Stadtsteinach
Kirche 

501 Unterschriften für den Mesner

Ingrid Kreisel und ihre Mitstreiterinnen aus Stadtsteinach wollen die Rücknahme der Kündigung von Andreas Dremer erreichen. Pfarrer Wolfgang Eßel verweist erneut auf "finanzielle Zwänge". Entscheidet nun doch das Gericht?
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Ingrid Kreisel (rechts) hat in den vergangenen vier Wochen über 500 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner wünschen sich, dass der gekündigte Mesner Andreas Dremer weiterbeschäftigt wird. Mit im Bild Heike Spindler, eine ihrer Mitstreiterinnen, im Hintergrund die Stadtpfarrkirche St. Michael.  Foto: Klaus Rößner
Ingrid Kreisel (rechts) hat in den vergangenen vier Wochen über 500 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner wünschen sich, dass der gekündigte Mesner Andreas Dremer weiterbeschäftigt wird. Mit im Bild Heike Spindler, eine ihrer Mitstreiterinnen, im Hintergrund die Stadtpfarrkirche St. Michael. Foto: Klaus Rößner

Die Unterschriftenaktion, mit der um die Weiterschäftigung des Stadtsteinacher Mesners Andreas Dremer gebeten wird, ist abgeschlossen. Exakt 501 Frauen und Männer unterstützen die Initiative, die Ingrid Kreisel in vier Wochen durchgeführt hatte. Gestern übergab die Initiatorin die Listen im Beisein einer Delegation.
Die Übergabe vollzog sich auf Wunsch des Geistlichen nicht im Pfarrhaus, sondern im Pfarrhof. Dort trafen Pfarrer Wolfgang Eßel und Kirchenpfleger Klaus Geier auf Ingrid Kreisel, Rudolf Graß, Emmi Kraus und Heike Spindler. Der Geistliche zeigte zwar Verständnis für das Ansinnen, wies aber auch auf die finanziellen Zwänge der Kirchenstiftung hin. "Ich kann Sie verstehen, sehe aber keine langfristige Lösung."


Kühle Atmosphäre

Pfarrer Eßel verdeutlichte, dass die Unterschriften nach Bamberg weitergeleitet werden. Man müssen sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Weiterreichende Aussagen wollte er nicht machen. Beim Gespräch herrschte eine kühle Atmosphäre - der Pfarrer stand für ein Pressefoto nicht zur Verfügung.
Ihr gehe es um eine gute Zukunft der Pfarrei St. Michael, verdeutlichte Ingrid Kreisel. Sie trete eine für eine aktive Gemeinde, die sich den Aufgaben stelle und nach Lösungen suche. "Gemeinsam können wir das schaffen." Die 63-Jährige unterbereitete verschiedene Lösungsansätze, wie der Mesner weiter beschäftigt und dessen Gehalt bestritten werden könnte. "Ich will unsere Kirche lebendig erhalten auch für unsere Kinder und Enkel", so die Initiatorin.
Mitgebracht hatte sie auch ihren Aufruf, mit dem sie für die Unterschriftsliste geworben hatte. Darin hatte sie mehrere Vorschläge zur Finanzierung entwickelt. Etwa den, bei Messen, Jubelhochzeiten oder anderen Anlässen um freiwillige Spenden zu bitten. Der Mehrerlös könnte dann zur Entlohnung des Mesners hergenommen werden. Das Pfarrheim könnte vermietet werden, und das Geld aus den Kollekten müsse nicht zwingend immer für Angelegenheiten außerhalb der Pfarrei verwendet werden. Auch einen freiwilligen Obolus könnte sie sich vorstellen:"Viele von uns würden gerne einen Betrag von fünf Euro monatlich geben, wenn es die Weiterbeschäftigung ermöglicht."
Zudem hatte Ingrid Kreisel in ihrem Schreiben auf die wirtschaftliche Situation der Erzdiözese Bamberg hingewiesen. Die stehe sehr gut im Futter: Für 2017 sind 4,9 Millionen Euro mehr an Steuergeld-Einnahmen an sie prognostiziert (Quelle: Heinrichsblatt).


162 Millionen Steuereinnahmen

Insgesamt wird sich dann das Steueraufkommen in diesem Bereich auf rund 162,6 Millionen Euro erhöhen. Von diesen Mitteln sollen Renovierungsarbeiten, aber auch Personalausgaben bestritten werden. Ingrid Kreisel warb dafür, die Pfarrei Stadtsteinach an diesem Geldsegen zu beteiligen. Hinzu kommt laut der Initiatorin, dass sich Andreas Dremer bereiterklärt hat, eine Reduzierung seiner Arbeitszeit zu akzeptieren. Die Pfarrei sei leider auf diesen Vorschlag nicht eingegangen, bedauerte die 63-Jährige. Und weiter: "Ehrenamtliche sollen künftig seine Aufgaben übernehmen."
Diesen Ansatz aber hält Ingrid Kreisel für verfehlt. Zu umfangreich, aufwendig und zeitintensiv seien die Tätigkeiten, als dass sie zufriedenstellend auf ehrenamtlicher Basis geleistet werden könnten. Wie bereits mehrfach berichtet, hatte die Pfarrei ihren Mesner nach 17-jähriger Tätigkeit gekündigt. Danach wäre sein letzter Arbeitstag der 30. Juni.
Dagegen aber wandte sich der 40-jährige Stadtsteinacher. Er reichte über seinen Anwalt, den Kulmbacher Juristen Jürgen Schmidt, Klage beim Arbeitsgericht Bayreuth ein. Ein Gütetermin im Februar endete ergebnislos. Beide Parteien konnten sich außergerichtlich nicht auf eine Beilegung des Verfahrens einigen. Damit wird das Gericht ein Urteil fällen müssen. Es wird für den 11. Juli erwartet.
Die Pfarrei hatte die Kündigung Dremers mit ihrer finanziellen Situation begründet. Die Kassen seien leer, so Kirchenpfleger Klaus Geier, der sich als ehemaliger Sparkassen-Angestellter maßgeblich um die Finanzen kümmert. Laut Geier liegt das zuletzt bekannte jährliche Defizit bei 23 000 Euro. Für das laufende Jahr könnte sich das Finanzloch sogar noch vergrößern, mutmaßte er. Deshalb gehe an der Kündigung kein Weg vorbei. Auch einer Teilzeit-Lösung steht die Pfarrei bisher ablehnend gegenüber.
Der Kirchenpfleger hatte sich immer wieder gegen den Vorwurf gewandt, dass der Mesner entlassen werden soll, obgleich für viele andere Projekte Mittel vorhanden seien. Die durchgeführten Sanierungen von Pfarrheim und Benefiziatenhaus seien nicht aus dem Pfarrhaushalt bestritten worden. Derzeit könne man nicht einmal den Eigenanteil für die Sanierung der Orgel aufbringen.



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