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Medizinische Versorgung  

Ärztemangel soll ein Ende haben

In Burgebrach bildet eine Landarztpraxis Jungärzte aus. Das Projekt wird vom Bayerischen Hausärzteverband und der Techniker Krankenkasse unterstützt.
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Berufswunsch Hausarzt: Martin Burger arbeitet derzeit als Famulant in Burgebrach  Foto: p
Berufswunsch Hausarzt: Martin Burger arbeitet derzeit als Famulant in Burgebrach Foto: p
Martin Burger (27) kommt aus der Region Steigerwald, studiert Medizin im Saarland - und kam jetzt zur Famulatur zurück in seine Heimatregion. Famulatur nennt man das viermonatige Pflichtpraktikum bei Ärzten.
Von der Praxis der Hausärzte am Eichelberg in Burgebrach ist er ganz begeistert. Er will seine Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten erweitern und sieht seine Anforderungen voll und ganz erfüllt: Die Praxis kann diverse Möglichkeiten der hausärztlichen Betreuung anbieten.
Die Räumlichkeiten sind modern, groß und ausgestattet mit Labor, Funktionsräumen, Lungenfunktionmessung, EKG, Ultraschall etc. Daneben wird auch noch Komplementär- und Alternativmedizin angeboten, vom Schröpfen bis zur Akupunktur. Und - last but not least - legt Martin Burger Wert darauf, in einer Lehrpraxis zu famulieren. Die Hausärzte am Eichelberg sind seit Oktober 2015 Lehrpraxis für die medizinische Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Damit sind auch die Effektivität und Fürsorge so sichergestellt wie das "Teaching" und das "learning by doing".
Sein Medizinstudium finanziert Martin Burger selbst: durch Begleitfahrten des diensthabenden Notarztes und Dienst auf dem Rettungswagen, denn er ist bereits gelernter Rettungsassistent. Die Tage sind auf diese Weise ziemlich lang, aber die Arbeit macht ihm Spaß und bringt viel Erfahrung.


Die vernetzte Praxis

Das rollierende System der Famulatur in der Praxis gefällt Martin Burger ebenfalls gut. Jeder Arzt nimmt sich für ihn Zeit, erklärt Sachverhalte und bringt ihm theoretisch und praktisch Neues bei. Sein erworbenes Wissen darf er so weit wie möglich selbstständig anwenden. Das Fazit von Martin Burger: genau die richtige Praxis.
Die von Matthias Dreyer, Jörg Kerling und Dirk Rohde geleitete Praxis arbeitet innerhalb einer Facharzt-Gemeinschaft nicht nur als Partner mit der Steigerwaldklinik Burgebrach zusammen, sondern auch eng mit dem Facharztzentrum im gleichen Hause.
Zur Sicherung der ärztlichen Versorgung in der Fläche sind sektorenübergreifend rund 350 niedergelassene Ärzte beteiligt. Es wird ein Sicherstellungskonzept für den Landkreis erarbeitet. Dabei ist auch die Lokal- und Regionalpolitik eingebunden.
Die Steigerwaldklinik Burgebrach verfügt über etwa 120 Betten, behandelt jährlich rund 5200 Patienten stationär und weitere 6000 Patienten ambulant. Gemeinsame Qualitätszirkel von niedergelassenen und Klinikmedizinern sind Standard. Ärztekonsile sind bei schwierigen Fällen auch einmal auf die Schnelle möglich. Röntgen- und andere Geräte, Labore etc. werden von Praxen und Krankenhaus gemeinsam genutzt. So sind für die Patienten kurze Wartezeiten ebenso gewährleistet wie schnelle Weiterbehandlungen.


Vom Famulant zum Facharzt

Das findet nicht nur Martin Burger hervorragend. Ein älterer Famulant der Praxis am Eichelberg macht derzeit seine Facharztausbildung in der Steigerwaldklinik. Und die jetzige Weiterbildungsassistentin wird nach Abschluss ihrer Facharzt-ausbildung in die Praxis eintreten. Das Motto der Hausarztpraxis könnte also durchaus lauten: Als Famulant kommen, als Facharzt gehen. Das Interesse von Martin Burger an der Allgemeinmedizin ist jedenfalls geweckt.
Grund für fehlende Ärzte aus Sicht von Dreyer ist die immer geringere Arbeitszeit pro Kopf, die noch weiter sinken wird, je mehr junge Ärztinnen sich niederlassen. Eigene Bedürfnisse wie Familie und Work-Life-Balance spielen dabei eine große Rolle. Gleichzeitig heißt es, nicht nur auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen, sondern auch auf deren Wünsche. Angebote wie eine Praxis-Dependance oder ein Fahrdienst zur Arztpraxis wurden von der Bevölkerung nicht angenommen. Die Patienten wollen nicht nur einen Arzt vor Ort, sondern die Facharztvielfalt.
Und sie wollen flexibel sein. Deshalb fahren sie entweder selbst oder lassen sich durch Angehörige oder Nachbarn fahren und verbinden dies oft mit weiteren Aktivitäten wie zum Beispiel Einkaufen.
In Zukunft ist nach Überzeugung von Dreyer ein niedergelassener Arzt in jedem Ort nicht mehr realistisch. Es wird eine Zentralisierung hin zu größeren Praxen erfolgen, wie in der Hausärztepraxis am Eichelberg bereits geschehen.


Diagnose per Handy

Telematische Konsultationen erfolgen bei leichteren Problemen auf ganz einfachem Weg: Fotos von Wunden oder Ähnlichem werden per Handyfoto an den behandelnden Arzt gesandt, der sofort entscheiden kann, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Die Übermittlung der dazugehörigen Patientendaten ist dabei unnötig. tkk/red


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