Coburg

Angst essen Glück auf

Kino-Tipp  Mit seinem Film "Höhere Gewalt" wirft Regisseur Ruben Östlund einen entlarvenden Blick hinter die Kulissen eines vermeintlichen Familien-Idylls. Der Streifen ist in der Reihe "VHS-Film der Woche" in Coburg zu sehen.
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"Höhere Gewalt": Ein dramatischer Moment beim Skiurlaub in den französischen Alpen verändert das Leben einer ganzen Familie nachhaltig. Der Streifen von Regisseur Ruben Östland ist am Dienstag und Mittwoch als VHS-Film der Woche in Coburg zu sehen. Foto: Verleih/Alamode Film
"Höhere Gewalt": Ein dramatischer Moment beim Skiurlaub in den französischen Alpen verändert das Leben einer ganzen Familie nachhaltig. Der Streifen von Regisseur Ruben Östland ist am Dienstag und Mittwoch als VHS-Film der Woche in Coburg zu sehen. Foto: Verleih/Alamode Film
Coburg — Ein Skigebiet in den französischen Alpen. "Eins, zwei, eins, zwei. Lächeln! Sehr gut." Eine junge schwedische Familie posiert im Schnee für den Fotografen: Tomas, der Vater, Ebba, die Mutter, Vera, die Tochter und Harry, der kleine Sohn. "Wir sind hierhergekommen, weil Tomas zu viel arbeitet. Die fünf Tage gehören ganz der Familie." erklärt Ebba der schwedischen Touristin, die sie gerade in der Hotellobby kennengelernt hat.

Vor Angst weggerannt

Doch dann passiert es: Am zweiten Tag gönnt sich die Familie ein Essen auf der Restaurantterrasse mit dem großartigen Alpenpanorama. Plötzlich hört man eine Explosion in den Bergen. Eine Lawine rast ins Tal: "Ist das sicher?", fragt Ebba. "Ja, die wissen genau, was sie tun", antwortet ihr Mann. Aber dann kommen die Schneemassen immer schneller auf die Terrasse zu. Die Kinder schreien nach ihrem Vater, Ebba beugt sich schützend über sie, während um sie herum die Gäste panisch die Flucht ergreifen. Tomas vorneweg. An seine Skihandschuhe und sein Smartphone hat er noch gedacht, doch dann sucht er ohne seine Familie das Weite.
Der aufgewirbelte Schnee sinkt langsam und es wird deutlich, dass die Lawine kurz vor der Terrasse stehen geblieben ist. Als Tomas zurück an den Tisch kommt, herrscht betretenes Schweigen. Er versucht die Situation zu überspielen und so zu tun als sei nichts gewesen. Zurück im Hotel wollen sich Ebba und Tomas auf dem Flur abseits von ihren Kindern aussprechen, finden aber keine Worte.
Am Abend trinken sie mit einem anderen Paar ein Glas Wein und Tomas erzählt von ihrem Erlebnis mit der Lawine. Ebba kichert verkrampft und ergänzt: "Er ist vor Angst vom Tisch weggerannt."

Mit trockenem Humor

Tomas streitet es ab; in dem Punkt hätten die beiden eine ganz unterschiedliche Sicht der Dinge. Hinter seinem aufgesetzten Lachen wird merklich die Anspannung deutlich. Keiner weiß, wie er mit Ebbas Offenbarung umgehen soll, Fremdscham und Verlegenheit machen sich breit. Die Kinder streiken, die Ehe kriselt und Tomas muss schwer mit seiner mangelnden Courage und seiner angeschlagenen Männlichkeit kämpfen.
Der im vergangenen Jahr auf dem Filmfest in Cannes gefeierte Streifen "Höhere Gewalt" durchleuchtet konsequent und unbestechlich die Rollenbilder der modernen Familie. Dabei schafft es Regisseur Ruben Östlund immer wieder, mit trockenem nordischen Humor die Dramatik aufzubrechen und eine bissige Komödie zu inszenieren.
"Höhere Gewalt" changiert zwischen einem subtilen, spannenden Familiendrama und einer schwarz-satirischen Komödie mit messerscharf beobachteter Alltagspsychologie und einer ganz eigenen bizarren Situationskomik.
Der Film erzählt, wie schnell eine Familienidylle unter einer Lawine aus Vorwürfen und Versagensängsten begraben werden kann. Dabei beschreibt Regisseur Ruben Östlund mit einer guten Portion trockenem Humor, wie schwer die Protagonisten den gesellschaftlich festgelegten Rollenbildern und ihren eigenen Erwartungen aneinander entfliehen können.
Kritiker und Publikum feierten "Höhere Gewalt" auf dem Filmfestival in Cannes und der Film gewann den Jurypreis in der Reihe "Un Certain Regard". Mit digitaler Kamera und anschließender Bearbeitung am Computer hat Östlund zu einer ganz eigenen Bildsprache gefunden, die in den letzten Jahren viele andere skandinavische Regisseure beeinflusst hat. S.G.

"Höhere Gewalt" ist am Dienstag und Mittwoch (20.15 Uhr) als "VHS-Film der Woche im Coburger Utopolis zu sehen. - Laufzeit: 120 Minuten
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