Haßfurt

Biber und Amphibienzäune standen im Landratsamt im Mittelpunkt

Kreis Haßberge — Um die Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit zur Zusammenarbeit auf den Feldern des Natur- und Umweltschutzes auszuloten, fand im Landratsamt Haßberge in Haßfurt ein...
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Der Bund Naturschutz kümmert sich um den Biber.  Foto: Archiv
Der Bund Naturschutz kümmert sich um den Biber. Foto: Archiv
Kreis Haßberge — Um die Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit zur Zusammenarbeit auf den Feldern des Natur- und Umweltschutzes auszuloten, fand im Landratsamt Haßberge in Haßfurt ein Gespräch zwischen Landrat, Unterer Naturschutzbehörde und Vertretern des Bundes Naturschutz (BN) Haßberge statt. Die Unterredung zeigte laut einem Bericht des Amtes, dass es neben unterschiedlichen Meinungen, wie beispielsweise beim Thema Steigerwald, auch genügend gemeinsame Ansichten gibt, die für eine Zusammenarbeit gute Grundlagen bieten.

Fledermausarbeitskreis

Seit 1981 gibt es im Landkreis Haßberge einen Fledermausarbeitskreis. Harald Amon (Ebern) zeigte die Aktivitäten über Wochenstubenkontrollen im Sommer in Schlössern, Kirchen, an Wohnhäusern und in künstlichen Nistgelegenheiten bis hin zu Winterquartierkontrollen in Felsenkellern auf. Gerade die Sanierung dieser Keller kann seit vielen Jahren durch die gute Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden stetig vorangebracht werden. Die Naturschützer wünschen sich aber eine noch bessere Kommunikation bei geplanten Sanierungsmaßnahmen an alter Bausubstanz. Damit könnte frühzeitig auf den Erhalt von Mauerfugen für gefährdete Arten hingewiesen werden. Dazu gab das Landratsamt eine Zusage.

Amphibienschutz

Als es noch Zivildienstleistende gab, wurden seitens des BN im Landkreis 17 Amphibienzäune aufgebaut und betreut. Mit dem Ende des Zivildienstes musste der Aufbau der Schutzzäune weitestgehend an den Maschinenring abgegeben werden. Heute betreut der BN noch etwa zehn Zäune. Der Amphibienschutz wird in enger Abstimmung zwischen Alexander Hippeli (Ebern) und Claus Haubensack von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt organisiert. Ein besonderes Anliegen ist es für den BN, einen Amphibienschutz an zwei Amphibienübergängen während der Wanderung der Tiere im Ebelsbachtal anzubringen. Die kurvige Straßenführung und der geringe Abstand der Leitplanken zur Straße sind für die Betreuer höchst gefährlich. Wie auch in anderen Landkreisen üblich, sollte versucht werden, in der sechswöchigen Wanderzeit der Amphibien eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen, so der BN.
Zufrieden zeigten sich die Naturschützer über die Tunnel zwischen Unterschleichach und Tretzendorf. Die notwendigen Straßensperrungen waren von der Bevölkerung oft nicht verstanden worden, sodass es viele ungerechtfertigte Anfeindungen gegeben hatte. Nun wollen die Naturschützer aber wissen, ob das verbaute Geld die Maßnahmen rechtfertigt. Dazu sollte eine unabhängige Überprüfung der Effektivität in Auftrag gegeben werden.
Weiterhin forderte der BN, dass Biber nicht als Schädlinge angesehen werden. Die zahllosen, in allen bayerischen Landkreisen gewonnenen Erkenntnisse zum Bibermanagement könnten auf den Landkreis doch wohl leicht übertragen werden, so die Meinung der Naturschützer. Der Biberberater des Landkreises, Claus Haubensack, mache gute Arbeit. Er könne auf bevorstehende Konflikte rechtzeitig aufmerksam machen und ihnen sachgerecht begegnen. In einer Ausstellung sollte die Bevölkerung noch intensiver mit dem Biber und seinen Vorlieben, aber auch mit den Problemen, vertraut gemacht werden.

Wildkatze

Worauf der Landkreis im Naturbereich stolz sein kann, stellte der BN-Kreisvorsitzende Klaus Mandery heraus. An erster Stelle nannte er die Wildkatze. Ihre Bestände haben sich in den vergangenen fünf Jahren so stabil entwickelt, dass die südlichen Haßberge als Ausgangspunkt für die Besiedlung der Nachbarräume angesehen werden können. Auf dem ehemaligen Übungsplatz bei Ebern hätten sich die Naturschützer ein Schaugehege gewünscht, wo die Bevölkerung die Gewohnheiten dieses scheuen Mitbewohners der Wälder kennenlernen könnte. Ehemaliger Übungsplatz und alte Kaserne in Ebern sind von den Naturschützern bewusst als Standort für die Einrichtung eines Biodiversitätszentrums auserkoren worden. Nach Meinung der Vertreter des Bundes Naturschutz sollte die dort dokumentierte Vielfalt im Rahmen eines Leader-Projektes Ausgangspunkt für eine Bildungseinrichtung werden, in der vor allem Artenkenntnis vermittelt werden kann. Landrat Wilhelm Schneider wurde um Unterstützung bei der Planung gebeten.
"Wenn die Sorten- und Artenvielfalt im Landkreis schon so hoch angesiedelt ist, könnte Biodiversität auch als gemeinsames Label für den Steigerwald, das Maintal und die Haßberge entwickelt werden", so Klaus Mandery. Der Steigerwald sei von der Universität Würzburg schon seit Jahrzehnten zu seiner ökologischen Außenstelle erkoren worden. Das Maintal von Stettfeld bis Gädheim habe durch den BN Haßberge in den 80er- und 90er- Jahren Artenerfassungen erlebt, die zu vielen Veröffentlichungen führten und die als Grundlage für das Life-Projekt dienen konnten. Und die Haßberge seien vor allem durch die aktuellen Erfassungen auf dem früheren Eberner Übungsplatz als Biodiv-Highlight bekannt geworden. Eine nähere Überprüfung wurde von Landrat Schneider zugesagt red


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