Bamberg

Auch die Heilig-Grab-Kirche ist ein Sanierungsfall

Marion Krüger-Hundrup Die Herrenrunde in der Heilig-Grab-Kirche kann diesem Sanierungsfall sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Im Vergleich zu anderen B...
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Die Heilig-Grab-Kirche mit dem Kloster der Dominikanerinnen. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Die Heilig-Grab-Kirche mit dem Kloster der Dominikanerinnen. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Marion Krüger-Hundrup

Die Herrenrunde in der Heilig-Grab-Kirche kann diesem Sanierungsfall sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Im Vergleich zu anderen Bamberger Kirchen ist Heilig-Grab für ihr Alter noch in einem guten Zustand", betonen Architekt Alwin Zenkel und Statiker Udo Keßler. Das stimmt Pfarrer Marcus Wolf und Kirchenpfleger Josef Schirmer nur bedingt froh. Denn die Kirchenstiftung St. Gangolf, die Besitzerin dieses Gotteshauses aus dem 14. Jahrhundert, muss von den anstehenden Baukosten in Höhe von rund 510 000 Euro zehn Prozent aufbringen. Viel Geld angesichts der unumstößlichen Tatsache, dass im nächsten Jahr bis 2018 auch eine Generalsanierung der St.-Gangolfs-Kirche ansteht: "Das wird eine Millionengeschichte", sorgt sich der Kirchenpfleger.
Die Heilig-Grab-Kirche, die von den Dominikanerinnen des zugehörigen Heilig-Grab-Klosters genutzt und gepflegt wird, ist nun seit einigen Tagen eingerüstet. Das Dachwerk dieses Kleinods zwischen Bahnhof und Gärtnerviertel muss dringend saniert werden. Schon von Mai 2012 bis November 2013 hat das Ingenieurbüro Burges + Döhring, zu dem Statiker Keßler gehört, ein Tragwerksgutachten erstellt und die Schäden dokumentiert. Dazu zählen erhebliche Fäulnis an den Holzbalken und Sparren, die "zimmermannsmäßig repariert werden müssen", so Architekt Zenkel. Die Dachbalkenlage wird auch durch das Anbringen einer Dielung stabilisiert sowie die Biberdeckung erneuert. Anschließend soll die Natursteinfassade konservatorisch behandelt werden, "damit kein Wasser mehr eindringen kann".
Das Außengerüst muss auch in den inneren Chorraum wandern: Dort wurden im Oktober 2009 heruntergefallene Putzbrocken entdeckt, die aus dem Bereich der Mauerwerkrisse über den Chorfenstern stammten. Diese Risse in den Fensterscheiteln sind mit bloßem Auge zu erkennen. Sie sollen in den Sommermonaten verpresst werden.
Eine komplette Innenrenovierung ist allerdings nicht geplant. So bleibt die Heilig-Grab-Kirche weiterhin für Gottesdienste und den täglichen Rosenkranz geöffnet. Das freut Pfarrer Wolf besonders. Denn er sieht in diesem Gotteshaus ein "spirituelles Zentrum", in das viele Menschen auch zum stillen Gebet kommen. Nicht zuletzt die Ruhestätte der Dominikanerin Columba Schonath, für die ein Seligsprechungsverfahren läuft, ist ein Magnet für Gläubige.


Besonderheit unterm Dach

Diese Kirche zieht ebenso Denkmalpfleger und Bauforscher an: Hier wurde - erstmals in Bamberg nachgewiesen - 1451-53 ein liegender Dachstuhl über dem Langhaus errichtet. Und zwar parallel zum stehenden Dachstuhl über dem Chor aus den Jahren 1423/24. Für Statiker Keßler ist dieser Konstruktionswechsel während der Bauphase die Besonderheit der Heilig-Grab-Kirche schlechthin: "eine originäre Innovation der Kirchendachwerke überhaupt", bemerkt der Fachmann.
Ein Experte in Sachen Sponsoring ist dagegen der frühere Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann: Der unmittelbare Nachbar der Heilig-Grab-Kirche bezeichnet sich lachend als "Schutzherr und Protektor" des Gotteshauses und der Dominikanerinnen, der so manche Spendenaktion ins Leben gerufen hat. So organisiert Sitzmann einige Benefizkonzerte zwecks Linderung des Eigenanteils für die Sanierung. Bereits am Sonntag, 7. Juni, wird der in Bamberg wohlbekannte Organist Professor Edgar Krapp um 17 Uhr Werke von Johann Sebastian Bach, dessen Lehrern und Schülern spielen. Für September oder Oktober ist ein weiteres Konzert mit Domorganist Markus Willinger geplant. Und am 8. November unterstützt die Dekanatskantorin der evangelischen Stephanskirche, Ingrid Kasper, ebenfalls mit einem Benefizkonzert die Sanierungsarbeiten der Heilig-Grab-Kirche.

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