Bad Staffelstein

Bis zum Ende des Weges selbstbestimmt und in Würde zuhause leben

von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk Bad Staffelstein — Die meisten Menschen, immerhin 80 bis 90 Prozent, wollen zuhause im vertrauten Umfeld sterben. Die Realität sieht aber völli...
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von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Bad Staffelstein — Die meisten Menschen, immerhin 80 bis 90 Prozent, wollen zuhause im vertrauten Umfeld sterben. Die Realität sieht aber völlig anders aus. 70 bis 80 Prozent aller Menschen versterben in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken, davon 50 Prozent auf Intensivstationen. Damit der Wunsch nach einem Leben in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus auch im höheren Alter noch realisiert werden kann, müssen neben einem gut ausgebauten medizinisch-pflegerischen Versorgungsnetzwerk auch die baulichen Voraussetzungen dafür vorhanden sein. Ein Thema, dem sich der Palliativmediziner Dr. Karl-Heinz Muggenthaler und der Architekt und Fachingenieur für barrierefreies Bauen Uli Müller am Montagabend im Verlauf ihres Vortrags im Kurhotel an der Obermain-Therme in Bad Staffelstein widmeten. Dazu eingeladen hatte das Landratsamt Lichtenfels.
Der Coburger Architekt Uli Müller vom Netzwerk Lebenstraum baut Häuser und Wohnungen für Senioren und für Menschen mit Behinderung um. Er hat unter anderm auch das Elternhaus von Florian Sitzmann, der bei einem Motorradunfall beide Beine verloren hat, barrierefrei umgebaut. Sein jüngstes Projekt beschäftigt sich mit dem Umbau einer alten Pension zur barrierefreien Ferienpension für Menschen mit und ohne Behinderung in der Stadt Esens an der Nordsee.

Ein selbstbestimmtes Leben

Im Verlauf seines Vortrags zeigte Müller auf, wie vorhandener Wohnraum entsprechend umgebaut werden kann. Dank Rampen, angeglichenen Türschwellen sowie umgebauter Sanitäranlagen und angepasster Möblierung können Betroffene weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen. Auch die Industrie habe mittlerweile reagiert und biete heute eine breitere Palette an entsprechenden Produkten an. Beispielsweise kann eine neu entwickelte Duschrinne den unschönen Mittelgully ersetzen. Beim barrierefreien Umbau sei neben dem Aufzug eine bodengleiche Dusche eine der großen Hürden. Einen Umbau des Bades bezifferte der Architekt mit Kosten in einer Größenordnung von 28 000 Euro, für bodengleiche Dusche, Waschbecken, WC und Fliesen.
Auch für schwerstbehinderte Menschen, die nach einem Unfall nur über die Augen kommunizieren können, gibt es entsprechende technische Hilfsmittel, die über Augensteuerung funktionieren. Heute schon gibt es Spezialteppiche, die einen Notruf absetzen, wenn ein Mensch hingefallen ist.

48 Palliativstationen in Bayern

Nachdem die Bundesregierung 2007 den Weg zur ambulanten spezialisierten Palliativversorgung schwerstkranker Menschen gesetzlich geebnet hat, steht allen Bürgern eine fachkompetente Betreuung im heimischen Umfeld zur Verfügung, erläuterte Karl-Heinz Muggenthaler, Palliativmediziner und Notarzt.
Damit soll die Lebensqualität und Selbstbestimmung der betroffenen Menschen verbessert und ihnen eine Betreuung im heimischen Umfeld ermöglicht werden. Betroffenen und ihren Angehörigen stehen in Bayern 48 Palliativstationen und 42 Teams mit Fachleuten des Palliativmedizinischen Dienst zur Seite. Palliativstationen in Oberfranken gibt es laut Muggenthaler in Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof und Kulmbach. Einen Palliativmedizinischen Dienst in Bamberg, Lichtenfels (Helmut-G.-Walther-Klinikum) und Marktredwitz. Über die Möglichkeiten einer palliativen Versorgung sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen, rät der Mediziner. Und die Krankenkassen müssen dies auch bewilligen. Mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) lässt sich auch der Wunsch nach einem Leben bis zum Ende in den eigenen vier Wänden und im Kreis der Familie realisieren, wie die Zahlen belegen. Rund 80 Prozent der SAPV-Patienten sind zuhause verstorben.

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