Bamberg

Bahn baut Regenrückhaltebecken

Bahnausbau  Laut Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt Hallstadt-Zapfendorf werden Regen und Schnee vom Gleisbett auch künftig in den Seebach geleitet. Die Stadt favorisierte eine andere Lösung und schließt eine Klage nicht aus.
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Die Bamberger Nordflur zwischen Börstig und Gleisdreieck - vermehrt "Land unter" durch die Pläne der Bahn?  Foto: Stadt Bamberg, Baureferat
Die Bamberger Nordflur zwischen Börstig und Gleisdreieck - vermehrt "Land unter" durch die Pläne der Bahn? Foto: Stadt Bamberg, Baureferat
von unserem Redaktionsmitglied 
Jutta Behr-Groh

Bamberg — Der Seebach, der vom Hauptsmoorwald durch Bamberg-Nord und Hallstadt in den Main fließt, ist ein eher unscheinbares Gewässer. Und wenn es kräftig regnet, läuft er manchmal fast über. "Ich hab es schon erlebt, dass er bis oben voll war", berichtet Pankraz Deu-ber, der selbst Felder in der Nordflur bewirtschaftet. Aus seiner Sicht ist das kein Wunder, hängt doch "net mehr wie alles" an dem Entwässerungsgraben: Auch von etlichen Firmen im Industriegebiet Börstig wird das Oberflächenwasser in den Seebach geleitet.
Selbst in den Planungen der DB Netz AG für die Ausbaustrecke nördlich von Bamberg spielt der kleine Bach eine große Rolle: Er soll weiterhin das gesamte Oberflächenwasser aufnehmen, das auf den Gleisanlagen am nördlichen Stadtrand - 200 Meter des Ausbauabschnitts liegen auf Bamberger Gebiet - und Teilen Hallstadts anfällt. Je mehr Boden für den Bahnausbau versiegelt wird, umso weniger Wasser könne versickern und umso mehr müsse der Seebach verkraften, beschreibt Claus Reinhardt, Sprecher des städtischen Baureferats, die Situation.
Die Stadtverwaltung hätte sich eine Ableitung des Regenwassers vom Bahnkörper direkt in den Main gewünscht. Das wäre zwar mit einigem Aufwand verbunden und nicht ohne den Bau einer Hebeanlage gegangen, sagt Reinhardt. Aber es wäre aus städtischer Sicht die bessere Lösung zum Schutz der Gärtnerflächen in der Nordflur gewesen. Die Bahn hat diesen Vorschlag verworfen. Das geht aus dem Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes, Außenstelle Nürnberg, für den Streckenabschnitt Hallstadt-Zapfendorf hervor. Er liegt ab sofort zur allgemeinen Einsichtnahme auf (siehe Kasten).
Allerdings wird die DB Netz AG als Bauherrin in der Nordflur ein großes Regenrückhaltebecken bauen müssen. Das hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach in seiner Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange zum Bahnausbau Hallstadt-Zapfendorf gefordert. Hans-Joachim Rost, der zuständige Abteilungsleiter beim WWA, spricht von einer guten und praktikablen Lösung. Das Wasser vom Gleisbett werde in dem unterirdischen Becken gesammelt und dann dosiert in den Seebach abgeleitet. Mit einem Fassungsvermögen von 630 Kubikmeter ist das Reservoir laut Rost ausreichend groß für "ein sehr, sehr großes Regenereignis bemessen". Es werde in 98 bis 99 Prozent aller Regentage seine Aufgabe erfüllen.
Die Bedenken der Stadt räumt diese Lösung nicht ganz aus. Sie berücksichtigt laut Reinhardt nicht den noch bevorstehenden Bahnausbau auf Bamberger Gebiet. Der befindet sich bekanntermaßen in einem früheren Planungsstadium, es steht noch nicht einmal der Trassenverlauf fest. Sollte - wofür einiges spricht - die bestehende Trasse ausgebaut werden, müsste das Oberflächenwasser in Bamberg-Nord ebenfalls in den Seebach geleitet werden. Dann wird dieser doppelt belastet beziehungsweise müsste ein zweites Regenrückhaltebecken angelegt werden. Was Rost vom WWA Kronach bejaht, aber nicht als Problem erachtet.


Folgen fürs Grundwasser

Das größere Problem, das durch den Bahnausbau in Bamberg auf die Erwerbsgärtner in der Nordflur zukommt, sind aus seiner Sicht die Folgen für das Grundwasser. Es steht dort schon bei einem bis eineinhalb Meter an. Er kündigt für die konkrete Planungsphase das Anbringen von Grundwasserbeobachtungspegeln an. Damit könnten eventuelle Veränderungen des Grundwasserstands sichtbar gemacht werden und daraus weitere Auflagen für die DB Netz AG abgeleitet werden, um Schaden von Dritten - hier den Erwerbsgärtnern - abzuwenden.
Die Stadt Bamberg hatte nach eigenen Angaben während der Planfeststellung im März 2015 zahlreiche Einwände erhoben. So habe sie darauf hingewiesen, dass unter geplanten Baustraßen die Leitungen des Beregnungsverbands Bamberg-Nord verlaufen und nicht beeinträchtigt werden dürften. Eine andere Forderung sei gewesen, dass der "Trassenfindungsprozess" für das Stadtgebiet durch das Planfeststellungsverfahren Hallstadt-Zapfendorf nicht vorweggenommen werden dürfe.
Einer städtischen Pressemitteilung zufolge wurden die meisten Ablehnungsgründe und Vorschläge aus Bamberg im Planfeststellungsverfahren zurückgewiesen. Theoretisch hat das Baureferat - wie alle, der Einwände und Bedenken erfolglos waren - die Möglichkeit, dagegen Klage zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu erheben. Große Erfolgsaussichten, so deutet Reinhardt an, misst man einer Klage nicht zu. Sie hat auch keine aufschiebende Wirkung.
Fragt man Nordflur-Gärtner Deuber, was er von der Lösung mit dem Regenrückhaltebecken hält, scheint er zufrieden. Er und Kollegen hätten befürchtet, dass viel Wasser unkontrolliert in den Seebach fließt und Felder überflutet werden. Das fürchtet man jetzt nicht mehr.


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