Bamberg

Antrieb und Mut für das sinnvolle Wagnis, das sich da Leben nennt

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Heinrich Beck
Heinrich Beck

von unserem Mitarbeiter Manuel Stark

Bamberg — Die Uhr zeigt kurz nach 18.30, als der grauhaarige Mann am Rednerpult mit ruhiger Stimme zu sprechen beginnt. Er erzählt von verschiedenen Erlebnissen seiner Vergangenheit, die als Episoden ein großes Ganzes formen - sein Leben.
Heinrich Beck war von 1979 bis 1997 Inhaber des Lehrstuhls der Philosophie I an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Vor kurzem kehrte er auf Einladung der Fränkischen Gesellschaft für Philosophie als Koryphäe mit Weltruhm in seine Stadt in Oberfranken zurück.

Zahlreiche Auszeichnungen

Sechs Honorarprofessuren wurden ihm auf seinen Reisen durch Amerika, Afrika und Europa verliehen, er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und einer der kaum vorhandenen ausländischen Mitglieder in der Königlichen Akademie der Wissenschaft Spaniens.
"Früher wollte ich gedankliche Horizonte aufreißen. Doch je älter ich werde, desto wichtiger wird mir, dass man sich bei mir geborgen fühlt", sagt der 86-jährige Philosoph. Geborgenheit sei es auch, die ihn immer weiter Antrieb und Mut gegeben habe, dieses "sinnvolle Wagnis, das sich da Leben nennt", jeden Tag aufs neue zu bestreiten.
Nach Bamberg ist er gekommen, um über eben dieses Wagnis zu sprechen. Mithilfe seiner Autobiographie "Episoden und das Ganze". In ihr erzählt er von Streitgesprächen mit Anhängern des Spartacusbundes, die ihm zu seiner Zeit als Bamberger Professor vorwarfen, seine "Stellung als intellektuelle Elite" nur nicht verlieren zu wollen und deshalb fadenscheinige Thesen vertrete. Anstatt aggressiv oder empört zu reagieren, lud er sie zur Diskussion ein und schaffte es so, dass eben diese Studenten nur ein Jahr später mit seinen eigenen Thesen gegen ihre früheren Anhänger des Bundes argumentierten.

Herausforderungen

Aber auch im Ausland sah sich Beck häufig mit großen Herausforderungen konfrontiert. In Afrika galt er als Europäer und somit als Vertreter des "bösen Kolonialismus" und der aggressiven Unterdrückung der afrikanischen Kultur. "Ich fühlte mich in dieser Situation so unwohl, dass ich den Saal am liebsten verlassen hätte", erzählt Heinrich Beck heute.
Doch er blieb. Versuchte sich in die anderen Menschen hineinzuversetzen und seine Sicht der Dinge geistig wie emotional zu verstehen. Dann gab er seinem Kollegen in einigen Punkten recht, bestand aber auch darauf, einige positive Auswirkungen des europäischen Kolonialismus für Afrika zu nennen.

Hitziger Disput

So entwickelte sich ein hitziger Disput, in den auch die afrikanischen Studenten eingebunden waren und an dessen Ende man sich "voll gegenseitigen Respekts und gegenseitiger Zuneigung" voneinander verabschiedete, erinnert sich Beck. Dies sei ein mustergültiges Beispiel für seine Lebenseinstellung: Um zu reifen und wahrhaft zu leben, müsse man sich in seinen Gegenüber hineinversetzen und versuchen, ihn zu verstehen, auch wenn man sich zunächst unfair behandelt fühle.
"Mindestens so wichtig wie die Klarheit und Logik der Gedanken ist die Größe des menschlichen Auftretens. Zuerst gilt es, den Blick auf das Positive und Richtige zu lenken, dann erst ist Platz für Kritik."
Auch schwierige Situationen, denen man sich nicht gewachsen oder ausgeliefert fühlt, lassen sich mit Becks durchweg positiver Einstellung überwinden. Beck ist ein Optimist, dessen eigene Erfahrungen für sich sprechen.
"Wenn man die gegebenen Fakten akzeptiert und sich nicht von Angst, Wut oder Schwäche beherrschen lässt, sondern aus sich heraustritt und darauf vertraut, die Aufgabe anzugehen, dann können sich die Dinge fügen und zu einer ungeahnt positiven Wirkung führen."
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