Haßfurt

Bewährungsstrafe für kinderpornografische Bilder

von unserem Mitarbeiter  Manfred Wagner Haßfurt — Bei einer Hausdurchsuchung am 22. April 2014 fand die Polizei rund 30 000 Pornofotos und -videos auf dem Computer eines 26-Jährige...
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von unserem Mitarbeiter 
Manfred Wagner

Haßfurt — Bei einer Hausdurchsuchung am 22. April 2014 fand die Polizei rund 30 000 Pornofotos und -videos auf dem Computer eines 26-Jährigen. Bei weit über 90 Prozent dieser Dateien handelte es sich um "normale", also legal zugängliche Bilder und Filme. Aber die Ermittler fanden auch 410 Aufnahmen und 45 Videos mit eindeutig kinderpornografischem Inhalt. Für diese Straftat zusammen mit einem kleineren Diebstahl kassierte der junge und bislang unbescholtene Mann eine siebenmonatige Bewährungsstrafe. Das Urteil des Amtsgerichts Haßfurt ist noch nicht rechtskräftig.


Hohe Strafandrohung

Nach deutschem Recht sind pornografische Darstellungen sexueller Handlungen mit Personen unter 18 Jahren als Jugendpornografie strafbar. Wenn es sich zudem um Kinder unter 14 Jahren handelt, sprechen die Juristen von Kinderpornografie, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet wird. Die Verbreitung durch Schriften, Foto- oder Filmmaterial gilt als schwere Straftat.
Den Stein ins Rollen brachte eine polizeiliche Ermittlung gegen einen Mann aus Saarbrücken. Als die saarländischen Beamten dessen Wohnung durchsuchten, fanden sie in dessen Computer auch diverse Kontakte mit Gleichgesinnten. Auf diese Weise flog mit einem Schlag ein umfangreiches Netzwerk von Erwachsenen auf, die beteiligt waren. Und dazu gehörte auch der ledige Angeklagte aus dem Haßbergekreis.
Bei der Durchsuchung in dessen Wohnung konfiszierte die zuständige Kriminalpolizei in Schweinfurt einen Laptop, ein Netbook sowie Speicherkarten. Zur Auswertung schickte man die elektronischen Geräte an ein spezielles Institut nach München. Dort konnte man dem Beschuldigten nachweisen, dass er mindestens 15 Mal die verbotenen Fotos und Filme weitergegeben hat. Dabei handelte es sich meistens um die Darstellung von Mädchen im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.
Der Angeklagte war bei dem Prozess am Amtsgericht in vollem Umfang geständig. Über das Internet, fuhr er fort, sei es unheimlich leicht, an derartiges Material ranzukommen. In den einschlägigen Chats tummle sich eine Unzahl von Tauschpartnern. Bei der Wohnungsdurchsuchung tauchten zusätzlich einige Fotos aus Bewerbungsunterlagen junger Mädchen auf, die der Mann unberechtigt an seiner letzten Arbeitsstelle an sich genommen hatte. Dieser Diebstahl wurde gleich mit abgeurteilt.


Eine "Sauerei"

Eine Referendarin, die namens der Staatsanwaltschaft das Plädoyer hielt, warf dem Beschuldigten vor, keine Schuldeinsicht zu haben und die Vorgänge verharmlosen zu wollen. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten - ohne Bewährung.
Von einer solch harten Strafe nahm Amtsrichterin Ilona Conver Abstand, zumal der momentan Arbeitslose bislang eine weiße Weste hat. Sie sprach von einer "Sauerei, da hier Handlungen dargestellt sind, bei denen die Kinder mit Sicherheit nicht freiwillig mitmachen".


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