Haßfurt

Ausraster bringt Gefängnis ein

Strafprozess  Ein 22-Jähriger muss wohl hinter Gitter, weil er eine Fensterscheibe eingeschlagen hat. Das Amtsgericht in Haßfurt verhängte die drakonische Strafe, weil der Angeklagte erheblich vorbelastet ist und unter laufender Bewährung stand.
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von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt/Eltmann — Bei einem erstmaligen Fehltritt würde man von einer Lappalie oder einem Ausrutscher sprechen. Aber mit sechs Vorstrafen hat der gerade mal 22-Jährige bereits eine beachtliche kriminelle Karriere hinter sich. Und das war letztlich auch der Grund, warum eine erneute Geldstrafe wegen einer eingeschlagenen Fensterscheibe bei einem Prozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt nicht mehr in Betracht kam. Der Bursche muss nun zwei Monate hinter Gitter.
Vor dem Amtsgericht wurde das verhandelt, was sich am diesjährigen Faschingsdienstag in Eltmann abgespielt hat. Kurz vor 9 Uhr abends kam es auf offener Straße zu einem Handgemenge, bei dem auch der Angeklagte dabei war. Als eine Schülerin (19) schlichtend eingriff, wurde sie umgestoßen und fiel zu Boden. Dabei schlug sie derart unglücklich auf, dass sie das Bewusstsein verlor und mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Haßfurter Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Vorwurf nicht bestätigt

Dass, wie Staatsanwalt Christian Lang in seiner Anklageschrift vortrug, dies die Folge davon war, dass der im Maintal lebende Angeklagte das Mädchen heftig geschubst hat, dieser Vorwurf konnte nicht nachgewiesen werden. Zumal das Opfer im Zeugenstand einen anderen Tatbeteiligten beschuldigte. Von daher wurde die Anklage wegen Körperverletzung ohne weitere Auflagen eingestellt.
Doch dieser Anklagepunkt war sozusagen nur das Vorspiel, denn nach der Prügelei war der Angeklagte - wohl auch alkoholbedingt - noch derart aufgebracht und aggressiv, dass er in einem Nachbarhaus ohne ersichtlichen Grund die Fensterscheibe einschlug. Ein weiteres Mädchen (16), das den Vorfall beobachtet und den Notarzt alarmiert hatte, sah seine blutüberströmte Hand. Diese Sachbeschädigung mit einem Schaden zwischen 50 und 100 Euro räumte der äußerlich unbeteiligt wirkende Beschuldigte ein.
Nachdem die Beweisaufnahme mit den Zeugenaussagen abgeschlossen war, las die Strafrichterin Ilona Conver den Auszug aus dem Bundeszentralregister mit sechs Einträgen vor. Seit 2009 war kein Jahr vergangen, in dem der 22-Jährige nicht vor Gericht stand. Erst vor Kurzem, stellte sich heraus, saß er für eineinhalb Monate hinter schwedischen Gardinen.

Es kann noch schlimmer werden

Weiterhin hielt der Ankläger dem Angeklagten vor, dass er unter laufender Bewährung stand, als er beim Fasching ausrastete. Wegen Körperverletzung war der Mann nämlich im Februar 2013 zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe (auf drei Jahre zur Bewährung) verurteilt worden. In Erwägung dieser Umstände forderte der Staatsanwalt jetzt beim Prozess in Haßfurt eine viermonatige Haftstrafe (ohne Bewährung).
Das Gericht hielt zwei Monate ohne erneute Bewährungschance für angemessen und ausreichend. Für den Fall, dass der Richterspruch rechtskräftig wird, muss der Verurteilte damit rechnen, dass die Bewährung aus seinem früheren Verfahren widerrufen wird. Dann müsste er wegen der Fensterscheibe nicht bloß zwei, sondern zwei plus sechs, also acht Monate absitzen. Vielleicht aber wird sogar da noch etwas draufgesattelt, denn der Staatsanwalt legte noch im Gerichtssaal Berufung ein.
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