Haßfurt

900 Euro Strafe für Unfallflucht

Ein 24-Jähriger musste sich am Haßfurter Amtsgericht verantworten. Er hatte betrunken eine Gartenmauer angefahren. Weil der Fahrerflucht beging, hatte die Sache ernste Konsequenzen für ihn. Der Rechtsanwalt zahlte sich aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gleich in seiner ersten Einlassung pochte Rechtsanwalt Jochen Kaller darauf, dass die polizeilichen Angaben gerichtlich nicht verwertet werden dürften - weil der Beschuldigte zu spät über seine Recht belehrt worden sei. Erst durch eine aufwändige Beweisaufnahme mit sechs Zeugen konnte das Gericht zweifelsfrei feststellen, dass der 24-jährige Elektroniker selber am Steuer saß und mitten in der Nacht den Betonpfosten einer Gartenmauer umgenietet hatte. Deswegen erhielt der junge Mann wegen Fahrerflucht eine rechtskräftige 900-Euro-Geldstrafe. Die mögliche Alkoholisierung bei dieser Fahrt blieb außen vor.
"Bei Beginn der ersten Vernehmung ist dem Beschuldigten zu eröffnen, welche Tat ihm zu Last gelegt wird ... Er ist darauf hinzuweisen, dass es ihm ... freistehe, sich zu ... äußern oder nicht zur Sache auszusagen und jederzeit ... einen ... Verteidiger zu befragen" - so fordert es der einschlägige Gesetzestext. Dagegen, betonte Anwalt Kaller, sei im vorliegenden Fall verstoßen worden. Von daher dürfe das, was von den Polizeibeamten protokolliert wurde, nicht vor Gericht verwertet werden, lautete seine Forderung. Weil zudem nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der Beschuldigte erst nach der Unfallflucht Zuhause einen "Nachtrunk" konsumiert hatte, fiel die Anklage wegen der Trunkenheitsfahrt unter den Tisch.
Das Malheur mit der Gartenmauer ereignete sich am 30. Dezember 2017 nachts um etwa ein Uhr. Am Vorabend hatte in einem kleinen Dorf im nördlichen Bereich der Haßberge ein 19-Jähriger zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen, die im örtlichen Jugendraum stattfand. Einer der Gäste war der nun Angeklagte.


Mehr als zwei Bier?

Im Zeugenstand wurden etliche der anderen Jugendlichen befragt, die bei der Party dabei waren. Keiner von ihnen konnte mit Sicherheit sagen, dass der Beschuldigte mehr als zwei Bier getrunken hatte.
Kurze Zeit, nachdem er sich mit seiner Freundin vom Acker machte, sahen etliche Zeugen, wie dieser mit seinem grünen BMW mit quietschenden Reifen ein paar Runden auf dem Dorfplatz drehte. Da es in dieser Nacht zu schneien angefangen hatte, war die Dorfstraße ziemlich glatt. Und so wurde ihm sein Übermut zur Verhängnis. Die hintere linke Seite des Fahrzeugs prallte mit einem lauten Knall gegen den Betonpfosten eines Gartenzaunes.


Eltern holen die Polizei

Der Zaun gehörte ausgerechnet den Eltern des Jugendlichen, der seinen Geburtstag gefeiert hatte. Nachdem das Geburtstagskind kurz vor zwei Uhr an der Schlafzimmertür der Eltern geklopft und das Unglück gebeichtet hatte, verständigten diese die Polizei.
Eine Streife fuhr daraufhin zur Wohnung des "Pfosten-Killers". Nach langem Klingeln öffnete dieser und behauptete anschließend, dass seine Freundin den Wagen gesteuert hätte. Doch der weit nach hinten geschobene Fahrersitz widerlegte dieses Lügenmärchen. Der nicht vorbestrafte Fahrer hatte im März dieses Jahres einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft erhalten. Der Inhalt: Eine Geldstrafe von 2100 Euro sowie zehn Monate Sperrfrist für die Wiedererteilung seiner Fahrerlaubnis. Da er dagegen Einspruch einlegte, kam es zu der öffentlichen Verhandlung.
Ilker Özalp seitens der Anklagebehörde forderte in seinem Plädoyer eine Geldstrafe von 1200 Euro. Der Richterspruch von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro lag nur wenig darunter.


Teurer Denkzettel

Da die Beamten seinerzeit den Führerschein mitgenommen hatten, war das nun zusätzlich verhängte Fahrverbot von zwei Monaten quasi "übererfüllt" und der Verurteilte erhielt seinen "Lappen" stante pede zurück. Trotz der reduzierten Strafe wird es für den jungen Mann ein teurer Denkzettel, denn er muss neben seinen Anwalts- und Gerichtskosten auch die Reparaturkosten seines BMW tragen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren