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Ebern
Integration 

Alles gut gebacken gekriegt

Michael Reinhardt hat's trotz Behinderung geschafft. In einer Bäckerei hat der Eberner einen Ausbildungsplatz gefunden. Er berichtet nun über seinen steinigen Weg durchs Leben.
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In der Bäckerei hat Michael Reinhardt seinen Wunsch-Arbeitsplatz gefunden. Er genießt den Kontakt zu den Kunden und versteht sich prima mit den Kollegen. Foto: privat
In der Bäckerei hat Michael Reinhardt seinen Wunsch-Arbeitsplatz gefunden. Er genießt den Kontakt zu den Kunden und versteht sich prima mit den Kollegen. Foto: privat
Durch Beharrlichkeit und Fleiß hat sich der 30-Jährige seinen größten Wunsch erfüllt: Er macht eine Ausbildung in einer Bamberger Bäckerei. In der Filiale der Bäckerei Burkard in Bamberg gehört Michael Reinhardt fest zum Team. "Was darf´s denn sein?", fragt er die Kundin und packt Muffins, Donuts und Streuselkuchen in eine Tüte. Vor eineinhalb Jahren hat der 30-Jährige die Ausbildung zum Bäckereifachverkäufer begonnen und sich damit seinen größten Wunsch erfüllt. Michael Reinhardt hat einen Klumpfuß. Bei der Ausbildungssuche musste er viele Hindernisse überwinden, Rückschläge einstecken und vor allem einiges an Überzeugungsarbeit leisten.


Zunächst an der Werkbank

Seit seinem Sonderschulabschluss im Sommer 2004 sind mittlerweile fast 13 Jahre vergangen. Nach dem Abschluss zog Michael Reinhardt von seinem Heimatort in Unterfranken ins fast 200 Kilometer entfernte Polsingen, um in einer Werkstatt für angepasste Arbeit zu arbeiten. In der dortigen Schreinerei bekam er schnell mehr Verantwortung übertragen. Auch ein Außenarbeitsplatz in einer Bäckerei wurde ihm angeboten. "Die Mitarbeiter der Werkstatt merkten einfach, dass ich fit bin", sagt Michael Reinhardt. Über sechs Jahre arbeitete er in der Werkstatt, bis er irgendwann merkte, dass er mehr will. "Mir wurde klar, dass ich es auch auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen kann. Ich wollte auch wieder zurück in meine Heimat, um näher bei meiner Familie zu leben", sagt Reinhardt. Deswegen zog er 2011 zurück in die Haßberge.
In Ebern fand der 30-Jährige eine eigene Wohnung. Beim Umzug unterstützte ihn Timo Streng, Leiter des Ambulant unterstützten Wohnens (AUW) der Rummelsberger Diakonie in Haßfurt. "Er und die anderen Mitarbeiter brachten mir Dinge im Haushalt bei, gingen mit mir Einkaufen, weil ich noch keinen Führerschein hatte, und halfen mir bei der Stellensuche", erinnert sich Reinhardt.
Über verschiedene Personaldienstleister arbeitete er zunächst als Umbauhelfer, Bäckereigehilfe und im Servicebereich. 2012 fand er eine feste Stelle als Servicekraft bei einer Fast-Food-Kette.


Positives Feedback

Egal wo Michael Reinhardt in dieser Zeit arbeitete, überall bekam er wegen seiner verantwortungsvollen und zuverlässigen Arbeitsweise positives Feedback. Er merkte aber auch, dass es ohne Ausbildung schwer ist, dauerhaft einen sicheren Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Deshalb begann er 2014, sich eine Ausbildungsstelle als Bäckereifachverkäufer zu suchen. "Ich wollte Kundenkontakt und im Verkauf arbeiten - das war von Anfang an klar."
"Schwierig, schleppend und nervenaufreibend", beschreibt Michael Reinhardt die Ausbildungssuche. Während der Bewerbungszeit musste er einige Rückschläge einstecken. "Ich bekam viele Absagen und war manchmal echt frustriert, aber ich habe immer weiter gekämpft." Irgendwann hat es dann geklappt.
Im Herbst 2015 fing er in einer Filiale der Bäckerei Burkard in Bamberg die Lehre zum Bäckereifachverkäufer an. "Ich habe mich so gefreut, als ich den Ausbildungsvertrag unterschrieben habe", sagt Reinhardt. Routiniert und verantwortungsbewusst erledigt er inzwischen seine Aufgaben - fast so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Auch mit seinen Kollegen versteht er sich prima und seine Vorgesetzten sind mehr als zufrieden mit seiner Arbeit.


Unabhängig dank Führerschein

"Ohne das AUW wäre es sehr schwierig gewesen", sagt Michael Reinhardt. Am Anfang seiner Lehrzeit hatte der 30-Jährige noch keinen Führerschein und auch die Zugverbindung von seinem Wohnort in Ebern zu seiner Ausbildungsstelle in Bamberg war schlecht. "Mitarbeiter der Rummelsberger Diakonie übernahmen deswegen sogar gelegentlich Fahrten zu meiner Arbeit oder holten mich dort ab. Sie organisierten auch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der die Fahrten übernahm."
Im Sommer 2016 machte Michael Reinhardt seinen Führerschein. Endlich war er unabhängig und konnte selbstständig die Autofahrten organisieren. Seitdem ist er kaum mehr auf Unterstützung angewiesen. "Nur beim Berichtsheft-Schreiben für die Ausbildung brauche ich noch Unterstützung durch das AUW, weil ich mit der Rechtschreibung noch Schwierigkeiten habe", sagt Michael Reinhardt.


Hilfe im Hintergrund

Bis zum Ausbildungsende möchte er die Unterstützung durch die Mitarbeiter der Rummelsberger Diakonie aber auf jeden Fall noch behalten. "Es ist gut, jemanden im Hintergrund zu haben, wenn es doch mal schwierig wird."
Und wie geht es weiter? "Erstmal die Ausbildung fertig machen und dann vielleicht eine Familie gründen." Michael Reinhardt hat es geschafft. Durch viel Einsatz, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen hat er sich seinen größten Wunsch erfüllt. Seine Behinderung war ihm dabei nie ein Hindernis - höchstens eine Herausforderung.

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