Neufang
InfoVeranstaltung 

Buhrufe für Jürgen Baumgärtner

In der Festhalle in Neufang legte MdL Jürgen Baumgärtner die Gründe für seinen Vorschlag zum "Nationalpark Frankenwald" offen. Seine Botschaft "Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald!"
Artikel drucken Artikel einbetten
Jürgen Baumgärtner (links) im Gespräch mit Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei  Fotos: Sonny Adam
Jürgen Baumgärtner (links) im Gespräch mit Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei Fotos: Sonny Adam
+3 Bilder
Vor wenigen Tagen, als die Gegner des Nationalparkes Frankenwald unter dem CSU-Landtagsabgeordneten Ludwig Freiherr von Lerchenfeld zur Podiumsdiskussion luden, platzte der Neufanger Feststadel aus allen Nähten. Nur als der Initiator der Idee "Nationalpark Frankenwald", CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner, seine Beweggründe erklären wollte, blieb der Kreis der Interessierten überschaubar. Nicht einmal die Hälfte der Menschen konnte die CSU mobilisieren, um sich aus erster Hand zu informieren. Nur wenige trugen die grünen T-Shirts der Anti-Nationalpark-Vereinigung "Unser Frankenwald", auch die Waldbauernvereinigungen und Forstleute sind nicht in großer Zahl erschienen.
Die CSU-Familie blieb unter sich. Viele Sitzplätze blieben leer. "Es ist nicht korrekt, wenn unser Abgeordneter als Hurensohn, Verräter des Frankenwaldes und Totengräber der Region bezeichnet wird", sagte Rudolf Kotschenreuther von der CSU Neufang.
Der Applaus beim Auftritt von Jürgen Baumgärtner blieb aus. "Ich bin schon freundlicher hier empfangen worden", sagte er selbst. Rund um Steinwiesen sind Schilder und Plakate mit Protestkundgebungen aufgestellt. Sogar die Silageballen tragen Aufschriften, die den CSU-Abgeordneten anprangern. Direkt vor der Festhalle parkte ein Traktor mit der Aufschrift: "Jürgen Baumgärtner vernichtet unser Eigentum Wald und bringt Unfrieden in unsere Region. Zehntes Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!"
Der Landtagsabgeordnete indes bekräftigte in seiner Rede, dass die von ihm angestoßene Diskussion richtig und wichtig war. Und er würde es wieder machen. Gleichzeitig versuchte der Abgeordnete die Forderung, den Frankenwald zum Nationalpark zu machen, als politisches Spiel darzustellen. "Diese Region wird gewinnen, wenn wir uns zusammenreißen, wenn wir Argumente austauschen", so Baumgärtner.


Klare Aussage von Baumgärtner

Am Ende seines Vortrages allerdings stand die klare Aussage: "Wenn wir wollen, dass unser Planet in die nächste Generation getragen wird, müssen wir jetzt etwas tun. Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald!" Das brachte ihm erneut Buhrufe ein.
Dass der Kronacher Abgeordnete den Frankenwald überhaupt als möglichen Nationalpark-Standort ins Gespräch gebracht habe, liegt an der bereits beschlossenen nationalen Strategie zur Biodiversität. "Wir werden in Deutschland Flächen stilllegen. Das ist Fakt. Zehn Prozent der staatlichen Waldflächen sollen stillgelegt werden. Ich bin immer der Meinung, es ist besser, zu gestalten als abzuwarten", erklärt Baumgärtner.
Mit einem Nationalpark Frankenwald könne man das Image des Landkreises steigern. "Die Mehrzahl der Abiturienten verlässt den Landkreis. Die Zeiten, in denen sich Unternehmen im Landkreis Kronach ansiedeln, sind vorbei. Uns fehlen Fachkräfte", so der Abgeordnete. "Wir können es uns nicht leisten, ein Angebot der Staatsregierung abzuschlagen."
Und aus diesem Grund habe er den Frankenwald ins Gespräch gebracht. "Ich habe aber auch nie gesagt, dass der Nationalpark wirklich im Frankenwald kommen soll. Was wir jetzt tun, ist, die Räume zu untersuchen, Stärken und Schwächen zu analysieren", so Baumgärtner.
Man werde erkennen, dass man im Kreis Kronach investieren müsse, um die Infrastruktur, den Tourismus, den Naherholungsbereich zu fördern. Und möglicherweise werde man auch erkennen, dass es in Bayern bessere Standorte gäbe.
Und wenn nur eine Forderung des Sägewerkes nicht erfüllt wird, wird es laut Baumgärtner auch keinen Nationalpark geben. "Vielleicht gelingt es uns durch die Diskussion ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, vielleicht wird der Frankenwald nicht Nationalpark, aber Biosphärenreservat. Ich bin mir sicher, dass uns die Diskussion nach vorne bringt", sagte der Landtagsabgeordnete und forderte, dass sich die Region nicht zerstreiten solle.
Der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder (CSU) appellierte an die Menschen, sich sachkundig zu machen und erst dann zu entscheiden. "Die Wirtschaft ist wichtiger als das Image. Wir brauchen keinen Nationalpark", positionierte er sich klar.
Auch der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) blieb bei seiner Position gegen den Nationalpark. "Ein Nationalpark passt nicht zu unserem Frankenwald." Die heftige Diskussion, die durch den Vorschlag Baumgärtners entstanden ist, wertete Korn als "Energieexplosion", die dazu führen könne, dass man gemeinsam über die Zukunft des Frankenwaldes nachdenke. Korn regte an, in Oberfranken - möglichst im Landkreis Kronach - eine Hochschuleinrichtung anzusiedeln, für Weiterbildungsmöglichkeiten rund um das Thema Holz zu kämpfen und dafür, ein Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus zu finden. Bei der CSU-Veranstaltung trat auch Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei ans Mikrofon. "Unser Wald ist viel besser, als er immer dargestellt wird. Man muss ihn nicht im Hauruckverfahren umbauen." Der Sägewerksbesitzer machte keinen Hehl aus Zukunftsängsten.
"Wenn das Pferd, das man reitet, tot ist, dann steigt man ab", sagte Siegmund Kolb, der stellvertretende Vorsitzende der WBV und forderte Baumgärtner auf, die Diskussion, die im Frankenwald so heftig geführt wird, zu beenden. "Ich meine auch nicht, dass man jetzt über ein Biosphärenreservat reden soll", so Kolb. Doch zu einer Abkehr von der Diskussion wollte sich Baumgärtner nicht bringen lassen. Der Ministerpräsident soll eine Entscheidung treffen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren