Stadtsteinach

Auch mit Blaulicht fahren will geübt sein

Verkehrssicherheit  Wenn die Rettungskräfte mit Blaulicht zum Einsatz eilen, steigt für die Retter selbst das Risiko: Sie verursachen deutlich häufiger Unfalle als andere Verkehrsteilnehmer. Damit sich das ändert, bietet der Feuerwehrverband das Training im Fahrsimulator an.
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Bernd Zimmermann im Fahrsimulator Foto: Sonja Adam
Bernd Zimmermann im Fahrsimulator Foto: Sonja Adam
von unserem Mitarbeiter Sonny Adam

Stadtsteinach — Es passiert immer wieder, dass Rettungskräfte auf dem Weg zum Einsatzort sich selbst in Gefahr bringen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern einfach weil sie mit höherer Geschwindigkeit unterwegs sind, weil sie unter Stress stehen und manchmal auch, weil andere Verkehrsteilnehmer auf Blaulicht anders reagieren, als sie eigentlich tun sollten.
Die Statistik spricht Bände: Einsatzkräfte der Feuerwehren, der Rettungsorganisationen und der Polizei haben ein vierfach so hohes Risiko, an einem Unfall mit tödlichem Ausgang beteiligt zu werden, ein acht Mal so hohes Risiko an einem Unfall mit einem oder mehreren Schwerverletzten beteiligt zu werden und sogar ein 17-fach erhöhtes Risiko, in einen Unfall mit hohem Sachschadenverwickelt zu werden. "75 Prozent der Unfälle passieren auf den Weg zum Einsatz", mahnt Steffen Müller, der im Feuerwehrhaus Stadtsteinach eine Schulung durchführt. Und immerhin bei 65 Prozent der Unfälle sind die Einsatzfahrer selbst schuld.
Die Gefahr liegt also auf der Hand. Und deshalb hatte der Feuerwehrverband auch in diesem Jahr die Feuerwehrdienstleistenden zu einer Schulung für Blaulichtfahrten eingeladen. "Wir wollen aber nicht nur die Feuerwehrleute ansprechen, sondern haben bewusst auch Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz eingeladen", sagt Franz Gareis vom Feuerwehrverband.
Steffen Müller, der im Auftrag der Firma IFE Systems die Fahrten mit dem Sondersignaltrainer koordinierte, legt viel Wert auf Theorie und kann auch gleich mit einigen Vorurteilen aufräumen. Denn der gelbe Dachaufsatz "Feuerwehr im Einsatz", birgt keinerlei Garantie auf freie Fahrt. "Wenn man sich solch einen Dachaufsatz anschafft, freut sich nur einer: der Verkäufer", macht Müller klar. Nur Blaulicht mit Horn gewährt Wegerecht. Allerdings ist die Kombination nur dann zulässig, wenn höchste Eile geboten ist, um beispielsweise Menschenleben zu retten.
Doch was ist mit dem Einsatz, weil eine Katze im Baum festsitzt? Die Feuerwehrler müssen schmunzeln. Denn in solch einem Fall würde man natürlich nicht mit Blaulicht und Horn anfahren. Auch bei der Meldung "auslaufende Flüssigkeit auf der Bundesstraße. Polizei vor Ort", wäre eine Blaulichtfahrt nicht geboten. "Und auch mit Blaulicht und Horn darf man sich das Wegerecht nicht erzwingen"; mahnt Müller.
Auch bei der Schulung in Stadtsteinach sitzen einige Feuerwehrler dem weit verbreiteten Irrtum auf, dass Blaulicht und Horn die Vorfahrtsrechte verändern würden. "Das ist nicht der Fall. Die Vorfahrtsrechte bleiben so wie sie sind. In eine Kreuzung kann man sich nur reintasten und erst wenn man sicher ist, dass die anderen die Vorfahrtsrechte abtreten, kann man fahren", so Müller. Selbst Feuerwehrmann aus Passion, mahnt er zur Vorsicht auch auf der Rückfahrt: "Leere Atemschutzflaschen und Schläuche gehören in den Mannschaftsraum."
Im Mittelpunkt allerdings steht die Praxis. Mit dem Sondersignalfahrtrainer können Feuerwehrler und die Vertreter der anderen Rettungskräfte den Ernstfall proben. Markus Hahn von der Feuerwehr in Himmelkron wagt sich als Erster ans Steuer und bugsierte das Auto durch die Gegend. Anfangs noch mit verhaltenden 40 Stundenkilometern. "Ich fahre im Ernstfall ein LF 8-6. Bis achtzig fahre ich schon", erklärt Hahn und steigertt von Fahrt zu Fahrt sein Tempo.
Bernd Zimmermann ist bei der Feuerwehr in Fölschnitz. Bislang blieb er von Blaulichtfahrten verschont, möchte aber seine Feuerwehrarbeit in Zukunft intensivieren. "Es ist schon interessant, was man für Fehler machen kann", sagt Zimmermann. Auch Benny Spindler von der Feuerwehr Schmeilsdorf hat für die Praxis dazugelernt. Denn er fährt normalerweise ein Staffellöschfahrzeug mit sechs anderen Kameraden und einem 600 Liter-Tank an Bord. "Ich habe bisher gar nicht so darauf geachtet, ob die hinten alle angeschnallt sind. Da wird sich jetzt ändern."
Auch der stellvertretende Leiter der Polizei Stadtsteinach Alexander Horn, Michael Martin und Maximilian Türk vom BRK machen am Auftakttag mit. Und Günther Möschel vom Verkehrsinstitut holt sich Anregungen für die eigenen Schulungen. Der Fahrtentrainer wird von der Versicherungskammer Bayern und dem Bayerischen Innenministerium zur Verfügung gestellt. Erst seit wenigen Jahren können Feuerwehrler damit üben. "Ich halte diese Übung für sehr wichtig", sagt der Vorsitzende des Feuerwehrverbandes Franz Gareis und ist von der Mischung aus Theorie und Praxis begeistert.
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