Coburg

Begeisterung für Luther ist leicht getrübt

Bei der Dekanatssynode wurde auch ein kritischer Blick auf den Reformator geworfen.
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Diakon Franz Schön (Zweiter von rechts) übte nach Martin Luthers Art den Umgang mit Schreibfeder und Tinte. Dem Wunsch einiger Teilnehmer, nach Luthers Wartburg-Art, mit dem Tintenfass auf den Teufel zu werfen, konnte aber nicht Folge geleistet werden. Mit im Bild (von links) die Synodalen Monika Biederer, Martin Finzel und Petra Heeb. Foto: M. Koch
Diakon Franz Schön (Zweiter von rechts) übte nach Martin Luthers Art den Umgang mit Schreibfeder und Tinte. Dem Wunsch einiger Teilnehmer, nach Luthers Wartburg-Art, mit dem Tintenfass auf den Teufel zu werfen, konnte aber nicht Folge geleistet werden. Mit im Bild (von links) die Synodalen Monika Biederer, Martin Finzel und Petra Heeb. Foto: M. Koch
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2017 feiert die evangelische Kirche den 500. Jahrestag des vermuteten Thesenanschlags von Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Dieses Ereignis gilt allgemein als Stichtag für den Beginn der Reformation. Die evangelischen Christen des Coburger Landes arbeiten engagiert an der Vorbereitung der Jubiläumsfeiern mit. Schließlich gilt Coburg als bedeutendste Luthergedenkstätte in Bayern.
Die Coburger Dekanatssynode widmete sich jetzt bei ihrer Tagung im ehemaligen Kloster Mönchröden unter dem Thema "Evangelisch sein - Lutherisch sein" intensiv den Grundlagen eines lutherischen Glaubensverständnisses. Regionalbischöfin Dorothea Greiner erläuterte in einem Vortrag dabei manche Veränderungen evangelisch-lutherischer Glaubenspraxis in den vergangenen 500 Jahren und erklärte auch einige aktuelle Missverständnisse. So sei das Kreuzzeichen, also das Sich-Bekreuzigen, im frühen Luthertum eine Selbstverständlichkeit gewesen. Auch Martin Luther selber habe das den Gläubigen durchaus empfohlen, wie man auch aus dem aktuellen evangelischen Gesangbuch erfahren könnte. Erst im späten 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert sei diese Geste in den evangelisch-lutherischen Kirchen in den Hintergrund geraten. "Luther wollte Einübung in wesentliche Frömmigkeitsformen, vor allem ins Beten - und eben auch mit dem Kreuzzeichen."


Abendmahl im Wandel der Zeit

Ebenso habe sich im Laufe der Jahrhunderte die Abendmahlsfrömmigkeit bei den Lutheranern verändert. Die Feier des Abendmahls sei immer seltener geworden - Luther selber habe aber wohl täglich, so die Vermutung von Greiner die Messe besucht, also das Abendmahl empfangen. Greiner: "Lutherische Frömmigkeit ist Abendmahlsfrömmigkeit." Auch bei den Gottesdienstformen habe der Reformator im Wesentlichen die Liturgie der römischen Messe beibehalten. Sie sei dann lediglich in die deutsche Sprache übertragen und in ihren Texten von speziellen katholischen Interpretationen, so etwa vom Gedanken des stetig sich in der Messe wiederholenden Kreuzopfers Jesu Christi, bereinigt worden.
Bei aller Begeisterung für die Person Martin Luthers blieb auch ein kritischer Seitenblick nicht aus. Der frühe Luther habe, so Greiner, zwar früh dazu geraten, freundlich mit den Juden umzugehen. Doch das habe sich im Laufe der Zeit gewandelt. "Seine späten Äußerungen sind theologisch falsch, menschlich grausam und waren im Dritten Reich missbrauchbar", gab die Bischöfin zu. Sie bemühte sich aber um Differenzierung. Luther sei kein rassistischer Antisemit gewesen; es sei ihm nur um das religiöse Bekenntnis gegangen. "Sein Antijudaismus hat vor der Heiligen Schrift und Christus keinen Bestand."
Dekan Andreas Kleefeld wies auf die vier Kernbotschaften der lutherischen Reformation hin. Allein der Glaube, allein die Gnade Gottes, allein Jesus Christus und allein die Heilige Schrift führten die Menschen zum Heil. "Gott hat uns zu seinem Ebenbild geschaffen und uns diese Schöpfung anvertraut." Es solle keine Menschen erster, zweiter und dritter Klasse geben. "Wir glauben, dass jeder Mensch von Gott gewollt ist und seinen ganz besonderen Wert hat."

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