Kronach

Aus dem Stuhllager rollen die Klöße wie am Fließband auf die Teller

Au — Im Stuhllager bei der Alten Schule geht es für die Kirchweih im wahrsten Sinne des Wortes rund. Wie am Fließband wird geformt, gekugelt und gerührt. Immer wieder greifen Anne ...
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Sabine Schmidt schüttet das "Breila" zum Kloßteig, den Helmut Schmidt verrührt.  Foto: H. Schülein
Sabine Schmidt schüttet das "Breila" zum Kloßteig, den Helmut Schmidt verrührt. Foto: H. Schülein
Au — Im Stuhllager bei der Alten Schule geht es für die Kirchweih im wahrsten Sinne des Wortes rund. Wie am Fließband wird geformt, gekugelt und gerührt. Immer wieder greifen Anne Martin, Petra Geiger sowie Inge Schmidt in eine riesige Schüssel mit Kloßteig. In die runden Leckerbissen kommen natürlich auch "Bröckela". Die Klöße geben sie in einen mit heißem Wasser gefüllten, großen Einwecktopf. "Das Wasser darf nicht mehr kochen", erklären die drei Frauen. "Das ist ganz wichtig." Sonst wird es nichts mit den leckeren Kirchweihspeisen.
Sabine Schmidt rührt derweil das "Breila" in einem großen Kochtopf ein letztes Mal um. Dann nimmt sie den Topf vom Herd und schüttet die dampfende Masse in eine große Schüssel. Helmut Schmidt bringt sofort einen riesigen, elektrischen Teigquirl zum Einsatz und vermischt den Brei mit dem geriebenen Kloßteig. "Kloßkochen ist eine Kunst für sich", ist sich Schmidt sicher. Zusammen mit den vier Frauen bereitet er an diesem Abend an die 600 Klöße zu - "Breila-Klöße", wie sie seine Ehefrau Inge Schmidt nennt.
Draußen an der Essensausgabe im Innenhof der Alten Schule beziehungsweise des Feuerwehrhauses hat sich eine Schlange gebildet. Ein Gericht nach dem anderen geht über die "Theke" von Jürgen Feick und seinen Helfern. Besonders beliebt ist das Krenfleisch. Schon wird der nächste Nachschub an Klößen geordert. Jugendliche tragen den großen Einweckapparat nach draußen. "Darin befinden sich etwa 55 Klöße, so viel ergibt unser Rezept", verrät Inge Schmidt.
Hierfür braucht man im gleichen Verhältnis drei Kilo fertigen, geriebenen Kloßteig sowie drei Kilo gekochte Kartoffeln. Beides wird verrührt und mit drei Esslöffeln Salz gewürzt. Insgesamt elf solcher Ladungen - also rund 600 Klöße - werden an diesem Abend zubereitet. Am nächsten Tag betätigen sich vier weitere Helferinnen als Kloßköchinnen, wobei dann nur unerheblich weniger Klöße zubereitet werden. Zusammen werden es also locker über 1000 Klöße.
Jedes Jahr am ersten Sonntag im August feiert Au sein Kirchweihfest, so war es auch heuer wieder. Den Kirchweihbetrieb bei der Alten Schule gibt es seit 1998. Das Fest wird von der Vereinsgemeinschaft abgehalten, da im Ort keine Gaststätte mehr geöffnet ist. Solange gibt es auch schon die Tradition des Klößekochens am Kirchweih-Donnerstag und -Freitag.
"Damals - 1998 - gab es das Feuerwehrhaus mit seinem Stuhllager noch nicht. Bis 2001 haben die Frauen die Klöße noch zu Hause zubereitet, auf ihren Schüröfen. Dann wurde das Ganze hierher gebracht. Das war eine Schlepperei", erinnert sich Helmut Schmidt. Damals hätten die Helferinnen zudem noch den kompletten Teig selbst gemacht und sogar die "Bröckela" geschnitten und geröstet. Ab 2001 wurden die Klöße dann im Umkleideraum der Tischtennis-Spieler gekocht, bevor 2013 das Stuhllager fertiggestellt wurde. Mitglieder der Wehr sowie der Ortsgemeinschaft Au hatten in jahrelanger Arbeit und insgesamt 5200 ehrenamtlichen Arbeitsstunden das Stuhllager und daran anschließend das Feuerwehr-Gebäude angebaut.
"Die Arbeit für die Frauen beginnt schon einen Tag vorher", erzählt Inge Schmidt über den Mittwoch vor dem Fest. Sie wurde als "Kloßköchin der ersten Stunde" schon von ihrer Schwiegermutter angelernt. Mittlerweile wurden das Rezept und das "Handling" schon wieder an jüngere Generationen weitergegeben.
Am Mittwoch treffen sich die Frauen, um die Kartoffeln zu schälen. Diese werden dann portioniert und geschnitten sowie am folgenden Tag gepresst und weichgekocht, so dass das "Breila" entsteht. "Für die richtige Wassertemperatur braucht man Fingerspitzengefühl - und natürlich auch, um die richtige Menge an Wasser zum Brei dazuzugeben", stellt Helmut Schmidt beeindruckt von den Frauen fest.
Die Frauen wirbeln am Abend bis etwa 20.30 Uhr. Und wann essen sie dann selbst ihre Klöße? "Wenn man so viele Stunden um die Klöße herum ist, hat man keinen Appetit mehr drauf", stellen sie lachend fest. Es ist auch schon vorgekommen, dass zum Schluss alle verkauft waren und für sie keine übriggeblieben sind. Aber am nächsten Tag probieren sie die von den anderen fleißigen Helferinnen zubereiteten runden Köstlichkeiten - dann haben auch sie Kirchweih!


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