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Ebern

750 000 Euro für Rosis Rettung

Das Institut für Biodiversitätsinformation und der Würzburger Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie starten in Ebern ein wissenschaftliches Projekt. Im Zentrum stehen die einzigartige Wanze "Rosi" und Säume als Lebensraum.
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Ein Schmetterling (zum Größenvergleich) mit der Essigrosen-Dickfühlerweichwanze auf einer Hand  Foto: Archiv/Jürgen Hennemann/Justus Voigt
Ein Schmetterling (zum Größenvergleich) mit der Essigrosen-Dickfühlerweichwanze auf einer Hand Foto: Archiv/Jürgen Hennemann/Justus Voigt
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Eckehard Kiesewetter "Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hatte erwiesen, dass ein Sympathieträger wie die fleißige Honigbiene die Herzen der Menschen erreicht. Besser jedenfalls als dies einem Aufruf wie "Rettet die Natur" gelänge. In Eberner startet jetzt die Initiative "Rettet Rosi". So nennt sich publikumswirksam ein Projekt des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und des Instituts für Biodiversitätsinformation (IfBI) in Ebern.

"Rosi" ist der Spitzname für die innerhalb Mitteleuropas nur in Ebern nachgewiesene Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Die biologische Rarität ist zu einer Leitfigur für die Forschungs- und Aufklärungsarbeit des Eberner Instituts geworden. Seit 2018 begleitet "Rosi" Naturfreunde auf einem der Wanderwege durch den ehemaligen Standortübungsplatz. Dieser hat sich seit Abzug der Bundeswehr 2004 zu einem artenreichen Naturschutzgebiet entwickelt. Die Wanderwege wurden als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Hohe Zuwendung

"Rettet Rosi" wird, wie Institutsleiter Klaus Mandery bei einer Vorstellung des Projektes am Mittwoch bekanntgab, in den kommenden sechs Jahren mit annähernd 750 000 Euro im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert . Es geht um Art- und Lebensraumerhaltung. Der wissenschaftliche Arbeitstitel lautet "Säume - Vielfalt rund um die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze (Excentricus planicornis)".

Säume sind schmale Übergangslebensräume entlang von Kulturflächen, Wäldern, Gewässern, Wegen, aber auch Felsen und Mauern. Oft sind es die letzten Rückzugsorte für Kleintiere, Insekten und Pflanzen. So liebt auch die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze die wärmebegünstigten Standorte, an denen wiederum die Essigrose gedeiht. Saumstrukturen gehen, wie die Mitarbeiter des IfBI schildern, in unserer Landschaft aufgrund der Maximierung der Bewirtschaftungsflächen mehr und mehr verloren.

Anhand eines Essigrosenbestands unterhalb der Barbarakapelle erläuterten Klaus Mandery, früherer Biologielehrer am Eberner Gymnasium, und die Projektmanagerin Carolin Sommer worum es bei dem Projekt geht. Weitere Erklärungen gaben die Professoren Jochen Krauß und Thomas Schmitt vom Würzburger Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie 3).

Rosis unerforschte Geheimnisse

Noch in diesem Jahr sollen zwei Bachelorarbeiten entstehen, die Rosis Lebensweise und deren Habitatsansprüche zum Thema haben. Eine Dissertation wird sich ab 2021 ortsübergreifend der Artenvielfalt in Säumen widmen.

Bis jetzt ist nicht erforscht, wo die Wanze Rosi ihre Eier ablegt, wie groß die Wanzenpopulation ist oder wie sie sich ausbreitet. Diese Untersuchungen sollen nun in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern aus Würzburg stattfinden, um dann, sozusagen als Modellprojekt ein nachhaltiges Pflegekonzept zu erstellen. "Unser Hauptziel ist der Schutz und Erhalt der Essigrosen-Dickfühlerweichwanze und der Verantwortungsarten im ehemaligen Standortübungsplatz Ebern", erklären Carolin Sommer und Klaus Mandery. Als ,Verantwortungsarten ' bezeichnet man Tier- und Pflanzenarten, für deren Erhalt und Schutz die Region eine besondere Verantwortung trägt, weil diese Arten entweder nur hier vorkommen oder weil ein besonders hoher Anteil der Weltpopulation dort lebt. Aber es geht nicht nur darum, den Lebensraum der Wanze in Ebern zu sichern, sondern sie womöglich in anderen Regionen wieder heimisch zu machen. Die Rede ist von Ansiedelungsversuchen in den Kreisen Lichtenfels, Würzburg und Regensburg.

In einem weiteren Schritt soll das Projekt aufgrund einer Saumkartierung im FFH-Gebiet am früheren Standortübungsplatz die Saumgesellschaften erforschen, die Räuber- und Beutebeziehungen sowie das vielfältige Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen, um das ökologische Netzwerk im Internet für jedermann ersichtlich und erfahrbar darzustellen.

Zudem plant man Vorträge, Führungen und Exkursionen, um die Datenmengen zu erweitern, Wissen zu vermitteln und um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. "Dies ist ein einmaliges Projekt, das den Wissenszuwachs und die Förderung von Interesse und Toleranz gegenüber Saumlebensräumen vereint", heißt es auf der Homepage des Instituts.

Für das Wochenende vom 22. bis 24 Mai kündigt das Institut für Biodiversitätsinformation "Tage der Saumvielfalt" mit Vorträgen und Seminaren an.

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