Altenkunstadt

Beamte werden durch den Kakao gezogen

"Ich denke nicht. Ich bin Beamter", stellt Norbert Schläfer mit ernster Miene klar. Staatsdiener werden im Lustspiel "Beamte sterben langsam", das die Theat...
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Ist Norbert Schläfer (Johannes Russ) nun tot oder nicht? Eine Leiche am Wohnzimmertisch, das geht selbst Bestatter Walter Grabtief (Albert Spörlein, Mitte) und seiner Frau Luzia (Petra Maile) zu weit. Foto: Bernd Kleinert
Ist Norbert Schläfer (Johannes Russ) nun tot oder nicht? Eine Leiche am Wohnzimmertisch, das geht selbst Bestatter Walter Grabtief (Albert Spörlein, Mitte) und seiner Frau Luzia (Petra Maile) zu weit. Foto: Bernd Kleinert
"Ich denke nicht. Ich bin Beamter", stellt Norbert Schläfer mit ernster Miene klar. Staatsdiener werden im Lustspiel "Beamte sterben langsam", das die Theatergruppe des Radfahrvereins Concordia (RVC) Altenkunstadt für ihre Frühjahrsaufführung ausgewählt hat, gewaltig durch den Kakao gezogen. Zur Freude des Publikums. Die Premiere in der Grundschulturnhalle war gut besucht.
"Ist unter euch Zuschauern überhaupt ein Beamter?", möchte Hans-Werner Schuster wissen. Ja, es ist einer da. "Na, der traut sich was", schmunzelt der RVC-Vorsitzende, der mit Beamten-Witzen die Stimmung im Publikum anheizte. Dass die muntere Theatertruppe der Concorden immer für eine Überraschung gut ist, hat sie in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen. Nach einem schaurig-schönen Stück um einen kopflosen Pfarrer, der durch sein Pfarrhaus geistert, und einem erotisch angehauchten Bauernschwank strapazierte das 1913 gegründete Ensemble die Lachmuskeln jetzt mit Leichen, die sich ständig aus dem Staub machen.
Der Autor Erich Koch ist den Concorden persönlich bekannt. Vor fünf Jahren mischte er sich unter das Publikum, um mitzuerleben, wie die RVC-Theatergruppe seine Gespensterkomödie "Spuk im Pfarrhaus" umsetzt. Witzige Dialoge, schräge Charaktere und temporeiche Handlung, bei der es auf der Bühne drunter und drüber ging, ließen die dreistündige Aufführung wie im Flug vergehen. Ensembleleiterin Petra Maile, die monatelang mit den Darstellern Texte einstudiert und Szenen geprobt hat, führte Regie. Seit 2008 leitet sie die Theatertruppe. Die acht Akteure boten durchwegs gute Leistungen. Hatte jemand einen "Hänger", half Souffleur Alfred Kraus. Petra Kleuderlein war für das Frisieren der Darsteller zuständig, Melitta Kodisch für das Schminken. Um das Bühnenbild kümmerte sich Valerie Schütz.


Komisches Geschäftsgebaren

Albert Spörlein glänzte als Walter Grabtief, Besitzer eines Bestattungsunternehmens. Sein Geschäftsgebaren ist mehr als ungewöhnlich. Wenn es nicht anders geht, bahrt er "seine" Leichen kurzerhand auf dem Sofa im Wohnzimmer auf. Walter, den seine temperamentvolle Gattin allzu gerne mit "Du zweibeiniger Sargnagel" tituliert, hat allen Grund zur Freude. Seine Firma wird mit der "Goldenen Grabschaufel" ausgezeichnet. Und ein Bild in der Verbandszeitung "Schlummere sanft" soll es auch geben. Petra Maile spielte die "leichengeprüfte" Ehefrau Luzia. Die vielen Leichen, die im Wohnzimmer herum- und bei gelegentlichen Ohnmachtsanfällen sogar auf ihr liegen, bringen sie fast um den Verstand: "Müssen denn die Leute alle auf einmal sterben. Noch dazu, wenn wir keine Zeit haben!" Johannes Russ gefiel als Norbert Schläfer. Der stets korrekte Beamte möchte das Bestat-tungsunternehmen inspizieren. Ein kleiner Dämmerschoppen beim "Muk" in Altenkunstadt bekommt ihm ganz und gar nicht. Als Schnapsleiche wird er am Bahnhof gefunden und dem Bestattungsunternehmen Grabtief übergeben. Dort hält man ihn für tot.
Ingrid Rangol begeisterte als Lara Schläfer. Die trauernde Tochter möchte den verblichenen Papa noch einmal sehen. Doch der hat mittlerweile seinen Rausch ausgeschlafen und sich aus dem Staub gemacht. Für Bestatter-Sohn Thomas Grabtief, gespielt von Frank Walcher, ist nun guter Rat teuer. Wo nimmt man auf die Schnelle eine Leiche her? Rolf Schwebauf, verkörpert von Marco Neidhart, kommt ihm da gerade recht. Thomas befördert den Gast ins Land der Träume und richtet ihn als Leiche her. Doch was keiner weiß: Rolf ist nicht nur selbst Bestatter und damit Konkurrent der Grabtiefs, er ist auch der Freund von Grabtief-Töchterchen Eva, gespielt von Tanja Kerling. Und bei den beiden hat sich auch schon Nachwuchs angekündigt.
Daniela Teller schlüpfte in die Rolle der Sarah Heim. Erinnerungen an den Schwank "Gute Nacht, Frau Engel" aus dem Ohnsorg-Theater wurden wach, als sich die temperamentvolle Frau bei den Grabtiefs einfindet und von einem Traum erzählt, in dem alle Beteiligten vorkommen. Was Sarah prophezeit, wird tatsächlich wahr. Sie weiß sogar, dass Walter und Luzia fünffache Großeltern werden. Eva darf sich auf Drillinge freuen und bei Thomas, der mit Lara anbandelt, soll es Zwillinge geben. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig und klatschten begeistert Beifall. Bernd Kleinert
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