Käßlitz

500 Schweine ersticken im Stall

Ein Stromausfall in einem Maststall in Käßlitz, unweit der Grenze zum Landkreis Haßberge, hat verheerende Folgen. Tierschützer erstatten Anzeige gegen den Produktionsbetrieb.
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Weil die Lüftung im Stall ausfiel, sind in Käßlitz Hunderte Schweine verendet. Foto: Symbolbild/Daniel Bockwoldt/dpa
Weil die Lüftung im Stall ausfiel, sind in Käßlitz Hunderte Schweine verendet. Foto: Symbolbild/Daniel Bockwoldt/dpa

Eckehard Kiesewetter Käßlitz — In einem Stall der Bäuerlichen Produktionsgesellschaft Hellingen in Käßlitz (Landkreis Hildburghausen) sind Hunderte Schweine verendet. Laut dpa-Meldung hat es im Dorf einen Stromausfall gegeben, so dass der Stall nicht mehr belüftet wurde.

Der Vorfall hat sich bereits in der Nacht zum Montag ereignet. Ein Amtstierarzt und das Veterinäramt Hildburghausen wurden eingeschaltet. Das Landratsamt Hildburghausen beziffert die Zahl der getöteten Tiere auf 498. Sie sind allesamt erstickt.

Käßlitz liegt kaum mehr als einen Steinwurf von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entfernt. Nach Maroldsweisach sind es gerade fünf Kilometer. Die Bäuerliche Produktionsgesellschaft hält am Ortsrand des thüringischen Dorfes rund 1800 Schweine in zwei Ställen. Ein Stall blieb zum Glück von dem Stromausfall verschont.

Das Landesamt für Verbraucherschutz Thüringen wurde noch am Montag eingeschaltet. Die toten Tiere, die sich in der Endmast befunden haben sollen, hat man inzwischen abtransportiert und entsorgt.

Neben dem Veterinäramt untersucht auch die Polizei den Unfall. Geprüft wird die technische Ausrüstung des Stalls. Durch den Ausfall des Stromnetzes brach auch die Telefonleitung zusammen, so dass kein Alarm ausgelöst und niemand über den Vorfall informiert wurde. Ein Notstromaggregat ist den Angaben zufolge zwar vorhanden, kann aber nur manuell eingeschaltet werden.

Auch wird geprüft, ob die Tiere vernachlässigt wurden. Ein Anwalt der Tierschutzorganisation Peta hat am Freitag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Meiningen eingereicht. Die Tierschützer sprechen von Tierquälerei "durch Unterlassung konkreter Schutzmaßnahmen zum Schutz der Schweine in den Ställen." Auch ein Käßlitzer Tierarzt, der den Abtransport der toten Schweine mit dem Radlader beobachtet hatte, kündigte Medien gegenüber eine Strafanzeige an.

Vehementer Protest in den sozialen Medien wendet sich gegen die Art der Tierhaltung und gegen die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Mit einfachen technischen Mitteln, so die Kritik, wäre das Unglück vermeidbar gewesen. Beschwerden über den Gestank aus den beiden Schweineställen hatte es angeblich seit Monaten gegeben.

"Es wurden dort Wirbeltiere ohne vernünftigen Grund getötet, was einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt", sagte Peta-Rechtsanwalt Christian Arleth am Freitag in Stuttgart. Angaben zufolge haben die fast schlachtreifen Tiere schon unter normalen Bedingungen mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und können nicht schwitzen. Irgendwann versage dann der Kreislauf.

Bereits vor einigen Jahren soll es zu einem ähnlichen Vorfall in dem Stall gekommen sein, damals waren rund 300 Schweine verendet, weil sich der Stall zu sehr erhitzt hatte.

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