Waischenfeld
Geschichte 

Brückenheiliger wacht seit 1715

Die Nepomukstatue an der Waischenfelder Stadtbrücke wurde im Auftrag des Heimat- und Verschönerungsvereins vor Kurzem renoviert und dabei das alte und schon stark verwitterte Allianz-Wappen auf dem Sockel wieder sichtbarer gemacht.
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Rechts die restaurierte Nepomukfigur bei der Mühlenbrücke. Oben das nachgezeichnete Allianzwappen mit dem Löwen des Hochstifts Bamberg (links) und dem stilisierten König/Kaiser aus dem Waischenfelder Stadtwappen.  Fotos: Reinhard Löwisch
Rechts die restaurierte Nepomukfigur bei der Mühlenbrücke. Oben das nachgezeichnete Allianzwappen mit dem Löwen des Hochstifts Bamberg (links) und dem stilisierten König/Kaiser aus dem Waischenfelder Stadtwappen. Fotos: Reinhard Löwisch
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Waischenfeld — Man sieht es der Statue nicht an, dass sie mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat. Die meisten, die vorbeikommen, sehen sie nur unbewusst, weil sie schon immer an der gleichen Stelle steht. Und, man muss sich bücken, will man den Text entziffern und übersetzen, der im Sockel steht: IONNES NEPOMVCNE / DEFENSOR HONORIS ORA PRO / NOBIS ET CIVITATE / NOSTRA.
Die Rede ist von der über drei Meter hohen Statue des Heiligen Nepomuk, der seit 1715 neben der Stadtbrücke beim alten Brauhaus steht und nach dem Willen der bekannten Heiligensagen die Brücke vor Unglück bewahren soll. "Johannes Nepomuk, Verteidiger der Ehre, bitte für uns und unsere Stadt" heißt die Inschrift übersetzt, die vermutlich auf ein Ereignis hindeutet, das Waischenfeld vor zwei Jahren erst wieder gefeiert hat: 1715 waren es genau 400 Jahre, dass der Ort zur "Stadt" erhoben wurde; 2015 waren es runde 700 Jahre.
Unterstrichen wird die Annahme von einem heute kaum mehr sichtbaren Allianzwappen, das im Sockel der Figur eingemeißelt ist. Es zeigt links die Löwen des Hochstift-Bamberg-Wappens, dem Waischenfeld über 400 Jahre angehörte, und rechts davon das Wappen der Stadt Waischenfeld: einen gekrönten Mann. Ob das der Bistumsgründer Kaiser Heinrich sein soll oder doch König Ludwig, der die Stadtrechte 1315 verliehen hat, darüber streiten sich noch die Gelehrten.


Ein Stück Stadtgeschichte

Sicher sind sich die Kunstexperten, dass es eine Figur des Waischenfelder Maurermeisters und Steinmetzen Johann Schwesner sein soll. Im Zug einer kürzlich durchgeführten Renovierung der Statue durch den Restaurator Markus Schuster im Auftrag des Waischenfelder Heimat- und Verschönerungsvereins wurde durch die Reinigung im Postament das alte Allianzwappen sichtbarer gemacht. Maria Eckert-Rosenberg, die Vereinschefin, freut sich mit vielen Waischenfeldern über die Entdeckung des Wappens und die gelungene Restaurierung, die ein Stück Stadtgeschichte neu dokumentiert.
Schon öfters ist der Verschönerungsverein seinem Namen gerecht geworden. Vor einem Jahr hat er durch denselben Restaurator - Schuster stammt aus Breitenlesau - die Ernst-Moritz-Arndt-Tafel beim Steinernen Beutel und auch die Kremer-Säule am Weg nach Oberailsfeld säubern und für die Nachwelt konservieren lassen. Noch in Arbeit ist die Restauration des alten Waischenfelder Schlüsselberger-Wappens mit den gekreuzten Schlüsseln, das seit 1970 in der Betonmauer des Schulhofes ein eher unbeachtetes Dasein führte und seit einiger Zeit im Bauhof lagert.
Von dem Denkmal gibt es eine kleine Geschichte: 1949 hat der Waischenfelder Stadtrat die zwei Linden bei der Nepomukfigur an der Wiesentbrücke fällen lassen. Die Befürchtung war, das Wurzelwerk der Bäume könnte die Brückenmauer beschädigen. Schon am nächsten Morgen trug der Nepomuk um den Hals gebunden eine Resolution in Gedichtform:
"Wie lang schon steh' ich an dieser Bruck, ich, euer Johannes Nepomuk? / So schnell lauf' ich euch nicht davon, weil, ich bin euer Schutzpatron. / Im Gegenteil, stolz ich begehre, den Ehrenplatz hier an dem Wehre. / Vor Jahren haben Nazi Hände, mir machen wollen schon ein Ende. / Und mancher damals hat geglaubt, als ich so dastand ohne Haupt, / den haben wir jetzt abgesetzt, enthauptet und ganz schwer verletzt. / Doch trotz des Frevels, meine Lieben, bin ich noch treu bei euch geblieben. / Zu mein und eurem Wohlbefinden, hat man mit Bäumen, Bänken, Linden / ein Plätzchen bei mir angelegt, zu meiner Ehre schön gepflegt. / Manch Liebespaar auf dieser Bank, war glücklich, dafür, Gott sei Dank. / Versteckt durchs Lindenblütendach, beschirmt durch mich, weil ich stets wach". / Doch was geschah an diesen Tagen? Die Linden wurden abgeschlagen. / Und ohne Schatten, ohne Schmuck, ist's Plätzchen und der Nepomuk. / Mein Bruder, der am Zeuwis Bach, der hat doch auch ein Blätterdach. / Den richt'gen Grund kann ich nicht finden, warum zerstört man meine Linden. / Stumm war ich einst am Moldau Fluss, damit ist an der Wiesent Schluss. / Ich hab' ein Recht hier zu befehlen, lass meine Linden mir nicht stehlen, / ich fordere vom Stadtrat jetzt, dass er mir neue Linden setzt".
Um es kurz zu machen: Es gab ein Happy End: Es wurden zwei neue Linden gepflanzt.

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