Kronach

Braucht es mehr Meister im Handwerk?

Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe um rund 83 Prozent gestiegen. Was fehlt, ist oftmals eine adäquate Ausbildung, sagt der Bezirksvorsitzende der IG Bau.
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Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe um 83 Prozent gestiegen.  Foto: Waltraud Grubitzsch /dpa
Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe um 83 Prozent gestiegen. Foto: Waltraud Grubitzsch /dpa
Immer mehr Fliesenleger, immer weniger Meister im Kreis Kronach: Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe drastisch gestiegen. Gab es im Bereich der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken vor elf Jahren noch 352 Fliesenleger-Firmen, waren es im vergangenen Jahr bereits 645. Das ist ein Anstieg von 83 Prozent. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hin. Die Gewerkschaft führt das auf den Wegfall der Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk vor fast zwölf Jahren zurück. Damit seien jedoch die Qualität und die Ausbildung in dem Handwerk in Gefahr.


Meister: Garant für gute Arbeit?

"Auch im Kreis Kronach hat die Zahl der Ein-Mann-Betriebe deutlich zugenommen. Denn seit der Reform der Handwerksordnung 2004 müssen Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nicht einmal eine Gesellenprüfung machen, um ein Gewerbe anzumelden", sagt Gerald Nicklas. Für den Bezirksvorsitzenden der IG Bau Oberfranken ist der Meisterbrief ein "Garant für saubere Arbeit und faire Löhne": "Im Interesse der heimischen Beschäftigten und auch Kunden sollte die Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk wieder eingeführt werden", so Nicklas.
Nach Beobachtungen der IG Bau Oberfranken sind die Klagen über Pfusch bei Handwerksarbeiten in den letzten Jahren "immer lauter" geworden. "Wer ohne geprüften Berufsabschluss arbeitet, der beherrscht sein Handwerk oft nicht richtig. Außerdem fehlen vielen ungelernten Fliesenlegern die nötigen Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen", erklärt Gerald Nicklas.
Und auch für die Berufsausbildung sei der Wegfall der Meisterpflicht ein Problem: "Nur Meisterbetriebe dürfen ausbilden. Mit ihren hohen Standards sorgen sie für gut ausgebildete Nachwuchskräfte", betont Nicklas. Deshalb sei die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein wichtiges Mittel gegen den Fachkräftemangel im Kreis Kronach. Zudem könne man so wirksam gegen Scheinselbstständigkeit vorgehen: "Viele Selbstständige sind in Wirklichkeit bei Bauunternehmen beschäftigt, die ihnen nur Billiglöhne zahlen. Denn selbstständige Fliesenleger sind weder an den gesetzlichen noch an den Branchenmindestlohn gebunden", sagt Gerald Nicklas. Viele Fliesenleger versuchten daher, immer schneller zu arbeiten - auf Kosten der Qualität. Außerdem entstehe eine Dumping-Konkurrenz zu den etablierten Betrieben.
"Mit der Abschaffung der Meisterpflicht für 52 Berufe wollte die Bundesregierung die Qualität verbessern und Preise senken. Das hat nicht funktioniert", kritisiert Nicklas. Die Lage bei den Fliesenlegern zeige: "Ohne Meisterbrief ist der goldene Boden des Handwerks in Gefahr." red


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