Lichtenfels
Lokalgeschichte 

Banz, Barock und Bahn

Barockbauten und Archäologie, Verkehrswege und Geologie - der Geschichtsverein CHW bietet im kommenden Jahr wieder ein vielseitiges Programm. Vorsitzender Günter Dippold gibt bereits jetzt einige Einblicke.
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Kloster Banz - vom Altbaiern Dientzenhofer geplant und von Tiroler Fachleuten ausgeführt: Günter Dippold wird im nächsten Jahr in Banz über die Geschichte der Gastarbeiter in der Zeit des Barock sprechen, die Franken mit sehenswerten Gebäuden bereicherten. Foto: Matthias Einwag
Kloster Banz - vom Altbaiern Dientzenhofer geplant und von Tiroler Fachleuten ausgeführt: Günter Dippold wird im nächsten Jahr in Banz über die Geschichte der Gastarbeiter in der Zeit des Barock sprechen, die Franken mit sehenswerten Gebäuden bereicherten. Foto: Matthias Einwag
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Matthias Einwag

Das Kloster Banz ist und bleibt ein interessanter Ort. Auch für Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, der doch eigentlich alles über den Banzberg und seine bewegte Geschichte wissen müsste. Dennoch entdeckt Günter Dippold immer wieder Faszinierendes in Archiven, das er zu Vorträgen oder Publikationen aufbereitet - etwa dass das Phänomen, Gastarbeiter anzuwerben, keine ausschließlich im 20. Jahrhundert auftretende Erscheinung ist.
Für einen Vortrag beim Geschichtsverein CHW, dessen Vorsitzender er ist, bereitete Günter Dippold die historischen Fakten auf. Unter dem Titel "Gastarbeiter im barocken Franken" wird er in Kloster Banz referieren (7. April, 19.30 Uhr, Museum).


Krämer und Kunsthandwerker

Drei Gruppen von Gastarbeitern seien im Franken der Barockzeit auszumachen, sagt der Historiker. Zum einen habe er Krämer ausgemacht, die aus dem italo-savoyischen Raum einwanderten; sie handelten mit Lebensmitteln und Südfrüchten. Greifbar würden sie in den Akten, wenn sie obrigkeitlich aufgefordert wurden, sich niederzulassen - im Staffelsteiner Land sei hier zum Beispiel die Familie Greßano zu nennen.
Die zweite Gruppe bestehe aus Kunsthandwerkern - Stukkatoren und Maler -, die zuwanderten, weil sie bei der Ausgestaltung von Kirchen, Klöstern und Schlössern gebraucht wurden. Giovanni Francesco Marchini etwa, der den Innenraum der Unterleiterbacher Valentinskapelle mit Architekturmalerei und figürlichen Deckenbildern freskierte. Oder der italienischstämmige Baumeister Giovanni Bonalino, der in Scheßlitz und Bamberg lebte.


Altbaiern und Tiroler in Franken

Die dritte Gruppe umfasst Wanderarbeiter, die viele Baustellen der Barockzeit erst ermöglichten; von den 1680er-Jahren bis ins 18. Jahrhundert hinein lasse sich dieses Phänomen fassen. Viele dieser Arbeiter kamen aus Nordtirol, dem Bregenzer Wald oder der Gegend um Aibling.
Der Vortragsort - das Museum in Kloster Banz - sei ein bewusst gewählter Ort, sagt Günter Dippold, denn Banz sei "vom Altbaiern Dientzenhofer geplant und von Tiroler Fachleuten ausgeführt". Günter Dippold: "Wanderarbeiter sind ein bisher nahezu nicht untersuchtes Phänomen."


"Archäologie geht immer"

Doch das ist nur ein Aspekt, mit dem sich das CHW im kommenden Jahr beschäftigen wird. Der Geschichtsverein mit seinen 17 Bezirksgruppen (darunter Lichtenfels, Bad Staffelstein, Ebensfeld, Redwitz, Burgkunstadt/Altenkunstadt, Michelau, Weismain und Seßlach) setzt neben Vorträgen wieder auf Exkursionen. Das Programm 2015/16 bis zum Frühjahr liegt vor, doch für Sommer und Herbst 2016 müssten die Termine erst noch abgestimmt werden. "Archäologie geht immer", sagt Günter Dippold, das habe sich in den Vorjahren erwiesen - etwa bei den Vorträgen und Exkursionen mit Timo Seregély. Auch die Führung in der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg, die Günter Dippold und der Organist Georg Hagel heuer anboten, sei ein Publikumsmagnet gewesen - so etwas könne wiederholt werden.
Ebenfalls sehr gut besucht sei die Exkursion von Bernhard Christoph aufs Plateau des Kordigast gewesen. Dabei habe sich ihm erschlossen, dass der Kordigast mehr touristisches Potenzial hätte, wenn die Hangkanten von der Vegetation befreit würden. Dann böte sich den Besuchern des Gipfels eine wesentlich bessere Fernsicht, ähnlich wie auf dem Staffelberg.


Bahnbau einst und jetzt

Einen weiteren Schwerpunkt im Programm könnte die Eisenbahngeschichte bilden, sagt der Bezirksheimatpfleger. Mit Blick auf die ICE-Trasse biete sich an, so ein Großprojekt vor 150 Jahren in den Fokus zu nehmen - etwa den Bau der Bahntrasse zwischen Lichtenfels und Schney. Damals wie heute durchschnitten solche Projekte die bestehende Infrastruktur - mit einem Unterschied: "Vom damaligen Bahnbau hat die Region profitiert, vom jetzigen nicht."
In Vorbereitung seien zudem weitere Bücher der CHW-Reihe. Ein Band werde sich mit Ämtergebäuden im Kreis Lichtenfels befassen sowie mit dem Zuschnitt des Kreises nach der Gebietsreform von 1972. Ein weiteres Buch ergänze den bereits vorliegenden Band "Streifzüge durch Franken" um ungefähr ein Dutzend Orte, die zu Ausflugszielen werden können.
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