Pommersfelden

Auf Umwegen zurück zur Mühle

Landessiegerin  Julia Wiesneth aus Sambach ist Bayerns beste Verfahrenstechnologin im Mühlen- und Futtermittelbereich, wie ihre Berufsbezeichnung offiziell lautet. Ums Mehl geht es aber immer noch.
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Julia Wiesneth im Labor  Foto: Evi Seeger
Julia Wiesneth im Labor Foto: Evi Seeger
von unserer Mitarbeiterin Evi Seeger

Sambach — Die "schöne Müllerin" ist seit der Romantik und Franz Schuberts Liederzyklus ein geflügeltes Wort. Die Mühlen-Idylle, die dabei vor dem geistigen Auge entsteht, hat jedoch mit der Realität so gut wie nichts mehr zu tun. Außer dass junge Müllerinnen auch heute hübsch anzusehen sind, im Beruf aber voll ihren Mann stehen.
Denn der Beruf des Müllers ist längst keine reine Männerdomäne mehr, wie Julia Wiesneth aus Sambach beweist. In ihrem Jahrgang waren fünf von fünfzig Auszubildenden "Mädels". Mit ihrem hervorragenden Ergebnis wurde die Sambacherin bayerische Landessiegerin im Beruf des Müllers.


Mehl ist mehr als weißes Pulver

Wobei es diese Bezeichnung offiziell eigentlich gar nicht mehr gebe, erklärt die 23-jährige Tochter des Sambacher Müllers. "Verfahrenstechnologin im Mühlen- und Futtermittelbereich" sei die korrekte Bezeichnung. Der jungen Sambacherin geht es vor allem darum, dieses Berufsbild bekannt zu machen. Denn nicht nur in der Sambacher Mühle werden Auszubildende gesucht. "Mehl ist mehr als ein weißes Pulver", sagt die junge Müllerin. Mehl sei ein wichtiger Rohstoff, mit dem man über Brot, Brötchen oder Pizza täglich in Berührung komme.
Obwohl Julia Wiesneth heute "happy" ist, diesen Beruf erlernt zu haben, war dies für sie nicht von Anfang an klar. Nach der Realschule begann sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Bereits während ihrer Ausbildung fuhr sie zweigleisig, besuchte an den Wochenenden noch einmal die Schule und erwarb die Fachhochschulreife. Es folgten zwei Jahre als Vorstandssekretärin in einer Bank.
Dann zog es die junge Frau in die Ferne: Für ein halbes Jahr ging sie nach Australien. Mit verschiedenen Jobs verdiente sie sich dort ihren Lebensunterhalt. Als sie 2013 zurückkam, stellte sich die Frage, wie es weitergehen soll. "In die Bank wollte ich nicht zurück", erzählt Julia. Die Ernte war in vollem Gange, das heißt, dass in der Sambacher Mühle, die zu den zehn führenden in Bayern zählt, jede Hand gebraucht wurde.
Nach einem Gespräch mit den Eltern, in dem es natürlich auch um die Nachfolge in der Mühle ging, entschied sie sich: "Ich probier's mal und mache die Ausbildung!" Die Lehrzeit, die eigentlich drei Jahre dauert, konnte sie aufgrund ihrer vorherigen Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen. Zum Blockunterricht ging es nach Stuttgart, jeweils fünf bis sieben Wochen und das zwei oder drei Mal im Jahr.
Julia Wiesneth denkt noch gerne daran zurück. Von überall her seien die Auszubildenden nach Stuttgart gekommen, denn es gebe in Deutschland nur zwei Schulen für Müller. Derzeit ist ihre jüngere Schwester Luisa, die ebenfalls den Müllerberuf erlernt, in der Stuttgarter Schule.
Wichtigste Bausteine der Ausbildung seien technisches Wissen, Elektronik, Kenntnis der Maschinen, Laboranalytik und Qualitätsbewusstsein. Da die meisten Vorgänge von Maschinen erledigt werden, trete das Handwerkliche heute etwas in den Hintergrund. Der Säcke schleppende Müller gehöre der Vergangenheit an. Heute müsse man in diesem Beruf total gut organisiert sein, findet die junge Frau. Ob sie die Meisterprüfung anstrebt, hat Julia Wiesneth für sich noch nicht entschieden. Sie will sich auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements weiterbilden. Darin sieht sie zusammen mit ihrer Berufsausbildung eine gute Mischung.


Besuch vom Präsidenten

Für die Handwerkskammer Oberfranken würdigten Präsident Thomas Zimmer, Geschäftsführer Thomas Koller und Kreishandwerksmeister Manfred Amon aus Bamberg bei einem Besuch in der Mühle die vorbildlichen Leistungen der Landessiegerin sowie des Ausbildungsbetriebs. Dabei erfuhren sie, dass Julia Wiesneth auch aus dem deutschlandweiten Wettbewerb des "Mühlen Masters" als zweite Bundessiegerin hervorgegangen ist.
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