Bamberg
Kultur 

Berganza-Preis für Michael Huth

Der Kunstverein Bamberg vergab die Auszeichnung in der 27. Auflage an den in Breitengüßbach lebenden Künstler. Huths Werk umfasst Malerei, Grafik, Literatur und Tanz.
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Der Künstler in seinem Atelier in Rentweinsdorf Foto: Sonja Krebs
Der Künstler in seinem Atelier in Rentweinsdorf Foto: Sonja Krebs
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Wen oder was würdigt ein Kunstpreis? Eine Frage, die sich bei der Verleihung des Berganzapreises 2016 an Michael Huth auch die Laudatorin Regina Hanemann stellte. Ist es selbstverständlich, dass man über den Künstler spricht? Oder sollte vielmehr sein Werk im Mittelpunkt stehen?
Die Direktorin der Bamberger Museen entschied sich für das Lebenswerk, die Einheit aus Künstlerleben und künstlerischem Schaffen, die Michael Huth für eine Auszeichnung wie den Berganzapreis geradezu prädestinieren: "...eine kunst- oder kulturschaffende Person oder Einrichtung der Stadt Bamberg, die durch Qualität, Leidenschaftlichkeit, Idealismus, Selbstlosigkeit, Zielstrebigkeit, intensive Arbeit, ausdauernde Verfolgung eines Ziels und Glaube an ihre Aufgabe auffallen", lautet die Definition des Kunstvereins Bamberg.


Meisterschüler

Michael Huth, geboren 1959 in Kronach, Meisterschüler der Städelschule in Frankfurt bei Thomas Bayrle und Christian Kruck und dann selbst mehrere Jahre Dozent an der renommierten staatlichen Kunsthochschule sowie an der Gesamthochschule Kassel, lebt - und arbeitet - seit gut 30 Jahren mit seiner Frau, der Künstlerin Lucia de Figueiredo-Huth in Breitengüßbach. Huths Werk - großformatige Ölgemälde, Druckgrafiken, Kalligrafien, aber auch Plastisches, Geschriebenes wie Theaterstücke oder der japanische Butoh-Tanz - ist im öffentlichen Raum selten präsent.
Sogar zur Preisverleihung in der Dessauer-Villa, wo Huth selbst zuletzt vor fünf Jahren eine Ausstellung hatte, mussten zwei eher untypische, kleinformatige Ölbilder als Anschauungsmaterial genügen. Auch im gesellschaftlichen Leben Bambergs oder in dem der virtuellen Welten des weltweiten Netzes ist Michael Huth nicht omnipräsent, wie manch einer seiner Kollegen. Selbst in seinen Ausstellungskatalogen erfährt man wenig über die Person, wie Hanemann anmerkte.


Pilzkopf

So machten denn sowohl die Kunstvereinsvorsitzende Barbara Kahle in ihrer Begrüßung als auch Kulturbürgermeister Christian Lange in seinem Grußwort eher einen vorsichtigen Bogen um den Geehrten und überließen die Vorstellung des Künstlers fast gänzlich der Laudatorin. Einfacher hatte es da schon Johannes Neuner, der in den Zwischenräumen sein Saxophon sprechen ließ.
Vernetzt im Bamberger Kunst- und Kulturleben - und damit eines der Preiskriterien des Kunstvereins erfüllend - ist Michael Huth dennoch. Es ist vor allem der Austausch mit seinen Künstlerkolleginnen und - kollegen, wie er selbst bei der Preisverleihung betonte und dabei einen bildhaften Vergleich machte: "Der Künstler ist wie ein Pilz, der seinen Kopf aus dem Waldboden reckt. Doch das Wesentliche ist das Geflecht tief im Boden."
Der Kunstverein Bamberg vergibt den Preis seit 1989 - mit bisher einer Ausnahme - jährlich, nun bereits zum 27. Mal, dotiert mit 4000 Euro, gestiftet von der VR Bank. Benannt ist der Preis nach der Figur des Hundes Berganza aus E.T.A Hoffmanns Erzählung "Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berga nza". Zu den Vorgängern Michael Huths als Berganzapreisträger zählen unter anderem die Textilkünstlerin Heidrun Schimmel (2013), der Fotograf Werner Kohn (2010), das Theater Chapeau Claque (2008) und der Jazzclub Bamberg (2006) sowie der Schriftsteller und Übersetzer Hans Wollschläger (1996).
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