Kronach
Klassentreffen 

Da werden Erinnerungen wach

Wohl zum letzten Mal kam der Abschlussjahrgang 1954 der Landwirtschaftsschule zusammen. Aus Altersgründen wollen die "Ehemaligen" auf weitere Treffen verzichten.
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Im Jahr 1954 haben diese jungen Männer und Frauen in der Landwirtschaftsschule in Kronach gemeinsam ihre Ausbildung absolviert. Für das Abschlussfoto haben sie sich fein ausstaffiert - die Frauen im Dirndl, die Männer im Anzug.  Foto: privat
Im Jahr 1954 haben diese jungen Männer und Frauen in der Landwirtschaftsschule in Kronach gemeinsam ihre Ausbildung absolviert. Für das Abschlussfoto haben sie sich fein ausstaffiert - die Frauen im Dirndl, die Männer im Anzug. Foto: privat
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Wird es wirklich das letzte Klassentreffen sein? Das werden wir erleben, denn selbst die Damen und Herren der Kronacher Landwirtschaftschule von 1954 haben nicht gedacht, dass sie sich so oft treffen werden und können. Über vierzig Klassentreffen - das ist schon Rekord.
Diesmal trafen sich die Schüler im Gasthof "Resi" in Neukenroth. Wieder waren es über zwanzig Freunde, die kamen. Alle sind mittlerweile über achtzig Jahre alt. Aber bei diesem vermutlich letzten Treffen wollten sie unbedingt dabei sein. "Wer weiß, was kommt...." sagten viele. Immerhin sind einige der ehemaligen Klassenkameraden schon nicht mehr unter ihnen.


Auch die Lehrerin ist dabei

Wieder dabei war die frühere Klassenlehrerin Martha Mihatsch aus Schonungen. Über neunzig ist sie - und hat in all den Jahren kein einziges Treffen ausgelassen. Alle fünf Jahre hatte Martha Mihatsch ihre früheren Schüler bei sich in Schonungen empfangen, hatte sie zu besonderen Geburtstagen eingeladen und ihre Gäste mit immer neuen Leckereien und Sehenswürdigkeiten überrascht.
Lotte Rebhan aus Tüschnitz hat bis zu ihrem Tod die vielen Treffen organisiert. 2004 übernahm ihre beste Freundin Helga Schmidt, der Annemarie Schneider aus Pressig unter die Arme bei der Vorbereitung der Treffen unter die Arme greift. Nach dem jüngsten Treffen fiel allen der Abschied schwer: Man fasste den Beschluss, dass es keine weiteren Treffen mehr geben soll.


Erzählungen aus dem Leben

Die Teilnehmer haben zum Teil ein bewegtes Leben hinter sich. Nach schweren Zeiten des Krieges oder der Flucht unter sehr schwierigen Umständen aus Pommern oder Schlesien ein so hohes Alter zu erreichen - das erscheint manchen der Betroffenen selbst unvorstellbar.
Vieles hat man sich zu erzählen, gerade jetzt, wo wieder viele Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kommen.
"Wir sind ja jetzt hier zu Hause, seit 1949", erzählt eine Dame aus Küps. "Ich war als Flüchtlingsmädchen erst in drei anderen Städten untergebracht, aber als ich dann nach Küps kam, hat es mir dann so gut gefallen, dass ich mir dachte, hier bleibe ich bis zum Ende meines Lebens."
Sie erzählt, dass sie als Kind immer Hunger gehabt habe. Bei der Hopfenernte habe man deshalb geholfen. Ohne Bezahlung - aber als Lohn gab es eine Brotzeit am Ende. Kleidung wurde von den Geschwistern übernommen. Wenn etwas kaputt war, wurde es ausgebessert - und wenn die Strickjacke zu kurz wurde, wurden die Ärmel einfach verlängert.


Alle in einer Wanne

Baden war nur samstags in der Waschküche in einer Blechbadewanne erlaubt, erzählen sich die Teilnehmer. Die Kinder wurden als Erstes gebadet, dann die Eltern im gleichen Badewasser. Und wenn dann noch eine Oma ein Opa im Haushalt lebten, wurde noch mal heißes Wasser nachgeschüttet. Danach saß man in der Küche oder im Wohnzimmer beieinander, spielte Mensch-ärgere-dich-nicht oder Karten. Mama und Oma besserten die Wäsche aus und Opa las die Zeitung. "Ein Radio, das war Luxus. Bücher hatten wir auch wenige. Wenn es dunkel wurde, sind wir ins Bett, denn es wurde auch Strom gespart."
In einem Hochzeitskleid 1954 zu heiraten, war damals gar nicht einfach. Auf jeden Fall wurden die Kleider damals selbst genäht. Das lernten die jungen Mädchen in der Landwirtschaftsschule Kronach. In Ludwigsstadt trafen sich damals ein paar junge Frauen und klöppelten wochenlang an einem Brautkleid. Es wurde einmalig und wunderschön und ist immer noch im Klöppelmuseum Nordhalben zu sehen.
Flüchtlinge bekamen damals kaum einmal eine Lehrstelle. Es war sehr schwer, überhaupt Arbeit zu finden. Mit den Flüchtlingen durfte keine Freundschaft entstehen. Tanzen zur Kirchweih mit einem Flüchtlingsmädchen war nicht gern gesehen - und doch siegte wie immer die Liebe.
Und so gibt es heute doch eine ganze Reihe von "Flüchtlingsehen". cf

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