Zugverbindung mit Agilis, von der die Flüchtlinge profitieren. Sie können so unproblematisch nach Ebern zum Arzt fahren. Eigentlich eine Besonderheit, weil sie so nach Unterfranken reisen dürfen. Einschließlich der Kinder leben 56 Flüchtlinge im ehemaligen Gasthof "Schwarzer Adler" in Reckendorf. Das sind vier Prozent der Reckendorfer Bevölkerung, bemerkt der Bürgermeister. Investor Franz Nikolic hat das Gebäude gekauft. Um alle Belange kümmert sich ein Hausmeister. Inzwischen sind zwei Kinder geboren worden. Bei einer Geburt war die Hilfe und Unterstützung von Franz Nikolic gefragt. Er begleitete die Mutter bis in den Kreissaal, um als Dolmetscher zu fungieren.

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