Bad Staffelstein
Gerstensaft 

Beim Bier ist oft Ver(w)irrung im Glas

120 Braumeister sprachen in Bad Staffelstein über die neuesten Entwicklungen der Branche. Die sind nicht immer positiv.
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Karl-Ludwig Rieck von der Mälzerei Weyermann, Dominik Maldoner von der Kundmüller-Brauerei aus Weiher und Tobias Seidel von der Bamberger Kaiserdom-Brauerei verkosten mit neuen Hopfen gebraute Versuchsbiere. Foto: Markus Raupach
Karl-Ludwig Rieck von der Mälzerei Weyermann, Dominik Maldoner von der Kundmüller-Brauerei aus Weiher und Tobias Seidel von der Bamberger Kaiserdom-Brauerei verkosten mit neuen Hopfen gebraute Versuchsbiere. Foto: Markus Raupach
Gleich zwei Jubiläen beging das Institut Romeis in dieser Woche in Bad Staffelstein, genauer gesagt im Saal der Staffelberg-Bräu. So stand die zehnte Auflage des Bierquerdenker-Workshops auf dem Programm.
Seit 2007 treffen sich jährlich innovative Braumeister aus aller Welt, um über die neuesten Entwicklungen in der Branche und kommende Herausforderungen zu sprechen. Am Donnerstag hingegen widmete sich der 20. Romeis Brauertag vor allem der Bierherstellungstechnologie, neuen Entwicklungen bei den Rohstoffen und in diesem Jahr speziell auch dem Thema Hygiene in der Brauerei. "Wenn man sich das Gesamtbildungsniveau der Bevölkerung im Schulfach Bier anschaut, ist Deutschland ein Entwicklungsland." So die provokante Formulierung von Klaus Artmann im ersten Vortrag des Bierquerdenker-Workshops. Der Berater hatte sich die Entwicklung im heimischen Biermarkt in den letzten 25 Jahren vorgenommen und aus der Sicht des Biertrinkers vor allem Verwirrung gefunden: "Früher war Bier eine klare Sache, heute gibt es unendlich viele Variationen, und auch das alte Wertegefüge stimmt nicht mehr." Konnte man sich früher beispielsweise bei "Premium"-Bier auf gehobene Qualität und Preis verlassen, sei es heutzutage oft der billigste Kasten im Getränkemarkt. Der Fachhandel selbst zeige in vielen Fällen weniger Bewusstsein im Umgang mit Bier als gut sortierte Tankstellen, die ihre Biere oft besser lagerten und präsentierten. Und selbst eine staatliche Brauerei wie das Münchner Hofbräuhaus bewerbe neuerdings ein Bier namens "Verführerisch gehopfter Hallodri". Angeregte Diskussionen im Nachgang machten deutlich, dass Artmann einen Nerv der über 120 anwesenden Braumeister getroffen hatte.


Zwei neue Hopfensorten

Ein weiterer Vortrag öffnete einen Blick in die Zukunft eines anderen Rohstoffes: Zwei neue Hopfensorten, die noch gar keinen eigenen Namen tragen, hatten die Spezialisten der Hopfenforschungszentrums in die Versuchsbrauerei des Bad Kissinger Romeis-Institutes gebracht. Mit diesen Hopfen waren zwei verschiedene Pils-Biere entstanden, die ebenfalls in den Verkostungsgläsern in Bad Staffelstein landeten. Sowohl historische Getreide- wie auch neue Hopfensorten begeisterten mit einer spannenden Aromatik und weiteren Eigenschaften - was neue Möglichkeiten für die Brauer eröffnet, so waren sich alle einig.
Den Abschluss des Bierquerdenker-Workshops bildete ein Revival des ersten Treffens der europäischen Kreativbrauer vor zehn Jahren, damals in der Bamberger Keesmann-Brauerei. Die Brauer, die damals ihre neuen Biere präsentierten, blickten auf deren Entwicklung im letzten Jahrzehnt zurück und stellten ihre jeweils neuesten Biere vor. Darunter waren auch Hans-Peter Drexler von Schneider Weisse aus Kelheim und Eric Toft von der Schönramer Brauerei. Schneider hatte vor zehn Jahren mit der Hopfen-Weissen eines der ersten modernen Craft-Biere Deutschlands vorgestellt. Das Bier - ein Weizendoppelbock mit intensiver Kalthopfung - war damals ausschließlich für den US-Markt gedacht gewesen und entwickelte sich dort auch zum Verkaufsschlager. Doch in den folgenden fünf Jahren ging der Absatz in den USA kontinuierlich zurück, während die Zahlen in Deutschland seit der Markteinführung stetig ansteigen. Braumeister Drexler hatte zum Verkosten die vierte Auflage des "Cuvée Barrique" mitgebracht. Die Landbrauerei Schönram an der deutsch-österreichischen Grenze gehört ebenfalls zu den Protagonisten der deutschen Craft-Szene. Der US-Amerikaner Eric Toft war Ende der 1990er Jahre als Braumeister in dem kleinen Ort am Waginger See gelandet und hatte nach und nach Biere, wie er sie aus seiner Heimat Wyoming kannte, eingeführt. Sein Saphir-Bock, den er vor zehn Jahren in Bamberg, damals noch mit deutlichem US-Zungenschlag, vorführte, ist auch heute noch ein "Renner" in der Bierwelt. Doch heute bezeichnet er in sicherem Oberbayerisch sein "Schönramer Hell" als das Vorzeige-Craft-Bier der Schönramer-Palette. Damit zeige sich, so Toft, dass die klassischen Bierstile längst in der Craft-Bier-Welt angekommen seien und von vielen Biertrinkern, gerade auch in den USA, teils höher eingeschätzt würden als Bierstil-Ikonen wie das "India Pale Ale".
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