Lichtenfels

51-Jährige muss für getürkte Belege 1350 Euro Strafe zahlen

Es gab sehr wohl eine Sprachbarriere, wie Staatsanwaltschaft und Richter Stefan Hoffmann zu der 51-jährigen Türkin aus dem östlichen Landkreis bemerkten. Di...
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Es gab sehr wohl eine Sprachbarriere, wie Staatsanwaltschaft und Richter Stefan Hoffmann zu der 51-jährigen Türkin aus dem östlichen Landkreis bemerkten. Die Frau stand am Donnerstag auch darum vor Gericht, weil sie Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Betrugs erhoben hatte.
Nur sehr mühsam konnte Hoffmann ihr auseinandersetzen, dass es für sie eigentlich nur schlimmer kommen könnte. Nebenkostenabrechnungen, Holzhandelsquittungen - handschriftlich frisiert, gefälscht, verändert. Und dann dem Jobcenter vorgelegt, um sich erstatten zu lassen, was man gar nicht ausgegeben hatte. So sah es die Staatsanwaltschaft, von der der Frau ein Brief ins Haus flatterte. 1350 Euro Strafe wegen Urkundenfälschung und Betrugs, stand darin zu lesen.
Tatsächlich flogen manche Fälle auf, tatsächlich wurden an die seit 2011 arbeitslose Frau aber auch Leistungen ausgezahlt, weil die Manipulationen in der Datumszeile nicht oder zu spät bemerkt wurden. 500 Euro wurden ihr so im April 2014 vom Jobcenter ausgezahlt, für eine Quittung in gleicher Höhe, welche von einer Bestellung beim Holzhändler sprach. Im März 2015 reichte die Frau zwei Quittungen für insgesamt 830 Euro ein, zu denen laut Gericht "Beträge und Lieferungen erfunden" wurden.
Es waren fünf Zeitpunkte zwischen 2011 und 2015, zu welchen die Frau befragt wurde. Insgesamt 1661,70 Euro zahlte das Amt im guten Glauben auf die Belege der Frau aus. Doch der gute Glaube war nicht immer da. Belege in Höhe von 1581 Euro zahlte das Amt nicht aus. Es wurde stutzig.
Wirklich antworten konnte die Frau dem Gericht nicht. Gesten, unfertige Sätze, Unschlüssigkeit und Gedankensprünge waren das Einzige, was das Gericht zu hören bekam. Die Beweislast gegen die Frau war erdrückend. Vier Zeugen hätten ausgesagt, dass sie es war, die die Quittungen einst vorlegte. Auch ließ das Gericht die Frau einen Blick auf eben jene Quittungen werfen, insbesondere auf die Stellen, an denen Veränderungen vorgenommen wurden. Das sollte ihr vor Augen führen, dass ein Einspruch gegen den Strafbefehl keinesfalls Erfolg haben würde. Mehr noch: Bliebe ihr Einspruch aufrecht, würde zu Ende verhandelt werden.
"Wenn wir hier eine ganz große Nummer daraus machen [...], alle Zeugen hören, alle Unterlagen anschauen [...], dann kommt es hier zu einem Urteil. Sofern es zu einer Verurteilung kommt, wird es nicht bei dem Betrag im Strafbefehl bleiben", so Hoffmann, eine zwangsläufige Erhöhung der Strafe andeutend. Weinend und über ihre Arbeitslosigkeit klagend, zog die Frau ihren Einspruch letztlich zurück und zeigte sich mit Ratenzahlung der ihr auferlegten 1350 Euro einverstanden.
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