Katschenreuth
Geburtstag 

Asket mit viel Gefühl

Horst Zahr ist der dienstälteste Kommunalpolitiker im Landkreis. Morgen wird er 80, doch ans Aufhören denkt er nicht.
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Horst Zahr bei der Gartenarbeit Foto: Jürgen Valentin
Horst Zahr bei der Gartenarbeit Foto: Jürgen Valentin
Stadtrat-Senior Horst Zahr, der morgen 80. Geburtstag feiert, kennt alle Facetten des kommunalpolitischen Daseins. Vier Bürgermeister und zwei Landräte hat Zahr während seiner nunmehr 55-jährigen kommunalpolitischen Karriere als Gemeinderat von Katschenreuth und Kulmbacher Stadt- und Kreisrat miterlebt.
Obwohl er der mit Abstand dienstälteste Kommunalpolitiker im Landkreis ist, wähnt er sich keineswegs im kommunalpolitischen "Austragsstüberl", sondern zählt zweifellos in Kulmbach zu den bekanntesten CSU-Gesichtern, er ist ein Frontmann, der in seiner Kernregion rund um Katschenreuth omnipräsent scheint.
Daran soll sich so schnell nichts ändern: "Nachdem ich die meisten Ehrenämter abgegeben habe, heißt es jetzt für mich: "Mit 80 Jahren fängt das Leben erst richtig an", verrät Zahr augenzwinkernd.
Auf jeden Fall ist er überall immer noch ein gern gesehener Gast. Dies nicht nur deshalb, weil er ein glänzender Unterhalter ist, sondern weil er authentisch rüberkommt und keiner dieser aalglatten und bequemen Jasager ist. "Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Einsatzfreude und Zielstrebigkeit" - diese Tugenden attestierte ihm einst sein Chef Hermann Wiegel, in dessen Kulmbacher Sanitär- und Heizungsfirma es Horst Zahr vom Lehrling zum kaufmännischen Geschäftsführer gebracht hat.
"Horst Zahr zeichnen sein untrügliches Gespür für das Machbare, seine Führungsqualitäten, seine Hartnäckigkeit bei der Verfolgung eines Zieles und seine Einfühlsamkeit aus. Er war für uns der Betriebspsychologe, Eheberater, Seelentröster sowie Berufsoptimist - und wenn es sein musste, auch Zweckpessimist." Auch dieses Zitat stammt von Hermann Wiegel und charakterisiert den Jubilar treffend.


Hartnäckig und bürgernah

Horst Zahr ist zugleich einer, der Entscheidungen hinterfragt und mitunter ein Quälgeist sein kann. "Spätestens nach drei, vier Tagen bekommt ein Bürger von mir Antwort, wenn er ein Anliegen hat", nennt der vierfache Familienvater einen Grund seiner Hartnäckigkeit.
Was viele nicht wissen: Zu Beginn seiner kommunalpolitischen Karriere wurde Zahr von der SPD als Katschenreuther Ortssprecher vorgeschlagen und auf Anhieb gewählt. Nach der Eingemeindung zog er als parteiloser Kandidat in den Kulmbacher Stadtrat ein, ehe er vom späteren Landrat Herbert Hoffmann ("Mein politischer Ziehvater") unter die Fittiche genommen und in der CSU auch als Kreisrat aufgestellt wurde.
Vor der Eingemeindung hatte der gewiefte Taktiker übrigens noch mit den Stadtoberen ausgehandelt, dass Kulmbach quasi als Ablösesumme die Schulden der einst selbstständigen Gemeinde Katschenreuth übernimmt. Diese Schulden waren größtenteils Erschließungskosten für Neubaugebiete, die insbesondere auf sein Betreiben ausgewiesen wurden.
Zahr ist es zudem zu verdanken, dass der VfR, den er über 24 Jahre als Vorsitzender und 40 Jahre als Schatzmeister gestaltete, heute über eine glänzende Infrastruktur verfügt: Der Bau des Sportheims, der Sportplätze und der Tennisanlage wurden während der Ära Zahr realisiert. Und auch die Kirchengemeinde Melkendorf profitierte beim Bau des Gemeindehauses, der Renovierung der Ägidiuskirche, der Neugestaltung des Friedhofes, der Ausrichtung der 1000-Jahr-Feier und der Neuanschaffung der Orgel von der Weitsichtigkeit, dem Verhandlungsgeschick, dem Organisationstalent und den guten Kontakten eines Horst Zahr, der über drei Jahrzehnte als Vorsitzender der Kirchengemeinde und mehrere Jahre als Vertrauensmann fungierte.


Viele Ehrenämter

Dass Zahr im Laufe der Jahrzehnte viele Ehrenämter erfolgreich ausüben konnte und trotz des fast täglichen Stresses in Beruf und Ehrenamt immer noch körperlich und geistig topfit ist, ist auf seine eiserne Disziplin und asketische Lebensweise zurückzuführen. "Geist und Körper müssen eins sein. Wenn der Körper mit Alkohol, Zigaretten und fetten Braten verhackstückt wird und auf der faulen Haut liegt, kann er nicht als Energieträger für den Geist funktionieren." Das ist einer seiner Grundsätze, die sich in seinem Essensplan und in seinem Tagesablauf widerspiegeln: Täglich (auch am Wochenende) steht er um 5.30 Uhr auf. Nach dem Frühstück werden am Vormittag Büroarbeiten und Telefonate erledigt, ehe er sich einen Mittagsschlaf gönnt, um fit für die körperlichen Arbeiten zu sein, die er am Nachmittag vor allem in seinem "Jungbrunnen" in Katschenreuth-Grünbaum verrichtet.
Hier hat er vor Jahren einen alten Bauernhof gekauft, den er in mühevoller Kleinarbeit zu einem Schmuckstück mit einem großen Garten hergerichtet hat. Dass bei einem derartigen Pensum zwangsläufig das Familienleben leidet, weiß Zahr, der deshalb auch seiner Ehefrau Helga sehr dankbar ist, die ihm stets den Rücken freigehalten hat.

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