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Haßfurt

800 Behelfsmasken am Tag

Freiwillige nähen in Haßfurt Schutzteile gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus. Wer kann mithelfen?
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Engagiertes Team: Statt zu unterrichten produzieren die Fachlehrerinnen für den Landkreis Haßberge Behelfsmasken. Seit rund einer Woche sitzen die Lehrerinnen fleißig an der Nähmaschine, um Behelfsmasken aus Vlies herzustellen. Durchschnittlich werden am Tag rund 800 Behelfsmasken genäht.  Foto: Eva Parissi
Engagiertes Team: Statt zu unterrichten produzieren die Fachlehrerinnen für den Landkreis Haßberge Behelfsmasken. Seit rund einer Woche sitzen die Lehrerinnen fleißig an der Nähmaschine, um Behelfsmasken aus Vlies herzustellen. Durchschnittlich werden am Tag rund 800 Behelfsmasken genäht. Foto: Eva Parissi

In Zeiten der Coronakrise sind Nähkenntnisse sehr gefragt: Seit rund einer Woche fertigen Fachlehrkräfte aus dem Landkreis Haßberge an der Mittelschule in Haßfurt sogenannte Behelfsmasken. Der Begriff "Mund-Nasen-Schutz" ist geschützt und ein Hinweis auf ein Medizinprodukt, der Begriff darf so nicht verwendet werden.

"Die ursprüngliche Idee war, für die Patienten der Haßberg-Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren Behelfsmasken herzustellen, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen", berichtet Wilfried Neubauer, Vorstand der Haßberg-Kliniken. Rechtzeitig haben deswegen die Haßberg-Kliniken den speziellen Vliesstoff gekauft und mit der Produktion begonnen. Die ersten Näherinnen waren Mitarbeiterinnen aus dem Medizinischen Versorgungszentrum, und zwar die Fachrichtungen Radiologie und Orthopädie/Chirurgie, wie das Landratsamt schildert.

Hoher Bedarf

Nachdem mittlerweile ein hoher Bedarf an Behelfsmasken auch für die Katastrophenschutzeinheiten wie THW, BRK, Feuerwehr, Gesundheitsamt vorliegt, wurde die Produktion erweitert, um höhere Stückzahlen anfertigen zu können. "Wir haben das Team nach und nach durch Lehrerinnen der Grund- und Mittelschulen ergänzen können, die sofort die Idee unterstützt haben und nun täglich an der Nähmaschine sitzen", so Neubauer.

Geboren wurde die Idee der Ausweitung in einer der täglichen Arbeitsbesprechungen am Landratsamt. Gewonnen werden konnten die Lehrkräfte aufgrund eines Aufrufes und der Organisation durch die Schulrätin Susanne Vodde.

Aktuell werden am Tag rund 800 Masken hergestellt. Genäht wird im Zwei-Schicht-Betrieb unter den erforderlichen hygienischen Anforderungen, das heißt: mit Mundschutz und Handschuhen; auch die Arbeitsflächen werden regelmäßig desinfiziert. Eva Parissi, die in der MVZ-Fachrichtung Orthopädie/Chirurgie arbeitet und für den Hygienebereich in dem gesamten MVZ zuständig ist, hat ein Auge darauf, dass die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Um das Schnittmuster hat sich Carina Müller gekümmert, die in krisenfreien Zeiten im MVZ für das Qualitätsmanagement zuständig ist.

Die Nähwerkstatt soll an anderen Schulen des Landkreises weiter ausgebaut werden. Ein weiterer Produktionsstandort wird an der Mittelschule Ebern eingerichtet. Zusätzlich steigen auch Lehrkräfte der Berufsfachschule für Hauswirtschaft an der Heinrich-Thein-Schule in Haßfurt in die Herstellung der Behelfsmasken ein. Wilfried Neubauer kümmert sich um die Materialbeschaffung und sorgt dafür, dass immer genügend Nachschub des dazu benötigten Vliesstoffes vorhanden ist. Verwendet wird dazu kein Baumwollstoff, sondern das Originalmaterial, mittlerweile ergänzt um Mengen, die der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zur Verfügung stellt. "Unsere selbstgenähte Behelfsmaske ist kein medizinisches Produkt, dennoch von hoher Qualität", stellt Wilfried Neubauer klar. "Das Tragen einer Behelfsmaske kann die Übertragungswege einer Coronavirus-Infektion reduzieren. Da die Viren über Tröpfchen übertragen werden, kann ein solcher Schutz hierbei helfen. Besonders aber, wenn man selbst infiziert sein könnte, ist der Schutz sinnvoll."

Landrat Wilhelm Schneider freut sich darüber, dass die Lehrerinnen so eifrig am Werk sind und sich auch in den Osterferien an die Nähmaschinen setzen. "Vielen Dank für dieses großartige Engagement", sagt er.

Gesucht werden jetzt weitere fleißige Näherinnen und Näher oder Bürger, die einfach beim Zuschnitt mithelfen, die sich ehrenamtlich engagieren und die Herstellung der Behelfsmasken unterstützen möchten. Interessierte melden sich per E-Mail unter gemeinsam_naehen@ hassberge.de. Die Helfer sollen Namen und Adresse angeben, wenn möglich auch die Mobilfunknummer. Die erfassten personenbezogenen Daten werden nur für den Einsatz in der Coronakrise verwendet. Die Hobbynäherinnen erhalten keine Vergütung; sie haben über das Ehrenamt Versicherungsschutz. red

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