Laden...
Haßfurt

Bewährung für ein Drogendelikt

prozess  Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 20-jährigen Ersttäter zur Mindeststrafe.
Artikel drucken Artikel einbetten
von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Der Angeklagte (20) wuchs in durchaus geordneten Verhältnissen auf und genoss das, was man eine gute Kinderstube nennt. Aber vielleicht war er das schwarze Schaf der Familie und geriet auf die schiefe Bahn. Jetzt stand er erstmals in seinem noch jungen Leben vor dem Kadi. Weil er eine nicht geringe Menge an Rauschgift besessen und obendrein damit Handel getrieben hatte, verurteilte ihn das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Haßfurt zu der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung.
Am frühen Morgen des 17. Dezember 2014 rückte überraschend das polizeiliche Durchsuchungskommando an. Gegen 7.15 Uhr klingelten die Beamten an der Wohnungstür. Im Zimmer des heute 20-Jährigen wurden sie schnell fündig. Sie fanden und konfiszierten 68,77 Gramm Marihuana und eine Feinwaage. Die Menge mit einem Schwarzmarktwert von gut 1000 Euro ist juristisch von Bedeutung. Liegt (wie in diesem Fall) der den Rausch erzeugende THC-Wert der Droge über der gesetzlich definierten "geringen Menge" von 7,5 Gramm, droht eine härtere Strafe.
Der junge Mann gestand alles ohne Ausflüchte und zeigte sich reuig und geläutert. Er habe damals selber regelmäßig und viel geraucht, so seine Einlassung.
Dass er mit der Feinwaage nur den Eigenkonsum kontrolliert haben will, nahm ihm Staatsanwalt Ralf Hofmann jedoch nicht ab. Zumal ein als Zeuge geladener 17-Jähriger zugab, bei dem Beschuldigten ein bis zwei Gramm gekauft zu haben. Für 15 Euro das Gramm wurde der Stoff verdealt.


Es geht wieder aufwärts

Der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich beleuchtete den persönlichen, schulischen und beruflichen Werdegang des Beschuldigten. Hinsichtlich seiner Persönlichkeitsstruktur beschrieb er den Heranwachsenden unter anderem als emotional labil. Doch seit einiger Zeit besucht er eine ambulante Psychotherapie mit gutem Erfolg: In ihm wüchsen wieder Selbstbewusstsein und Lebensfreude, stellte der Pädagoge fest. Die Hausdurchsuchung Ende letzten Jahres sei für ihn ein heilsamer Schuss vor den Bug gewesen, meint der Experte.
Als Verteidiger bat Rechtsanwalt Thomas Gärtner das Gericht, in Anbetracht der positiven Entwicklung seines Mandanten lediglich eine Reihe von Auflagen zu verhängen. Der Staatsanwalt dagegen plädierte auf eine achtmonatige Bewährungsstrafe für den Mann.


Bereits rechtskräftig

Jugendrichter Martin Kober als Vorsitzender des Schöffengerichtes verkündete im Namen des Volkes die sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Urteil ist rechtskräftig. Zusätzlich verfügte das Gericht, dass sich der Verurteilte bei einem Bewährungshelfer melden, einen Monatslohn von 400 Euro an den Eberner Jugendtreff zahlen und viermal jährlich ein Drogenscreening vorlegen muss, um zu belegen, dass er "clean" ist.


Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren