Bamberg

"Asylsuchende in Deutschland und bei uns"

"Wir werden überrannt!", "Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg!", "Die bekommen alles und für unsere Obdachlosen oder Alleinerziehende gibt es nichts!" In diesem Herbst waren viele...
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"Wir werden überrannt!", "Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg!", "Die bekommen alles und für unsere Obdachlosen oder Alleinerziehende gibt es nichts!" In diesem Herbst waren viele dieser Sätze immer wieder zu hören. Auch in den Kirchengemeinden ist das Thema Flüchtlinge längst angekommen. Deshalb beschäftigte sich auch die Herbstsynode im Evang-Luth. Dekanat Bamberg mit dieser Thematik.
Das Präsidium hatte zwei Referenten eingeladen, die nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch in diesem Bereich engagiert sind. Roland Förstel arbeitet als Ehrenamtlicher der Diakonie Bamberg-Forchheim und unterstützt die dort organisierte Asylsozialberatung. Er berichtete den Synodalen aus den 21 Kirchengemeinden über die Arbeit der Hauptamtlichen und sprach deutlich die Ängste an, mit denen er in der Begegnung mit Einheimischen konfrontiert wird. Sein Plädoyer: "Mit Fakten, Aufklärung und Mut den Vorurteilen den Wind aus den Segeln nehmen und die Sorgen am Stammtisch und im Verein ernst nehmen und ihnen sachlich begegnen".
Dazu lieferte er den Teilnehmern auch konkrete Daten und Informationen unter anderem über die Zeitspannen, die ein Asylverfahren derzeit beansprucht, und betonte, wie wichtig es sei, die Flüchtlinge nicht als bestimmte Gruppe abzustempeln, sondern den einzelnen Menschen in den Blick zu nehmen.
Gemeinsam forschten die Synodalen in einer Gruppenarbeit nach den Sorgen, die ihnen in der Gemeinde und ihrem persönlichen Umfeld begegnen. Sie stellten fest, dass sehr oft ein Gefühl der Hilflosigkeit hinsichtlich der politischen, kommunalen und verwaltungstechnischen Entscheidungen herrscht. Aber es war auch spürbar, dass jedes Engagement im Kleinen wichtig und sinnvoll ist und ermutigt, gemeinsam an einer Gesellschaft zu bauen, in der Flüchtlinge menschlich behandelt werden und alle erfahren, dass ein respektvoller und toleranter Umgang miteinander ein Gewinn ist.


Haltung zeigen gegen Rechts

Dass diesen Gedanken leider nicht jeder teilt, berichtete die zweite Referentin dieser Synode, Marietta Eder, die als Sprecherin des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus die rechte Szene aufmerksam verfolgt. Sie skizzierte die Aktionen der Rechten rund um die Domstadt und die dort entstandene ARE (Ankunfts- und Rückführungseinrichtung) im vergangenen und diesem Jahr nach und wies die Synodalen vor allem auf die Agitation der Rechtsextremisten auf den sozialen Plattformen hin. "Hinschauen und bekannt machen, vernetzen, Haltung zeigen, aufklären, dagegen halten, Demokratie stärken", mit diesen Schlagworten benannte Marietta Eder den Weg, den das Bündnis gegen Rechtsextremismus geht, und bedankte sich bei den Vertretern der Gemeinden und dem Dekan Hans-Martin Lechner für die Unterstützung von evangelischer Seite.
Klassisch ging die Synode mit dem Bericht des Dekans zu Ende, der auch in seinem Part noch einmal auf die Flüchtlinge im Dekanat einging. "Ich nehme in allen Bereichen unserer Kirche eine große Offenheit für die vielen Flüchtlinge wahr, die in ihrer Not zu uns kommen", so Hans-Martin Lechner. red

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