Bamberg
interview 

"Bitterste Stunde"

Ex-Fußballer Alexander Deptalla hat den Abstieg des TSV 1860 München in die 3. Liga als Zuschauer im Stadion miterlebt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Alexander Deptalla
Alexander Deptalla
Alexander Deptalla ist nicht nur "Löwen"-Fan, sondern hat auch schon für den TSV 1860 München gespielt. Von 2004 bis 2006 lief er für die zweite Mannschaft der "Sechziger" in der Fußball-Regionalliga Bayern auf, bevor er zum FC Eintracht Bamberg 2010 wechselte. Seitdem lebt der 33-Jährige in der Domstadt, in der er eine Elektrotechnik-Firma betreibt. Beim Abstieg der "Löwen" aus der 2. Liga aufgrund der 0:2-Niederlage im Relegations-Rückspiel gegen Jahn Regensburg war Deptalla am Dienstagabend als Zuschauer in der Münchner Allianz-Arena dabei.

Wie sehr blutet das Löwen-Herz in Ihnen?
Alexander Deptalla: Das ist die bitterste Stunde, seitdem ich Löwen-Fan bin. Die Leistungen in beiden Relegationsspielen waren eine Enttäuschung auf ganzer Linie. In solchen Spielen musst du dich ganz anders präsentieren, musst kämpfen, beißen und kratzen. Das haben die Regensburger getan, aber wir nicht. Und ich kann nicht vor 60 000 Fans im eigenen Stadion nur mit einem Stürmer spielen. Schon vor zwei Jahren waren wir eigentlich in der Relegation gegen Holstein Kiel mausetot. Bülow hat dann in der 91. Minute doch noch den 2:1-Siegtreffer geschossen und uns gerettet. Der Abstieg jetzt ist die logische Konsequenz aus der Misswirtschaft der vergangenen Jahre.

Wie haben Sie die Ausschreitungen der Löwen-Fans in der Nordkurve miterlebt?
Ich war ziemlich weit weg, aber was da abgelaufen ist, war krass. Die Sechziger-Fans haben nun einmal viel Herzblut. Dass man solche Sachen nicht tolerieren kann, ist aber klar. Es waren ja auch 59 000 Fans im Stadion friedlich, nur eine Minderheit ist ausgeflippt. Die Löwen-Fans sind halt immer für eine Überraschung gut.
Bei den Löwen sind der Präsident und der Geschäftsführer schon zurückgetreten. Wie geht es Ihrer Meinung nach jetzt weiter beim TSV 1860?
Der Trainer wird sich bestimmt auch noch verabschieden, und ich denke, der Investor verlässt jetzt auch das sinkende Schiff. Diejenigen, die jetzt noch dableiben, sind echte Löwen. Es ist möglich, dass der Verein auch noch in die Regionalliga abstürzt. In den nächsten fünf Jahren werden wir nicht viel hören von den Löwen.

Welchen Anteil hat Investor Hasan Ismaik am Niedergang?
Als Ismaik damals eingestiegen ist, dachten doch alle Fans: Jetzt haben wir einen Scheich, jetzt geht es aufwärts. Aber wir haben einen Scheich erwischt, der kein Geld hat. Wenn ich mir eine Mannschaft kaufe, dann will ich doch auch Freude an ihr haben. Oder anders gesagt: Wenn ich mir ein Spielzeug kaufe, dann will ich doch auch damit spielen.

Die Fragen stellte
Peter Seidel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren