Haßfurt

Barrierefrei auf die Gleise 2 und 3?

Infrastruktur  Die Bemühungen um einen Umbau des Haßfurter Bahnhofs scheinen an Fahrt zu gewinnen. Einflussreiche Politiker sprechen derzeit von einer Zeitspanne bis 2020.
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Der Seniorenbeirat der Stadt Haßfurt setzt seinen Kampf für die Barrierefreiheit des Bahnhofs in Haßfurt fort und hofft dabei auch auf den Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Bundestages, MdB Martin Burkert (Vierter von rechts), und die Abgeordnete Sabine Dittmar (Dritte von rechts). Foto: Ulrike Langer
Der Seniorenbeirat der Stadt Haßfurt setzt seinen Kampf für die Barrierefreiheit des Bahnhofs in Haßfurt fort und hofft dabei auch auf den Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Bundestages, MdB Martin Burkert (Vierter von rechts), und die Abgeordnete Sabine Dittmar (Dritte von rechts). Foto: Ulrike Langer
von unserer Mitarbeiterin Ulrike Langer

Haßfurt — "Es gibt Licht am Ende des Tunnels", ist sich der Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag, MdB Martin Burkert (SPD), sicher. Bei seinem dritten Ortstermin in Haßfurt am gestrigen Freitag zusammen mit der Abgeordneten Sabine Dittmar (SPD) gab er sich zuversichtlich, dass der Bahnhof noch vor 2019/20 barrierefrei umgestaltet wird.
Dies fordert der Seniorenbeirat der Stadt Haßfurt mit Unterstützung der Stadt schon seit 2008 - bisher ohne Erfolg. Doch das Gremium hat den Kampf noch nicht aufgegeben und vor einiger Zeit wieder alle Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region angeschrieben. So hatten die Verantwortlichen erreicht, dass Martin Burkert, der auch Vorsitzender der bayerischen Landesgruppe der SPD in Berlin ist, und Sabine Dittmar erneut nach Haßfurt kamen.
Zu dem Besuch hatten sich neben der Ersten Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Eva-Maria Schwach, und etlichen Mitgliedern, ihrem Vorgänger August Werner, der auch Vorstandsmitglied im Unterbezirksausschuss der Senioren 60plus der SPD ist, und der Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, Gudrun Greger, auch Bürgermeister Günther Werner (FW), Stephan Schneider, Erster Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Haßfurt und Dritter Bürgermeister, einige Stadträte sowie etliche Bürger voller Hoffnungen eingefunden.
Günther Werner betonte, dass die Barrierefreiheit des Bahnhofs sehr wichtig sei; auch weil die Stadt das gesamte Umfeld des Bahnhofs neu gestalten wolle und den Anschluss an die großen Verkehrsverbünde in Nürnberg und Würzburg anstrebe. "Es ist unmöglich, dass jemand mit Handicap, der mit dem Zug von Bamberg nach Haßfurt kommen möchte, bis nach Schweinfurt fahren, dort umsteigen und dann nach Haßfurt fahren muss", sagte er. Er gab an, dass Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr (CSU), vor zwei Tagen mitgeteilt habe, dass Haßfurt gute Aussichten habe, in das Nachfolgeprogramm zum Bayern-Paket 2013 bis 2018 aufgenommen zu werden. "Ich glaube, es gibt eine große Chance, dass ab 2019 der Ausbau begonnen werden kann", hatte er der Stadt Haßfurt geschrieben. "Wenn 2016 über ein neues Bayern-Paket entschieden wird, dürfte Haßfurt aller Wahrscheinlichkeit nach dabei sein", so Eck.
Martin Burkert seinerseits bekräftigte, dass er alles versuchen werde, dass der Bahnhof in Haßfurt schon vor 2019/20 barrierefrei werde. "Derzeit wird im Bundestag ein Sonderprogramm im Rahmen des Konjunkturprogramms verhandelt", sagte er. Dieses solle 50 Millionen Euro für kleinere Bahnhöfe mit weniger als 1000 Fahrgästen pro Tag vorsehen. Da in Haßfurt aber täglich 1874 Bahnreisende ein- und aussteigen, könne es davon nicht profitieren. "Weil es inzwischen schon so viele Nachfragen gegeben hat, wollen wir dieses Programm auf 100 Millionen Euro erhöhen und auch auf Bahnhöfe mit mehr als 1000 Fahrgästen ausdehnen", so Martin Burkert. Dann könne auch Haßfurt zum Zug kommen.


Historischer Beschluss

Als historisches Ereignis bezeichnete Burkert den Beschluss, ein einheitliches Bahnsteigmaß für ganz Deutschland einzuführen. So sollen alle Bahnsteige auf 76 Zentimeter angehoben werden - auch in Haßfurt - und das Einsteigen erleichtern. Außerdem kümmere man sich auch um den Lärmschutz an der Schiene und habe 150 Millionen Euro dafür geplant. "Wir müssen das Jahr 2016 nutzen, da sich ab 2017 Deutschland wieder im Wahlkampf befindet", lautete seine Aussage.
Eva-Maria Schwach und August Werner beklagten, dass der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in Haßfurt gewesen sei und versprochen habe, sich für Haßfurt einzusetzen. Doch geschehen sei nichts. "Deswegen ist es mir auch lieber, dass der Bund einen Blick auf Haßfurt hat", erwiderte Sabine Dittmar. Und Martin Burkert erklärte: "Dabei hat Seehofer angekündigt, dass ganz Bayern bis 2023 barrierefrei wird."


Mehr Güterverkehr

Wie er außerdem berichtete, werde der Güterverkehr bis 2030 um 34 Prozent zunehmen, während der Pkw-Verkehr nur um acht Prozent steigen werde. Allerdings werde der Pkw-Verkehr in Ostdeutschland abnehmen, während in Bayern eine Erhöhung um 30 Prozent zu erwarten sei.
Zuletzt hatte Stadträtin Annette Marquardt, deren Mann auf den Rollstuhl angewiesen ist, noch eine Bitte. "Könnten Sie sich dafür einsetzen, dass bis zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs in Haßfurt wenigstens ein Überqueren der Gleise in Haßfurt mit Holzbrettern und einer Rufschranke möglich ist?", fragte sie.
Martin Burkert sagte zu, das Thema anzusprechen und bezüglich der endgültigen Lösung auf den Bahnchef Rüdiger Grube und den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt "Druck" zu machen.
"Wir müssen in Haßfurt schneller sein als 2019", sagte er und verabschiedete sich aus der Kreisstadt. Das Fazit von Eva-Maria Schwach lautete: "Ich bin positiv gestimmt und wir setzen alle Hoffnung in Martin Burkert und Sabine Dittmar. Wir werden weiterhin alles daran setzen, um unser Ziel zu erreichen!"


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