Forchheim
Asyl 

Am Ende eine tiefe Enttäuschung

Eine Familie aus Igensdorf wollte helfen und stellte ihr Haus für Flüchtlinge zur Verfügung. "Mit unserer Erfahrung würden wir das nie mehr machen", klagt das Ehepaar, das von den Ereignissen überrollt wurde.
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Den Flüchtlingen eine Unterkunft geben, das war das Ziel der Familie Winkel aus Igensdorf.  Foto: dpa
Den Flüchtlingen eine Unterkunft geben, das war das Ziel der Familie Winkel aus Igensdorf. Foto: dpa
Josef Hofbauer

Bilder von Flüchtlingen mit hungernden, frierenden Kindern bewogen die Familie Winkel dazu, ihr Haus Am Katzenberg in Igensdorf dem Landratsamt Forchheim für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. "Wir sind da mit viel Enthusiasmus gestartet", erzählt Brigitte Winkel, doch am Ende stand "eine riesige Enttäuschung". "Wir würden das nie wieder machen", unterstreicht Andreas Winkel.
Bereits die Belegung des Hauses lief nicht wie geplant. "16 Flüchtlinge aus aller Herren Länder, unter anderem dem Iran, dem Irak und Syrien schienen uns sehr viel", schildert die Familie, doch das habe seine Ordnung versicherte man ihnen seitens des Landratsamtes. Das Ehepaar Winkel unterzeichnete einen Hausmeistervertrag, in dem sich die Familie verpflichtete, in der Unterkunft nach dem Rechten zu sehen.


Hausordnung kaum durchsetzbar

Um die Sprachbarrieren zu überwinden, habe ich Bilder und Plakate gemalt, habe mich nahezu jeden Abend mit ihnen zusammengesetzt, um ihnen Deutsch beizubringen, schildert Brigitte Winkel. Obwohl die Nachbarn die Flüchtlingsunterkunft mit Argwohn gesehen hätten, fanden sich im Handumdrehen 20 freiwillige Helfer in dem Haus ein. Das Ergebnis: Es wurde unheimlich laut, es entstand ein totales Chaos, schildert das Ehepaar.
"Als wir drum gebeten haben, Rücksicht auf andere zu nehmen, kippte die Stimmung", berichtet Andreas Winkel. Die Helfer sahen das offenbar als Bevormundung an. Eine Hausordnung durchzusetzen sei so gut wie unmöglich gewesen. Die Heizung war voll aufgedreht und die Fenster standen offen, ständig brannte das Licht, die Mülltrennung klappte überhaupt nicht und ständig ging etwas kaputt", klagt der Vermieter. Das bestätigt ein Forchheimer, der für die Flüchtlinge das Haus komplett renoviert hatte. Kostenpunkt: 100 000 Euro. "Jetzt, nach anderthalb Jahren ist alles heruntergewirtschaftet", beginnt er sein Klagelied. Der W-Lan-Router werde ständig geklaut, ebenso wie die Feuermelder. "Der Neubert ist schon zweimal da gewesen, um Einrichtungsgegenstände zu erneuern."


Komplettsanierung wird fällig

Der Bodenbelag ist hinüber und zehn Badezimmer-Armaturen wurden abgebrochen. Vom Badezimmer im Obergeschoss dringt Feuchtigkeit in die Decke, weil niemand das Wasser aufwischt", bilanziert der Vermieter. "Wenn das alles vorbei ist, brauche ich nochmals 60 bis 70 000 Euro, um das Haus wieder herzurichten", schätzt der Hausbesitzer, der vielen seiner Bewohner den Willen zur Integration abspricht.


Fehlenden Respekt beklagt

Nicht unschuldig daran seien die freiwilligen Helfer. "Die setzen den Flüchtlingen einen Floh ins Ohr, erklären ihnen ihre Rechte, vergessen aber darauf hinzuweisen, dass es auch Pflichten gibt", bedauert der Vermieter. Er findet: "Der Respekt vor fremdem Eigentum ist gleich null. Geschenkte Fahrräder sind plötzlich verschwunden, Staubsauger sind auf einmal nicht mehr da. Die neuen Matratzen sind versifft", jammert der Vermieter.
Trotz des Angebotes, den Flüchtlingen die Sprache beizubringen, könnten viele nur den Satz: "Wie geht es dir, mir geht es gut."
Helfer in Igensdorf, so behauptet Familie Winkler, seien nicht ganz unschuldig daran, dass es in dem Haus Am Katzenberg zu einer Katastrophe kam. Ein 28-jähriger Iraker versuchte sich im Untergeschoss des Hauses die Pulsadern aufzuschneiden und hielt dabei seine kleine Tochter als Geisel. "Das Kind war sein ein und alles", schildert Brigitte Winkel. Deshalb habe er panische Angst gehabt, dass ihm jemand das Kind wegnehmen könnte. Diese Ängste wurden verstärkt, als sich eine Helferin von morgens bis abends nur um dieses Kind gekümmert habe. Das kam bei dem Mann völlig falsch an, ist die Hausbesitzerin überzeugt.
Sie schildert: "Wollten wir unseren Hausmeister-Pflichten nachkommen, erhielten wir Anzeigen wegen Hausfriedensbruch. Ich habe deshalb das Gebäude nur in Begleitung eines Security-Mitarbeiters betreten, den ich selbst bezahlt habe. Schlägereien und Anzeigen wegen Ruhestörung waren an der Tagesordnung. Die Polizei ging hier ein und aus."


Problem Sozialneid

Andreas und Brigitte Winkel kritisieren, dass es für die Flüchtlingskinder keinerlei Verbote gebe, dass die Flüchtlinge mit Geschenken überhäuft worden seien, und dass es bei einem Fehlverhalten keinerlei Konsequenzen gegeben habe. "Im Ort sind wir jetzt die Bösen, die sich an Flüchtlingen eine goldene Nase verdienen wollten", klagen sie. Ihr Fazit: "Hätten wir gewusst, was auf uns zukommt, hätten wir das Haus nie und nimmer für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt."

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