Coburg
Zivilschutz 

Auch im Krisenfall: Wasser fließt

Coburgs städtische Werke können bei Stromausfall 95 Prozent der Haushalte mit Trinkwasser beliefern.
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Berthold Lendner, Hauptabteilungsleiter für Wasser,(rechts) und Jürgen Kalb, Wassermeister in Cortendorf, inspizieren das Notstromaggregat.  Foto: Christian Dreßel
Berthold Lendner, Hauptabteilungsleiter für Wasser,(rechts) und Jürgen Kalb, Wassermeister in Cortendorf, inspizieren das Notstromaggregat. Foto: Christian Dreßel
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Heftig diskutiert wurde in den letzten Tagen das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung.Darin wird den Bürgern unter anderem zur Eindeckung mit Lebensmitteln für einen möglichen Katastrophenfall geraten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält einen terroristischen Angriff auf die Strom- und Wasserversorgung in Deutschland in Zukunft für möglich. Doch was heißt das konkret für die Bürger in Coburg? Kann die SÜC die Bevölkerung auch im Falle einer Terrorattacke oder eines Cyberangriffs auf die Stromversorgung weiterhin mit dem Lebensmittel Trinkwasser versorgen?


Wasser abhängig vom Strom

"Wasser ist eine sehr sensible Ressource", gibt Berthold Lendner, bei der SÜC hauptverantwortlich für den Bereich Gas und Wasser, zu bedenken. Das Unternehmen versorgt über 60 000 Kunden in Coburg und Umgebung mit Trinkwasser. Lendner weiß um die Angreifbarkeit des Systems, hängt die Wasserversorgung doch vom funktionierenden Strom ab. "Ein Stromausfall in dem der SÜC vorgelagerten Übetragungsnetz könnte sich über mehrere Tage erstrecken", schildert Jürgen Kalb, der für die SÜC als Wassermeister im Wasserwerk Cortendorf tätig ist.
Dies hätte folglich auch Auswirkungen auf die Wasserlieferung. Würde der Stromfluss allerdings in Folge einer terroristischen Attacke oder eines Cyberangriffes abreißen, ist die SÜC vorbereitet.


Stabil auf drei Beinen

"Anders als in großen Teilen der Republik gibt es in Coburg keine Trinkwassernotbrunnen. Diese sind allerdings auch gar nicht nötig, da die SÜC über Notstromaggregate die Wasserversorgung fast ohne Einbußen aufrechterhalten könnte", erläutert Berthold Lendner. "Die Coburger Wasserversorgung steht im Regelfall stabil auf drei Beinen", hält der Hauptabteilungsleiter für Gas und Wasser fest. Dies erklärt sich dadurch, dass das Wasser aus drei Gebieten gewonnen wird: in Mittelberg, Mönchröden und extern von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO).
Wird der Stromfluss unterbrochen, fällt die Wassergewinnung aus Mönchröden weg, dort gibt es kein Notstromaggregat. In Mittelberg dagegen schon. Von dort aus wird im Krisenfall, ebenso wie im Normalbetrieb, das Wasser zum Wasserwerk nach Cortendorf transportiert. Im Anschluss wird es dort aufbereitet und in die hiesigen Hochbehälter Plattenäcker und Nordlehne gepumpt, die die Coburger Innenstadt versorgen.
Von gleicher Stelle aus wird die sogenannte Gustav-Freytag-Zone beliefert, die auch Dörfles-Esbach sowie Lautertal absichert. Zudem besteht am Bismarckturm eine Verbindung zur FWO.
Diese sichert, zusammen mit dem aus Mittelberg eingespeisten Wasser, den Coburger Westens und das Gebiet am Eckardtsberg. Dadurch kann auch das Krankenhaus zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden. Die Kunden der SÜC aus Niederfüllbach, Weidhausen, Grub am Forst und Weitramsdorf werden direkt vom FWO-Netz beliefert. Dies ist ebenfalls über Notstromaggregate abgesichert.


Diesel für die Busse

Die SÜC-Notstromaggregate mit einem Tankvolumen von je 1000 Litern, die durchgängig ungefähr 16 Stunden laufen können, müssen ständig nachgefüllt werden. Dies geschieht mittels einer mobilen Dieseltankstelle. Der Kraftstoff dafür stammt von der betriebseigenen SÜC Bus und Aquaria GmbH. Gegenwärtig besitzt sie einen Tankvorrat zwischen 25 000 und 60 000 Litern. Deshalb könnte die SÜC zusammen mit ihrem FWO-Kontingent annähernd 10  000 Kubikmeter Wasser pro Tag bereitstellen, was fast der durchschnittlichen Tagesabgabe entspricht. Trotz der hohen Versorgungssicherheit, die das Unternehmen gewährleisten kann, rät Berthold Lendner zur Besonnenheit: "Unsere Ressourcen sind auch nicht unerschöpflich, die Verbraucher müssen im Katastrophenfall verantwortungsbewusst mit den Wassermengen umgehen. Auf das Gießen der Gärten oder das panische Horten von Wasser in der Badewanne sollte verzichtet werden."
Dass die SÜC eine derartige Sicherung der Versorgung gewährleisten kann, ist historisch begründet. "Im Laufe der Zeit haben wir Krisenpläne für verschiedene Szenarien entwickelt, von der Bedrohung durch die RAF und die Golfkrise bis hin zu den Gefahren des Kalten Krieges", erinnert sich der Hauptabteilungsleiter für Wasser. Aufgrund dessen hat sich die SÜC auch eine adäquate Strategie für etwaige Ernstfälle zurechtgelegt.


Ortsnahe Zapfsäulen

Daher könnte die SÜC über die Aggregate und ein Blockheizkraftwerk auch ihre Betriebszentrale weiterhin mit Strom versorgen. Von dort aus könnte auch ein möglicher Kristenstab operieren. Insgesamt schätzt Berthold Lendner, dass 95 Prozent der Kunden mit Wasser versorgt werden könnten.
Nur auf Anhöhen sei die Versorgung problematischer, dort würde man aber ortsnahe Zapfstellen zur Wasserversorgung bereitstellen. Entgegen der Aufforderung des Zivilschutzkonzeptes, ist die Eindeckung mit großen Wasservorräten für Coburger eher nebensächlich.
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