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Kronach

48-Jähriger muss zwei Jahre "sitzen"

Das Kronacher Schöffengericht verurteilte einen mehrfach vorbestraften Mann aus dem Landkreis zu einer Haftstrafe, überwiegend wegen Hehlerei und Unterschlagung. Die ihm zur Last gelegten Diebstähle im Raum Küps hat er wohl nur zum Teil selbst begangen.
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Kuriose Geschichten hörte das Gericht vom Angeklagten und seinem Kumpel. Symbolfoto: denissimonov / Adobe Stock
Kuriose Geschichten hörte das Gericht vom Angeklagten und seinem Kumpel. Symbolfoto: denissimonov / Adobe Stock

Das Warenlager, das ein 48-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach auf seinem Anwesen ansammelte, glich einer Mischung aus vermülltem Baumarkt, chaotischem Elektrogeschäft und schlampigem Tante-Emma-Laden. Die Neuwerte der teils brauchbaren, teils unbrauchbaren Teile: rund 14 200 Euro. Zeitgleich waren zahlreiche mysteriöse Einbrüche in der Gemeinde Küps in Kellern und Gartenhütten angezeigt worden. Seit vergangener Woche musste sich der 48-Jährige vor dem Kronacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster wegen schweren Diebstahls in 16 Fällen verantworten. Er soll die Ware geklaut und gehortet haben.

Zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren wurde er am gestrigen Mittwoch verurteilt. Jedoch nur in einigen Einzelfällen wegen nachgewiesener Beutezüge. Das Urteil beschränkte sich überwiegend auf die Straftaten Hehlerei und Unterschlagung und in nur einigen Fällen auf Diebstahl. Der Grund für die dennoch relativ hohe Strafe: Der Angeklagte hatte bereits 28 Eintragungen in seinem Strafregister angesammelt. Seit 1989 hatte er nicht nur einmal, sondern mehrmals jährlich kleinkriminelle Taten verübt und zeitweise dafür in Haft gesessen.

Fazit: Der wirkliche Dieb und Einbrecher befindet sich nach dem Urteil wohl noch immer auf freiem Fuß. Es gibt jedoch erste Hoffnungen, dass dieser noch gefasst und dingfest gemacht werden kann.

Der 48-jährige Angeklagte hatte zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche mit abstrusen Geschichten beteuert, dass sein Kumpel ihm stets die Ware gebracht und ihn gebeten hatte, diese für ihn einzulagern. Er selbst habe sich zu diesen Wohltaten hinreißen lassen, obwohl er später vermutete, dass sein Freund ein Dieb sein könnte.

Der Grund für seine unlogischen Handlungen sei die Sorge um seine pflegebedürftige Oma gewesen. Die einzige Tat, bei der er in der Gemeinde mit einem beladenen Bollerwagen mit gestohlen Waren im April von der Polizei erwischt wurde, hatte er nicht als Diebstahl gestanden, sondern lediglich als Sammeln von Sperrmüll.

Fast noch übertroffen im Erzählen von phantasiereichen, unlogischen Geschichten wurde der Angeklagte am gestrigen zweiten Verhandlungstag von seinem Kumpel, dem nach seinen Angaben tatsächlichen Dieb. Der 38-jährige Zeuge schob wiederum dem Angeklagten die Einbrüche und Diebstähle in die Schuhe. Der habe vor ihm immer wieder damit geprahlt, dass er unter anderem in fremde Keller eingestiegen sei und dabei viele hochwertige Sachen ergattert habe. Im Grunde hätten er und seine Kinder immer Angst vor dem Angeklagten gehabt, da dieser hin und wieder randaliert habe und auch mal mit Erschießen gedroht habe. Dann habe man wieder wochenlang mit Betäubungsmitteln und Schnaps gemeinsam gefeiert. Rückfällig geworden sei er in Sachen Freundschaft zum Angeklagten, weil: "Die Kräutermischungen haben halt ein hohes Suchtpotenzial."

Die Richterin fasste nach einstündigem Redeschwall des Zeugen zusammen: "Was Sie uns hier erzählen, ist Mist. Wir haben uns das jetzt lange genug angehört." Seine ihm von der Richterin vorgehaltenen Erinnerungslücken und widersprüchlichen Aussagen gegenüber der Polizei entschuldigte er: "Ich kann nicht mehr alles nachvollziehen. In der Zeit ist viel passiert. Ich bin auch wieder Vater geworden."

Ein Ermittlungsbeamter bestätigte, dass beim Angeklagten eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde, nachdem man ihn nach einem Beutezug mit einem Bollerwagen erwischt hatte. "Es wurden viele Dinge gefunden, die bereits von den Eigentümern als gestohlen angezeigt waren." Die Einbrüche des Angeklagten seien jedoch nie von Zeugen beobachtet worden. Der 38-jährige Kumpel des Angeklagten sei während der Ermittlungen als einziger Hauptbelastungszeuge aufgetreten.

Nach einer Besprechung zwischen Richterin, Anwalt und Staatsanwalt wurden einige der 16 Anklagepunkte folgenlos eingestellt, andere abgemildert. Staatsanwalt Harun Schütz glaubte dem Hauptbelastungszeugen und Kumpel nur zum Teil aufgrund dessen "getrübter Erinnerungsfähigkeiten." Er wollte für den vorbestraften Angeklagten eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Verteidiger Stefan Walder bat das Gericht, das schwere persönliche Schicksal des Angeklagten bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, und daher um eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren.

Auch die Richterin erklärte, dass der Belastungseifer des Zeugen sehr hoch gewesen sei, deshalb sei die Anklage auf nur einige Punkte beschränkt worden. Eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung sei aufgrund des Vorstrafenregisters und der schlechten Sozialprognose ausgeschlossen. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte straffrei bleibe.

Der Angeklagte in seinem letztem Wort: "Es tut mir leid, ich habe mich nur um die Oma gekümmert. Ich habe meinem Kumpel vertraut."