Zeitlofs

Beim Rückwärtsfahren waren plötzlich zwei Fußgänger im Weg

Ein tragischer Unfall hatte sich am 9. Mai 2016 auf dem Gelände einer Reparaturwerkstatt in Schlüchtern ereignet: Beim Rückwärtsfahren erfasste ein 26-jähri...
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Ein tragischer Unfall hatte sich am 9. Mai 2016 auf dem Gelände einer Reparaturwerkstatt in Schlüchtern ereignet: Beim Rückwärtsfahren erfasste ein 26-jähriger Autofahrer mit seinem Wagen zwei Fußgänger. Eine 53-jährige Frau aus einem Schlüchterner Stadtteil erlitt dabei erhebliche Verletzungen, die sie bis heute beeinträchtigen.
Jetzt wurde der bislang nicht vorbestrafte Verursacher aus Zeitlofs wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Gelnhausen zu einer Geldstrafe von 1800 Euro (60 Tagessätze zu jeweils 30 Euro) verurteilt. Von einem Fahrverbot sah Richter Dr. Wolfgang Ott ab, da er von einem einmaligen Fehlverhalten ausging. Dennoch ging er mit seinem Strafmaß über die Forderung der Staatsanwaltschaft Hanau hinaus, die eine Geldauflage von 1250 Euro gefordert hatte.


Im toten Winkel übersehen

Der Angeklagte räumte den Vorwurf vor Gericht sichtlich geknickt ein. Beim Herausfahren eines Wagens aus der Werkshalle übersah er die beiden Kunden, neben der 53-jährigen Frau einen 59-Jährigen aus Birstein. Offenbar hätten sie sich im "toten Winkel" aufgehalten, so dass er sie beim Manövrieren übersah. Die Frau erlitt so schwere Verletzungen, dass sie mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden musste. Seinerzeit habe es auf dem Firmengelände keine speziellen Warnhinweise gegeben. Diese seien mittlerweile installiert und die Geschwindigkeit auf "10 Stundenkilometer" begrenzt, erklärte er.
Die 53-Jährige wurde durch den Aufprall gegen das Heck umgestoßen und fiel so unglücklich, dass sie schwerste Kopfverletzungen erlitt. Monatelang wurde sie in Kliniken und Reha-Einrichtungen behandelt. Noch heute besucht sie regelmäßig ambulante Maßnahmen.
An den Unfall selbst kann sie sich nicht mehr erinnern. Vor Gericht erläuterte sie jedoch, welche gesundheitlichen Probleme sie quälen: teilweiser Hörverlust, Bewegungseinschränkung des rechten Daumens und Gleichgewichtsstörungen.
Der Mann aus Birstein, ein Arbeitskollege von ihr, den sie zufällig auf dem Werksgelände traf, hatte da mehr Glück. Er kam mit leichteren Verletzungen wie Prellungen davon.


"Zügiges Zurücksetzen"

Ein 55-jähriger Zeuge, der gerade in dem Firmenhof in ein Auto einsteigen wollte, sprach von einem "zügigen" Zurücksetzen des 26-Jährigen.
Verteidigerin Birgit Poeck-Kleinhenz verwies darauf, dass ihr Mandant zuvor zehn Jahre unfallfrei gefahren sei und nach dem Unfall an die Geschädigte ein Entschuldigungsschreiben mit einem Blumengutschein geschickt habe.
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau sprach von "drastischen Folgen" der Kollision und einer "Leidensgeschichte der Frau". Allerdings habe er nicht den Eindruck, bei dem 26-Jährigen handele es sich um einen Verkehrsrowdy. Für den Vorsitzenden war der "Grad der Fahrlässigkeit" bei dem Verursacher im Nachhinein nicht mehr feststellbar. ls

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