Haßfurt

"Bleifuß" bringt 21-jährigen Autofahrer in erhebliche Schwierigkeiten

Mitunter landen nicht nur Straftaten, sondern auch Ordnungswidrigkeiten vor dem Haßfurter Amtsgericht und werden in einer öffentlichen Hauptverhandlung erör...
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Mitunter landen nicht nur Straftaten, sondern auch Ordnungswidrigkeiten vor dem Haßfurter Amtsgericht und werden in einer öffentlichen Hauptverhandlung erörtert. In der Regel erfolgt das, wenn der Betroffene Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid einlegt. Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitung: Auf einem Abschnitt der A 70, in dem nur 100 Stundenkilometer erlaubt waren, wurde ein 21-Jähriger mit 165 "Sachen" geblitzt. Das im Schreiben der Bußgeldbehörde verhängte Fahrverbot von zwei Monaten wurde von Jugendrichter Martin Kober aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Verkehrssünders jetzt auf einen Monat verkürzt.
Der Autofahrer aus dem Maintal fuhr mit seinem Mercedes am 25. September letzten Jahres auf der A 70. Mit im Auto befanden sich sein Onkel und ein Kumpel. Im Bereich der Gemeinde Sand gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern. Im Gespräch mit den Insassen seines Fahrzeugs, erklärte der junge Mann, sei er so abgelenkt gewesen, dass er das entsprechende Schild übersehen hatte und mit vollem Tempo weiterfuhr. Die Folge: Laut amtlichem Blitzgerät wurde die vorgeschriebene Geschwindigkeit um 65 Stundenkilometer überschritten.
Genau einen Monat später, am 25. Oktober 2016, erhielt der in einer Fabrik der Schweinfurter Großindustrie Beschäftigte einen Bußgeldbescheid aus Viechtach. Hier ist die zentrale Bußgeldstelle in Bayern angesiedelt. Sie arbeitet mit allen örtlichen Polizeidienststellen zusammen. Laut Bescheid sollte der Freund des Gaspedals 440 Euro Geldbuße zahlen und zwei Monate seinen Lappen abgeben.
Dagegen legte er mit Hilfe seines Rechtsanwalts Wolfgang Heinrich Einspruch ein. Dieser Einspruch richtete sich nicht gegen die festgestellte Tempo-überschreitung, sondern gegen die verhängten Folgen.
Wie der Mann dem Jugendrichter glaubhaft vortrug, leidet sein Vater an schweren gesundheitlichen Problemen und ist frühverrentet. Da die Mutter nicht mehr in dessen Haushalt lebt, muss er seinen Vater oft zum Arzt fahren und für ihn die Medikamente besorgen. Zudem muss er beruflich Wechselschicht arbeiten. Das Fahrverbot trifft also nicht nur ihn, sondern auch seinen schwerkranken Vater.


Auf einen Monat reduziert

Mit Blick auf diese prekäre familiäre Situation und weil es im Fahreignungsregister bislang keine weiteren Einträge gibt, beließ Jugendrichter Kober das Bußgeld in der ursprünglichen Höhe, reduzierte aber das Fahrverbot auf einen Monat. Da auf weitere Rechtsmittel noch im Gerichtssaal verzichtet wurde, wurde das Urteil sofort rechtskräftig. Der Betroffene versprach zum Abschied: "Glauben Sie mir, zukünftig werde ich besser aufpassen und nicht wieder hier auftauchen!"
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